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Hinterland Landwirt lässt Kuh qualvoll verenden
Landkreis Hinterland Landwirt lässt Kuh qualvoll verenden
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21:40 16.08.2011
So sehen glückliche und wohlgenährte Kühe aus. Ein Landwirt aus dem Hinterland hatte eine unheilbar kranke Kuh tagelang auf einer Weide verenden lassen. Quelle: Tobias Hirsch

Biedenkopf. Der Hinterländer überließ seine unheilbar an Paratuberkulose erkrankte Kuh mehrere Tage ihrem Schicksal und fügte dem Tier dadurch unnötige Leiden zu.

Die Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier legte dem Landwirt zur Last, dass er vom 18. bis 22. Februar dieses Jahres dieser erkrankten, abgemagerten und ausgetrockneten Kuh Schmerzen und Leid zugefügt hatte.

Der Landwirt hatte das Tier am Frontlader seines Traktors zu einem abgelegenen Teil einer Weide gebracht, dann mit Silage-Folie und mit einer Palette abgedeckt. In den folgenden Tagen kümmerte er sich nicht um die Kuh. Die Polizeistation Biedenkopf leitete dann eine Nottötung in die Wege.

Richter Mirko Schulte befragte den geständigen Angeklagten und erklärte, dass dieser sich nicht auf die Aussage seines Neffen hätte verlassen dürfen, der hatte behauptet, das Tier werde sterben. Der Landwirt sagte, er sei davon ausgegangen, dass die Kuh tot war. Bei dem Tier habe es sich um eine rotbunte Kuh der Rasse Galloway (Kreuzung) und damit um ein winterfestes Tier, die an Durchfall erkrankt war.

Warum er nichts in Bezug auf eine Tötung durch einen Metzger unternommen habe, wollte Schulte wissen. Der Landwirt gab an, dass er gedacht habe, die Kuh sterbe von alleine. Er habe einen Fehler begangen, dem er sich stellen müsse. In seinem Bestand seien schon einmal zwei Tiere erkrankt gewesen, von denen eines jedoch wieder genesen sei.

Seine Mutterkuhhaltung umfasse etwa 90 Tiere, darunter 40 Muttertiere. Die Krankheit der Paratuberkulose könne sich durch eine Herde ziehen und auch vererbt werden. Ob er auch schon einmal Tiere verbrannt habe, wie dies ein Zeuge habe verlauten lassen, wollte Richter Schulte wissen. Dazu entgegnete der Angeklagte, dass da wohl Fantasie im Spiel sei.

Vor Gericht wurde auch Dr. Bernd Helm vom Fachdienst für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises gehört, der ein schriftliches Gutachten abgegeben hatte und das Krankheitsbild der Paratuberkulose erläuterte. So könnten zwischen Ausbruch und Auftreten der Symptome bis zu drei Jahre vergehen.

Bei der besagten Kuh habe es sich um ein fast fünfjähriges Tier gehandelt. Die Krankheit sei unheilbar und äußere sich in chronischen Durchfällen mit Abmagerung. Auf der ihm bekannten Weide sei die Unterstellmöglichkeit für die Menge der dort stehenden Tiere nicht ausreichend. Nur die stärksten Tiere könnten den Unterstand nutzen. Bei körperlicher Belastung, wie Trächtigkeit und schlechter Haltung, könne Paratuberkulose ausbrechen.

Richter Schulte kündigte dem Angeklagten an, dass er bei einem weiteren Vergehen, dies gelte auch im Umweltschutz, mit einem Berufsverbot als Landwirt rechnen müsse.

von Helga Peter

Mehr lesen Sie am Mittwoch in der Hinterlandausgabe der OP.