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„Legitimation des Personalabbaus“

Uniklinikum „Legitimation des Personalabbaus“

Die Sparpläne am Uniklinikum werden auch die Ärzte treffen - das sagt Personalrat Franz-Josef Schmitz und wird vom ärztlichen Direktor dafür heftig kritisiert.

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Ausgang Arbeitsamt: Im Zuge der Sparpläne macht das UKGM laut Personalrat Schmitz auch vor Ärzten nicht halt. Foto: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Rund 30 Arztstellen sollen im Zuge der Sparmaßnahmen gestrichen werden, sagt Schmitz und legt nach: „Die Zahlen sind nicht offiziell, die fertigen Konzepte liegen aber in der Schublade. Warum soll ich mich verstecken? Diese Zahlen gehören auf den Tisch.“

Professor Jochen A. Werner, ärztlicher Direktor des Uniklinikums, gefallen solche Aussagen gar nicht. Ganz im Gegenteil: In der aktuellen Situationen von Plänen zu sprechen, die es gar nicht gäbe, sei schon skandalös. „Das Land, der Betriebsrat und die Rhön-Klinikum AG haben sich auf ein Validierung des Konzeptes der Geschäftsführung am UKGM durch McKinsey verständigt. Dieses wird im Oktober vorgestellt werden. Bis dahin werden wir uns an keinen Spekulationen beteiligen. Wir halten es für unverantwortlich, dass Patienten, Mitarbeiter und die Region auf diese Weise verunsichert werden und werden bis zur Veröffentlichung im Oktober keine weiteren Stellungnahmen abgeben.“

Der Oberarzt der Frauenklinik und Vorsitzende des Marburger Bundes lässt sich davon nicht abschrecken. „McKinsey dient nur zur Legitimation des Personalabbaus. Es wird Führung verlangt, der Geschäftsführung geht es aber nur um die Moneten. Man muss offen mit dem Personal umgehen. Die Sparpläne werden auch die Ärzte treffen.“

Einen patientenfernen Bereich, wie er von Politik und UKGM-Spitze immer umschrieben werde, gebe es nicht. „Warum sollte es ein Tabu sein, über Sparpläne bei Ärzten zu sprechen?“, fragt Schmitz. Er selbst lege größten Wert auf konstruktiven Umgang miteinander. „Hinter vorgehaltener Hand Pläne zu schmieden, das bringt doch nichts. Es wird eine künstliche Scheinwelt erzeugt.“

Wenn es Geschäftsführer Martin Menger ernst wäre, würde er in die entsprechenden Bereiche der Klinik kommen und sich selbst ein Bild verschaffen. „Das macht er aber nicht.“

Wie konkret die ­Sparpläne auch den patientennahen Bereich betreffen, das erlebt Klaus Hanschur, Betriebsrat am Standort Gießen. Bis zu 50 Stellen in der Pflege sollen dort abgebaut werden.

Ministerium will McKinsey-Ergebnisse abwarten

Von der politischen Opposition hagelt es Kritik. Dr. Thomas Spies, SPD-Landtagsabgeordneter aus Marburg, sieht in den Plänen einen Beleg für den Wortbruch des Ministerpräsidenten. „Tarnen, tricksen, täuschen - so meint Bouffier Hessen regieren zu können.“ In der Plenarsitzung vergangene Woche hatte Bouffier versprochen, die Arbeitsplätze am UKGM seien sicher. „Das zeigt, was seine Versprechen wert sind“, sagt Spies. Besorgt haben auch die Grünen auf die Planungen reagiert. Sollten sich diese bewahrheiten, „sehe ich die Qualität der medizinischen Versorgung in Mittelhessen bedroht“, sagt Angela Dorn, die Marburger Landtagsabgeordnete.

Am Freitag verschaffte sich die Gesundheitspolitikerin persönlich ein Bild von den Zuständen am UKGM, besuchte Betriebsrat und Verwaltungsleitung. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Pläne nicht umgesetzt werden.“

Die Landesregierung nimmt zu der aktuellen Entwicklung keine Stellung. Wissenschaftsministerin Kühne-Hörmann will abwarten, was die Unternehmensberatung McKinsey vorlegen wird. Ihr Pressesprecher verweist auf eine frühere Stellungnahme, in der die Ministerin einem Stellenabbau zustimmt, der aus medizinischer Sicht vertretbar und ohne Einbußen der Patientenversorgung einhergeht. „Zu spekulativen Zahlen und Entwicklungen sagen wir nichts“, heißt es aus dem Büro der Ministerin.

Zur außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 4. Oktober werden die McKinsey-Ergebnisse erwartet. „Dann wollen wir mal sehen, was an den Zahlen dran ist. Ich denke, an diesem Tag kommt der große Knall“, sagt Franz-Josef Schmitz. „Der Ministerpräsident wird sich dann an seinen Aussagen messen lassen müssen.“ Es gäbe drei große Problemkreise: die Sachkosten, die Personalkosten und die Investitionen. „Als Arbeitgeber ist man in der Pflicht, ehrlichen Umgang zu führen“, sagt Schmitz. „Daher steht fest: Es wird auch die Ärzte treffen.“

von Carsten Bergmann

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