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Liebe trotz der Hiebe

Amtsgericht Liebe trotz der Hiebe

Gegen Zahlung einer Geldbuße von 500 Euro wird ein Verfahren wegen Körperverletzung der Lebensgefährtin gegen einen 27-jährigen Mann aus dem Hinterland vorläufig eingestellt.

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Nach erstmaliger häuslicher Gewalt gegen die Lebensgefährtin erhält der Täter eine zweite Chance. 

Quelle: Symbolfoto: DPA

Biedenkopf. Vor dem Amtsgericht in Biedenkopf hatte sich am Dienstag ein 27-jähriger Hinterländer zu verantworten, dem Staatsanwältin Annemarie Wied vorwarf, am 15. April in der gemeinsamen Wohnung seine Lebensgefährtin über eine Couch geworfen, in den Bauch geboxt und in das Gesicht geschlagen zu haben. Einen gezielten Tritt in das Gesicht der jungen Frau soll deren Mutter verhindert haben. Diese soll der Angeklagte so gegen eine Wand gedrückt haben, dass deren Rücken und Hüfte schmerzten. Außerdem habe der Angeklagte seine Lebensgefährtin am Hals gewürgt und mit „verdammte Schlampe“ tituliert. Die junge Frau suchte am 17. April wegen ihrer Beschwerden eine Klinik auf.

Der Pflichtverteidiger des 27-Jährigen erklärte Richter Mirko Schulte, dass sein Mandant an jenem Tag von einem Verhältnis seiner Lebensgefährtin mit einem Nachbarn erfahren habe. Nach reichlichem Alkoholgenuss sei es dann zu dem Übergriff gekommen. Dass sein Mandant zugeschlagen und geschubst habe, sei zutreffend. Dieser habe jedoch nicht die Absicht gehabt, die junge Frau zu treten.

Geschlagene Freundin bittet um Freispruch

Der Angeklagte gab an, dass er sich bei seiner Lebensgefährtin entschuldigt habe. Wied befragte, ob er nicht doch versucht habe, die junge Frau zu treten. Daran konnte sich der Angeklagte nicht erinnern. Dass er seine Lebensgefährtin am Hals gewürgt habe, wies der Angeklagte weit von sich. Warum seine Freundin derart lügen sollte, fragte Schulte, worauf der Mann erwiderte: „Das kann sie hervorragend“.

Die als Zeugin gehörte 24-jährige Lebensgefährtin bat darum, ihren Freund nicht zu bestrafen. Es sei wegen ihrer Affäre zu einem Streit gekommen. Die Zeugin schilderte danach ausführlich, wie und in welcher Stellung ihr Freund sie über die Couch schubste und wie ihre Mutter den Fußtritt gegen ihr Gesicht abwehrte.

Nachdem die Mutter das Haus verlassen hatte, sei es erneut zum Streit gekommen, wobei der Angeklagte sie am Hals gewürgt habe. An ihrem Hals seien ebenso wie am Auge, Gesicht und Rücken blaue Flecke zu sehen gewesen. Sie habe Blut erbrochen und am nächsten Tag das Krankenhaus aufgesucht.

Immer, wenn sie Stress habe, käme es bei ihr zu Erbrechen mit Blutbeimengungen. Sie wolle keinen Strafantrag stellen und beteuerte: „Ich liebe ihn so sehr.“ An diesem Tag sei ihr Lebensgefährte „so breit“ ge­wesen, wie sie diesen noch nie gesehen habe.

Der Verteidiger widersprach den Schilderungen der Zeugin zum beabsichtigten Tritt in das Gesicht, da dies mit den räumlichen Verhältnissen nicht übereinstimmen könne. Schulte verlas ein Attest der Dill-Kliniken und der junge Mann äußerte, dass ihm der Vorfall leid tue.

Der Verteidiger stellte den Antrag, das Verfahren gegen eine Auflage einzustellen, zumal das Paar zusammenbleiben wolle. Sein Mandant bestreite den Lebensunterhalt, da die junge Frau kein Einkommen habe.

Die Staatsanwältin plädierte dafür, das Verfahren ausnahmsweise vorläufig gegen Zahlung einer Geldbuße an den Verein „Frauen helfen Frauen“ einzustellen. Der Angeklagte sei stark alkoholisiert gewesen und nach einhelliger Aussage sei es das erste Mal in dieser Partnerschaft zu einem solchen Übergriff gekommen. Bei dem Tritt ins Gesicht der Zeugin sei es bei einem Versuch geblieben.

Richter Schulte legte dem Angeklagten als Ersttäter eine Körperverletzung, ausgeführt im Zustand erheblicher Enthemmung, zur Last und verhängte eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro, zahlbar in fünf Monatsraten. Davon sind 300 Euro an den Verein „Frauen helfen Frauen“ und 200 Euro an die Hinterländer Werkstätten zu zahlen. Dies sei ein deutlicher Denkzettel für den jungen Mann und dieser sei seiner Lebensgefährtin zu Dank verpflichtet. Erst nach Zahlung der Geldbuße werde das Verfahren eingestellt.

von Helga Peter

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