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Hofreite erstrahlt in neuem Glanz

Denkmalschutz Hofreite erstrahlt in neuem Glanz

Kathrin Neuser und Gerd Biallas nahmen im Hof ihres Anwesens den Denkmalschutzpreis 2018 des Landkreises entgegen.

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Katrin Neuser und Gerd Biallas freuen sich über die Anerkennung des Landkreises für die Renaturierung des Opperhofes in Weipolts­hausen.

Quelle: Gianfranco Fain

Weipoltshausen. Als die Delegation des Landkreises vollzählig ist, füllen 35 Menschen den Innenraum des Opperhofes in Weipoltshausen, ohne dass jemand Platzangst bekommen muss. Unerwartet viele, stellt Kathrin Neusel am Mittwochnachmittag fest, die sich mit ihrem Lebenspartner Gerd Biallas auf den Tag freute. War der Anlass doch eine Bestätigung ihrer Leistung. Die 44-jährige Neuser und der 47-jährige Biallas erhielten den Denkmalschutzpreis 2018 des Landkreises für die Wiederherrichtung einer der ältesten Hofreiten des Lohraer Ortsteils.

Das Fachwerk-Anwesen umfasst mehrere Gebäude: Haupthaus, Stall, Scheune und Schuppen, deren Alter nicht genau festzulegen ist. Bekannt ist das Jahr, in dem der erste Anbau ans Wohnhaus erfolgte, nämlich 1756. Der Anbau kam vermutlich infolge Heirat mit einem der Eheleute von der gegenüberliegenden Straßenseite hinzu, hat Leusel herausgefunden.

Anfang des vorigen Jahrhunderts entstand dieses Schwarz-Weiß-Foto des Opperhofes. Privatfoto

Sie und ihr Partner kauften das ziemlich heruntergekommene Anwesen im Jahr 2004. Zuvor testete das aus Lollar und Gießen stammende Paar, das sich bei der Arbeit in einer Gießener Bank kennenlernte, einige Jahre das Landleben im benachbarten Kirchvers. Die Wahl auf die Hofreite fiel, weil es noch Neusers Pferd unterzubringen galt und Nachwuchs auch da war.

„Wenn man ein Denkmal kauft, muss man es auch erhalten.“ Darüber waren sich die beiden Bankkaufleute einig, dennoch gibt Biallas zu, etwas blauäugig an das Projekt rangegangen zu sein. Dabei hielten sie eine Arbeitsteilung ein. „Sie sagte, wie sie sich es vorstellt, ich hab‘s gemacht“, erzählt der 47-Jährige, doch dass es so viel wurde, ahnten beide nicht. Es war in vielerlei Hinsicht eine Lernphase. „Gerd war kein Handwerker, jetzt ist er einer“, sagt seine Lebensgefährtin anerkennend.

I m Jahr 2004 erwarben Kathrin Neuser und Gerd Biallas das Anwesen. Privatfoto

Vier Jahre sollte die Wiederherstellung dauern. Denn nachdem im Inneren die Gipskartonplatten entfernt waren, zeigte sich das ganze Ausmaß der notwendigen Arbeiten. Mehr als 30 Container à 5 Kubikmeter Material habe er aus dem Haus entfernt, erzählt Biallas und allein 23 Tonnen an Lehm für die Innendämmung wieder reingebracht. Das Aufschichten der 16 Zentimeter dicken Lehmdämmung samt Bambusgeflecht zeigte Biallas auch die Grenzen auf: „Einen Meter schaffte ich an einem Tag.“ 60 mussten es werden und Katrin Neuser konnte nur bedingt mit anpacken, da die Tochter zu betreuen war. „Da habe ich mir Freunde als Helfer geholt“, berichtet er.

Weitere Aufgaben waren zum Beispiel das Ausgraben des Kellers auf Stehhöhe oder das Entfernen von Decken. Wichtige Tipps erhielten sie von ihrem Architekten. Größere Arbeiten, wie das Decken des Daches oder die Heizungsanlage ließen Neuser und Biallas von Fachfirmen erledigen. „Alles in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden“, betonen sie. Deren Mitarbeiter lernten sie als Unterstützer ihres Projekts kennen, es entstand ein Vertrauensverhältnis, das sich positiv auf das Ergebnis auswirkte.

So sieht die Hofreite in Weipoltshausen heute aus. Privatfoto

Als mustergültige Sanierung der dreiseitigen Hofanlage, die fachlich hervorragend gelungen sei, bezeichnete Marian Zachow das Ergebnis. Man sehe, dass das Paar viel Leidenschaft eingebracht hat, ergänzte der Erste Kreisbeigeordnete bei der Preisübergabe.

Es kostete viel Zeit und Kraft, sagt Neuser. Wie viel Geld ihr Projekt kostete, darüber schweigen sich die Bankkaufleute aus. Biallas verrät nur soviel: Unter Einbeziehung der Zuschüsse der Denkmalpflege und aus dem Dorferneuerungsprogramm sowie den steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten habe die Hofreite-Sanierung ähnlich viel gekostet, wie der Bau eines Einfamilienhauses.

Fertig sind Neuser und Biallas aber noch nicht. Ein Carport soll im Hof entstehen und ein neues Tor angefertigt werden. Zum Schluss wird das Pflaster des Hofes hergerichtet werden.

von Gianfranco Fain

Die Lehmschichtung für die Innendämmung der Wände in der Hofreite. Foto: Gianfranco Fain
 
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