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Hinterland Licht aus - und durch
Landkreis Hinterland Licht aus - und durch
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19:44 15.01.2013
Im Januar haben zahlreiche Stromanbieter ihre Preise „angepasst“. Die OP verrät, wie Sie mit einfachen Tricks den Stromverbrauch senken können und mit kleinen Mitteln bare Münze sparen. Quelle: Fotomontage: Alexander Pavlenko
Marburg

Habe ich eigentlich den Herd ausgemacht? Heizt das Bügeleisen noch? Galten diese Fragen in den vergangenen Jahren ausschließlich der Sicherheit, schleicht sich nun auch ein anderes Gefühl ein: die Sorge um die Stromrechnung. Zum 1. Januar erhöhten zahlreiche Stromanbieter ihre Tarife. Auch die Stadtwerke Marburg zogen an. 3,44 Cent mehr pro Kilowattstunde Strom. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von 3000 Kilowattstunden pro Jahr kann die Jahresabrechnung so um mehr als 100 Euro steigen.

Und auch bei Eon Mitte wurde an der Gebührenschraube gedreht. „Tarife anpassen“ heißt das im Jargon des Pressesprechers René Schneider. Aber egal wie es umschrieben wird - das Ergebnis bleibt gleich. Strom wird teurer. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch bedeutet das monatliche Mehrkosten von etwa sechs Euro (ca. neun Prozent). 2012 konnte dieser Haushalt bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3000 Kilowattstunden mit einer Jahresrechnung von 760 Euro (inklusive Grundgebühr) rechnen. Bei gleichbleibendem Verbrauch wird die Rechnung im Jahr 2013 höher ausfallen. 834 Euro würden nach der aktuellen Erhöhung zu Buche stehen.

Dr. Elisabeth Benecke, Energie-Referentin bei der Verbraucherzentrale Hessen, rät Kunden nicht nur ihre Lebensenergie darauf zu verwenden, die Preise und Angebote regionaler Stromanbieter zu vergleichen, sondern auch auf den eigenen Verbrauch zu achten. Denn nur wer an sich arbeite, könne langfristig Geld einsparen, erklärt die Energie-Referentin.

„So lange ein Lämpchen noch brennt, sind die Geräte auch nicht ausgeschaltet. Wir sprechen von „Schein-Aus“. Da hilft nur, die Geräte komplett auszumachen. Auch der Stand-by-Modus frisst Strom“, macht Benecke deutlich und fährt fort: „Es gibt Untersuchungen die herausgefunden haben, dass Leerlaufverluste zehn Prozent des Haushaltstromverbrauchs ausmachen“. Bei einem Drei-Personenhaushalt mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch sei dies eine Summe um 90 Euro, die mit einem Knopfdruck eingespart werden könnte. 150 Kilowattstunden können pro Gerät im Jahr zusammenkommen.

Weiter rät die Energieberaterin: „Wer einen Elektroherd besitzt, sollte Tee- oder Nudelwasser besser in einem Wasserkocher erhitzen. Töpfe sollten genau auf die Herdplatte passen, um die Wärme optimal zu nutzen. Außerdem sei das Vorwärmen eines Backofens „völlig unnötig - das verschwendet nur Strom“.

Das größte Einsparpotenzial sieht die Energieberaterin jedoch in der konsequenten Umrüstung auf Energiesparlampen. Wer seine Glühbirnenvorräte noch aufbrauchen wolle - der tue dies lediglich aus nostalgischen, nicht aber aus wirtschaftlichen Gründen. „Diese Lampen verbrauchen bis zu 80 Prozent mehr Energie“, weiß Dr. Elisabeth Benecke.

Der Jurist und Rechtsberater bei der Verbraucherzentrale Hessen, Peter Lasseck, rät, sich nie zu lange an einen Stromanbieter zu binden. „Achten Sie in Verträgen immer auf kurze Lauf-Fristen. Sechs Monate, maximal aber ein Jahr. Damit bleiben sie flexibel. Aber auch bei neuen Anbietern gilt es, die Tarife und die daran geknüpften Bedingungen genau zu prüfen.“ Wer die Preiserhöhung einfach hingenommen hat, der dürfte jetzt schlechte Karten haben, nachträglich aus dem Vertrag auszusteigen, weiß Lasseck. Zwei Wochen nach der Preiserhöhung könne noch das sogenannte Sonderkündigungsrecht gelten. „Das sollte der Verbraucher immer selbst in die Hand nehmen und nicht dem neuen Anbieter überlassen.“

Und auch wenn die Frist für diese Strompreiserhöhung verstrichen ist, Lasseck ist sich sicher: Die nächste lässt nicht lange auf sich warten.

von Marie Lisa Schulz

Hintergrund

  • Grund für die Steigerung des Strompreises ist eine von der Bundesregierung verabschiedete Erhöhung von Abgaben (Beispiel: EEG-Umlage). 
  • EEG steht für Erneuerbare-Energien-Gesetz. Hierbei wird unter anderem Ökostrom den Produzenten zu garantierten Preisen abgenommen, die über den Markttarifen liegen. Die Differenz zahlen die Verbraucher über den Strompreis.
  • Hunderte Stromanbieter haben 2013 ihre Tarife im Schnitt um zwölf Prozent erhöht.
  • Die Umlage für die Erneuerbaren Energien steigt von knapp 3,6 Cent je Kilowattstunde auf fast 5,3 Cent.
  • Zahlreiche Unternehmen, die viel Strom verbrauchen, können sich von der Umlage befreien lassen das treibt die Kosten für Verbraucher und kleine Firmen in die Höhe.
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