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Der Umsatz allein zählt nicht

Lebenshilfewerk Der Umsatz allein zählt nicht

Der Naturkostladen in der Gladenbacher Marktstraße besteht seit fünf Jahren. Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte er längst schließen müssen.

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Hans Möglich (Zweiter von links) erklärte, dass in dem Laden auch Handarbeiten verkauft werden, die Menschen mit seelischer Behinderung hergestellt haben.

Quelle: Sascha Valentin

Gladenbach. Wirtschaftlich getragen hat sich der Naturkostladen des Lebenshilfewerkes in den vergangenen fünf Jahren nicht. „Das ist für uns ganz klar ein Zuschussbetrieb“, sagt Roland Wagner vom Vorstand des Lebenshilfewerkes anlässlich einer Feierstunde zum fünfjährigen Bestehen. Dennoch sei die Lebenshilfe bestrebt, den Laden weiter zu erhalten, erklärte er.

Bei dem Konzept gehe es nicht primär um Umsatz, sondern darum, was dahintersteckt. An dem Standort sind 30 Menschen mit seelischer Behinderung beschäftigt. Sie kümmern sich nicht nur darum, dass das Geschäft läuft, sondern arbeiten auch in der angegliederten Wäscherei, montieren Werkstücke anderer Firmen und gestalten kreative Geschenkideen, die auch im Laden verkauft werden.

Es werde viel über Inklusion gesprochen. „Aber das hier ist praktizierte Inklusion. Die Betroffenen arbeiten inmitten der Gesellschaft und stehen mit Menschen von außerhalb in Kontakt“, sagte Wagner. Der Nutzen daraus wiege wesentlich höher als das betriebswirtschaftliche Ergebnis. Dennoch sei die Situation natürlich schwierig.

Bürgermeister richtet Blick auf soziale Komponente

„Würde der Laden privat betrieben, hätte er schon geschlossen“, sagte Wagner. Das liege leider auch ein wenig daran, dass das Angebot von der Bevölkerung nicht in dem Maße angenommen werde, wie es wünschenswert wäre. Dem schloss sich auch Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) an. Für Gladenbach und die Menschen, die in dem Laden, der Wäscherei und der Werkstatt arbeiteten, sei er ein Gewinn. Natürlich hätten es die großen Märkte mit ihrem umfangreichen Sortiment leichter, Kunden anzuziehen, sagte Kremer. Doch sollte sich jeder einmal bewusst machen, dass er, indem er einen Teil seiner Einkäufe in diesem Laden erledige, auch einen sozialen Beitrag leiste.

Auch Pfarrer Klaus Neumeister appellierte, nicht nur die Preise, sondern auch die Idee und den Auftrag dahinter zu sehen. Er freue sich auf jeden Fall, dass die Lebenshilfe mit einem solchen Angebot an dem Standort vertreten sei – zumal dadurch in der Marktstraße in der Nähe der Kirche eine gewisse Fokussierung stattfinde.

In direkter Nachbarschaft zu dem Laden befinden sich der Weltladen und der Kleiderladen des Diakonischen Werks, also zwei weitere Geschäfte mit sozialem Engagement. Diese machten sich gegenseitig keine Konkurrenz, sagte Neumeister, sondern vielmehr den Standort attraktiver.

von Sascha Valentin

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