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Lohra gedenkt ehemaliger Mitbürger

Aktion gegen das Vergessen Lohra gedenkt ehemaliger Mitbürger

Mit seiner Aktion gegen das Vergessen erinnerte der Arbeitskreis für Menschenrechte und Menschenwürde an die Judenverfolgung in Lohra.

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Dr. Amnon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Marburg, erläuterte an der Gedenkstätte jüdischer Verstorbener die Inschriften der Grabsteine.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Lohra. Einen Abend eher als üblich veranstaltete der Arbeitskreis für Menschenrechte und Menschenwürde Lohra auf dem Friedhof des Kernorts der Großgemeinde eine Gedenkfeier für die während der Reichspogromnacht verfolgten und deportierten Juden. In der Nacht auf den 10. November 1938 hatten Schergen der Nazis und viele Bürger Synagogen niedergebrannt, jüdische Geschäfte zerstört und Juden ermordet.

Wie in den Jahren zuvor sang Dr. Amnon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Marburg und Mitglied des Vereins für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, das jüdische Kaddisch (Lob Gottes) in aramäischer Sprache. Der evangelische Pfarrer Jonathan Schwarz war ebenso zu hören wie der Vorsitzende der Lohraer Gemeindevertretung Manfred Gerhardt. Beide mahnten zum Gedenken an die Gräueltaten, die eine Warnung für die nachfolgende Generation sein sollen. „73 Jahre sind vergangen, das ist noch nicht zu lange, um zu vergessen“, sagte Schwarz.

Nach der Feierstunde gingen die knapp 13 Teilnehmer der Veranstaltung zu der Gedenkstätte auf dem Friedhof. Die Gedenkveranstaltung hatte der Arbeitskreis laut seiner Vorsitzenden Elfriede Köhler dieses Jahr in einer Doppelveranstaltung eingebettet. Bereits am 30. Oktober, berichtete der Lohraer Jakob Schlag während einer gut besuchten Vortragsveranstaltung über Vorkommnisse in den Jahren von 1933 bis 1945 in Lohra.

Von den mehr als 30 Juden, die zu Beginn der Naziherrschaft in Lohra lebten, wurden 20 durch Schergen des Regimes verschleppt und ermordet. Mit der letzten Deportation im Jahre 1942 erlosch das jüdische Leben in der Südkreisgemeinde.

Der Arbeitskreis Menschenrechte und Menschenwürde wurde 1989 unter dem Vorsitz des Kreistagsabgeordneten Helmut Bamberger (SPD) unter Beteiligung vieler Vereine gegründet, als Reaktion auf den Einzug von NPD-Vertretern ins Europarlament, erklärt die heutige Vorsitzende Elfriede Köhler.

Zurzeit stelle sich der Arbeitskreis den aktuellen Situationen, veranstaltet zum Beispiel einen Integrationstag. Köhler ist überzeugt von der geleisteten Arbeit. „Dass es so ruhig ist in Lohra, dass es so gut läuft, ist nicht zuletzt auch unserer Arbeit zu verdanken“. Köhler freute sich darüber, dass die Schale, die zum Gedenken aufgestellt wird, in der Vergangenheit den Winter überdauert hat. Sie hoffe, dass dies diesmal wieder der Fall sein wird. An der Gedenkstelle übersetzte Orbach nach einer Gedenkminute die Inschriften der Grabsteine.

von Gianfranco Fain und Silke Pfeifer-Sternke

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Amnon Orbach (84) lebt seit 1982 in Marburg. Archivfoto: Weigel

Er hat die jüdische Kultur in Marburg wiederbelebt und engagiert sich für den Dialog mit anderen Religionen: Amnon Orbach soll für seinen Einsatz die Ehrenbürgerrechte erhalten. Das Stadtparlament muss noch zustimmen.

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