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Hinterland „Land unter“ im Gemeinschaftshaus
Landkreis Hinterland „Land unter“ im Gemeinschaftshaus
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21:30 29.02.2012
Hinter diesen Fenster platzte Anfang Februar eine Kaltwasserleitung. Die Räume im Dorfgemeinschaftshaus sowie im FeuerwehrAnbau standen unter Wasser. Bis Ende April soll der Schaden behoben sein. Quelle: Hartmut Berge

Runzhausen. Gladenbachs Bauamtsleiter Ulrich Weber erklärt, wie es zu dem Schaden kam: In der Küche des Gebäudes verlaufe eine Kaltwasserleitung am Fenstersturz entlang in einem Gipskartonkasten.„Weil der Dachraum schlecht gedämmt ist, drang während der jüngsten langen Frostperiode Kaltluft in den Kasten ein.“

Das Wasser in der nicht sonderlich gut isolierten alten Leitung fror, dehnte sich aus und brachte die Leitung zum Platzen.So lief in kurzer Zeit relativ viel Wasser unter der Wandverkleidung in der Küche Richtung Boden, von dort in den großen und kleinen Saal des Gebäudes, versickerte teilweise unter den PVC-Fußboden, suchte sich seinen Weg weiter in den Anbau der Feuerwehr und floss aus einer Nebentür in Freie.

Nachbarn berichten, dass sich vor der Tür auf der Treppe ein fast 40 Zentimeter dicker Eisblock gebildet hatte. Die obere Treppenstufe fror los. Laut Feuerwehrleuten stand das Wasser in ihren Räumen vier Zentimeter hoch. Nicht besser sah es in den Räumen des Dorfgemeinschaftshauses aus.

Entdeckt wurde der Schaden von einer Erzieherin, die kurz vor 8 Uhr ihr Auto in der Nähe geparkt hatte, um im angrenzenden Kindergarten ihren Dienst anzutreten. Eine Nachbarin hörte bereits morgens um 7 Uhr Wasser plätschern, vermutete einen Schaden im eigenen Haus, konnte aber nichts finden.   

Bauhofmitarbeiter saugten  das Wasser ab, auch eine Reinigungsfirma  kam zum Einsatz. Ein von der Versicherung beauftragter Gutachter hat den Schaden inzwischen aufgenommen, eine Trocknungsfirma wird nun unter anderem Entfeuchter einsetzen, um die Wände trockenzulegen. In der Küche müsse die Wandverkleidung entfernt werden, um auch an die Feuchtigkeit heranzukommen, die sich im Gipskarton gesammelt habe, erläutert Ulrich Weber. Und vorher muss die Küche komplett ausgeräumt werden.

Der Fußboden werde an einigen Stellen bis in den Estrich aufgebohrt und dort Warmluft hinein geblasen, beschreibt er. Wenn dies alles erledigt sei, müsse man hoffen, dass der PVC nicht durch Restfeuchte hochgedrückt werde. Doch auch die Behebung eines solchen nicht ganz auszuschließenden Folgeschadens werde durch die Versicherung abgedeckt, sagt der Bauamtsleiter. 

Das Rohrstück im betreffenden Kasten sei zwar erneuert, damit es beim nächsten Dauerfrost nicht wieder zu einem Schaden komme, werde die Stadt nun auf eigene Kosten die Wasserleitung in diesem Teil der Küche isolieren, kündigt er an.Im Zuge der Arbeiten soll auch ein Heizkörper versetzt werden, der etwas ungünstig platziert sei.

Das biete sich angesichts des ohnehin anstehenden Aufbruchs an. Spätestens Ende April, so schätzt der Bauamtsleiter, können die Räume wieder genutzt werden. Wichtig sei es, dass ordentlich entfeuchtet werde. Nach der Isolierung der Wasserleitung und dem Versetzen des Heizkörpers kämen dann als letzte Handwerker die Maler zum Einsatz.

Im Zuge der jüngsten Sanierungsarbeiten wurden auf der Südseite des Dorfgemeinschaftshauses  Fenster mit Doppelverglasung eingesetzt. Der Austausch weiterer energiesparender Fenster – etwa in der Küche – stehe noch aus, berichtet Ortsvorsteher Uwe Burk. In der Sache werden sich die Runzhäuser aber noch gedulden müssen.

Im aktuellen Haushaltsplan ist diese Investition nicht vorgesehen. Ob die fast 40 Jahre alten Küchenfenster einen weiteren frostreichen Winter überstehen, bleibt abzuwarten. Das aus der aufgeplatzten Leitung herablaufende Wasser gefror und drückte teilweise den Fensterkitt aus den Fugen.

Auch Türen  und womöglich die  im wesentlichen aus Spanplatten bestehende Einbauküche haben Schaden genommen. Sanierung des Schadens soll in Kürze beginnenDas Haus wurde 1959 erbaut und bis 1966 als Dorfschule genutzt. Nach einem Umbau wurde es 1976 in seiner heutigen Funktion als Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht.

Die Stadt Gladenbach hat das Dorfgemeinschaftshaus seit dem 1. Oktober 2004 an den damals eigens gegründeten Dorfförderkreis Runzhausen verpachtet. Um die laufenden Kosten zu senken und die Stadt Gladenbach zu entlasten, hatte  im Februar desselben Jahres die Runzhäuser Damengymnastikgruppe, aus der sich der Dorfförderkreis gruppiert hatte, einen Antrag auf Verpachtung des Dorfgemeinschaftshauses gestellt.

Allein das Runzhäuser Dorfgemeinschaftshaus verursachte bis dahin ein Defizit von rund 9 000 Euro. Für die Runzhäuser gab es durch die Verpachtung des Dorfgemeinschaftshauses keine Veränderungen, nur der Ansprechpartner wechselte. Der Förderkreis erhält einen jährlichen Zuschuss, kassiert die Mietgebühren, trägt aber die Bewirtschaftungskosten.

Er  versucht seither, das Haus mit Leben zu füllen und für mehr Nutzungen zu werben. Förderkreis-Vorsitzende Margarete Kuhl rechnet – infolge des Wasserschadens – mit Einnahmeverlusten in Höhe von etwa 1 000 Euro. Eine für den 17. März geplante Hochzeitsfeier, eine Konfirmationsfeier und jede Menge andere Veranstaltungen musste sie absagen und sie hofft nun, dass die Arbeiten bald beginnen.

von Hartmut Berge