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Hinterland „Laubfrösche“ jetzt voll im Plan
Landkreis Hinterland „Laubfrösche“ jetzt voll im Plan
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06:16 07.04.2012
Katharina Knaus singt mit den Kindern im Wald. Quelle: Anita Ruprecht
Rodenhausen

Ab dem neuen Kindergartenjahr, das am 1. August beginnt, kommt der Waldkindergarten in Kirchvers in den Genuss von 1000 Euro Zuschuss pro Kind. Diesen Förderbetrag zahlt die Gemeinde bereits, allerdings lediglich für Kinder, die in der Gemeinde Lohra wohnen.

Die Gemeindevertretung wollte eine Gleichbehandlung aller Kinder, sah aber nicht ein, dass aus eigener Kasse Kinder aus Nachbarkommunen gefördert werden. Also bat der Gemeindevorstand beim Städte- und Gemeindebund um Rat.

Die Gemeinde Lohra könne den Zuschuss in voller Höhe bei den entsprechenden Kommunen anfordern, lautete die Auskunft. Rechtlich belegt ist dies im Paragrafen 28 im Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetz. Eine entsprechende Handhabe hat Lohra aber nur, wenn die „Laubfrösche“ in den Kindergartenbedarfsplan der Gemeinde aufgenommen werden und der Hort in die Bedarfsrechnungen einbezogen wird.

Also beschloss die Gemeindevertretung – bei einer Gegenstimme – die Förderung jedes Kindes mit 1000 Euro, die Anforderung der Kosten bei den Nachbarkommunen und die Aufnahme der „Frösche“ in den Bedarfsplan. Verbunden ist diese Zuschussregelung allerdings mit einer Auflage: Der Waldkindergarten muss der Gemeinde Lohra jährlich über die Verwendung der Zuschüsse Bericht erstatten und monatlich die aktuelle Belegungszahl melden.

Sowohl die Auszahlung der Zuschüsse als auch die Anforderung der Kostenerstattung bei den Nachbarkommunen soll vierteljährlich erfolgen.

Zu der Beschlussvorlage des Gemeindevorstandes hoben in der jüngsten Sitzung des Parlaments in Rodenhausen alle Gemeindevertreter die Hand – bis auf Hans Peter Kovacs (BfB). Der Pfarrer des evangelisch-lutherischen Kirchspiels Kirchvers begründete seine ablehnende Haltung: Sinn des Kindergartenbedarfsplans sei es unter anderem ein Grundangebot darzustellen. Das liege bei 42,5 Wochenstunden. Über ein adäquates Grundangebot verfüge der Waldkindergarten nicht. Wenn man den Bedarfsplan zugrunde lege, seien die Plätze im Waldkindergarten eigentlich keine echten Kindergartenplätze. Darüber hinaus müssten die Eltern deren Kinder in einen Waldkindergarten gehen, für erheblich weniger Stunden erheblich mehr Geld zahlen.

Wenn in einem Kindergarten der übrigen Träger ein Kind aus einer Nachbarkommune aufgenommen werde, dann sei dies genehmigungspflichtig. Bei dem von einem privatrechtlichen Verein getragenen Waldkindergarten sei dies nicht der Fall, sagte Kovacs. Die Gemeinde müsse einen Vertrag mit dem Hort abschließen, und es müsse klar sein, wie der Waldkindergarten mit seinem Angebot im Bedarfsplan zu bewerten sei.

Ein solches Regelwerk müsse noch erarbeitet werden, kündigte Bürgermeister Georg Gaul (parteilos) an und erinnerte, es sei der Wille der politischen Gremien gewesen, eine Möglichkeit zu finden, Zuschüsse von Nachbarkommunen einzufordern. Nun gehe man den ersten Schritt. So wie Inge Weckend-Schorge (Grüne) begrüßte auch Hermann Schorge (SPD) die Aufnahme des Waldkindergartens in den Bedarfsplan.

Man können nicht die angebotenen Betreuungsstunden gegeneinander aufrechnen, denn wenn man das Defizit für die Kindergärten allgemein betrachte, dann seien die 1000 Euro Zuschuss ein geradezu lächerlicher Betrag. Auch Werner Waßmuth (CDU) ging auf die Zuschüsse ein und erinnerte, dass für die Gemeinde in den übrigen Horten pro Kind ein jährlicher Zuschuss von 4500 Euro anfalle. Der Vergleich des Waldkindergartens mit anderen Kindergärten spiele bei dieser Entscheidung keine Rolle, sagte Harald Rink (BfB). Wichtig sei, dass nun die Möglichkeit bestehe, sich Zuschüsse für auswärtige Kinder bei den betreffenden Kommunen zurückzuholen.

von Hartmut Berge