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Hinterland 18-Millionen-Projekt startet
Landkreis Hinterland 18-Millionen-Projekt startet
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18:40 16.08.2017
Das DRK-Krankenhaus wandelt sich. Mit Hilfe des Landes investiert der Kreisverband Biedenkopf Millionen ins Haus. Quelle: Gianfranco Fain
Biedenkopf

Es sei schon eher ungewöhnlich für einen Finanzminister auf einen Schlag so viel Geld loszuwerden, sagt Dr. Thomas Schäfer, dennoch freue er sich geradezu darüber, gestand der aus Biedenkopf stammende CDU-Politiker. Der Anlass sei auch ein bedeutender für das DRK-Krankenhaus, deren Mitarbeiter und die Bürger der Region, betonte am Mittwoch nicht nur der hessische Finanzminister, sondern auch die Vertreter des Vorstandes und Aufsichtsrates sowie der Ärzteschaft.

Mit 16 Millionen Euro unterstützt das Land Hessen die ­Umbau- und Erweiterungspläne des DRK, das weitere rund zwei Millionen in sein Krankenhaus investiert. Die Konstellation in Biedenkopf mit dem „sehr deutlichen Bekenntnis des Trägers“ zu Standort, Betrieb und Auftrag sei bundesweit schon „exotisch“, bemerkte Schäfer.

Minister lobt DRK-Vorsitzenden

Auch aufgrund der Wahrnehmung des Versorgungsauftrags in der Region und des nicht selbstverschuldeten Risikos sei die Landesregierung bereit, den DRK-Kreisverband zu unterstützen, um die Wirtschaftlichkeit des Projektes zu ermöglichen. Zudem sei das Krankenhaus für die Region wichtig, obwohl es im Landkreis eine „gewisse Randlage“ habe. Doch das Versorgungsgebiet mit einem Radius von 35 Kilometern reiche bis weit in das benachbarte Wittgensteiner Land hinein.

Der Finanzminister lobte ausdrücklich den DRK-Vorsitzenden Willi Welsch, für seinen Einsatz für das Haus und auch ­dafür, kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand ein solches ­Projekt initiiert zu haben.

Die Grafik als PDF zum Herunterladen:

Welsch sprach von einem Signal, das am Mittwoch an Mitarbeiter und die Menschen in der Region ausgesandt werde: „Es geht weiter, der Standort ist gesichert.“ Vor sechs Jahren brachten er und seine Mitstreiter das Projekt auf den Weg, überarbeiteten es fortlaufend, um das Krankenhaus baulich, inhaltlich und konzeptionell so aufzustellen, dass der Versorgungsauftrag für die Menschen in der Region auch in Zukunft erfüllt werden kann und die betriebswirtschaftliche Komponente besser berücksichtigt wird, erklärte der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Biedenkopf.

Werner Reitz sprach als Präsident des DRK-Aufsichtsrates von einer zukunftsweisenden Stärkung der Region. Bürgermeister Joachim Thiemig drückte die Freude der Stadt aus und äußerte wie Aufsichtsratsmitglied Alfred Hausburg die Hoffnung, dass es in Zukunft wieder einer Geburtshilfestation am DRK-Krankenhaus geben wird.

Investitionen dienen auch für weitere Kooperationen

Derzeit gibt es in Biedenkopf Abteilungen der Chirurgie, Gynäkologie, Inneren Medizin und Urologie im Belegarzt-System. Bei der Intensivmedizin besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem UKGM in Marburg. Im vergangenen Jahr ließen sich rund 5700 Patienten im DRK-Krankenhaus ambulant oder stationär behandeln.

Die baulichen Veränderungen sollen auch weitere Kooperationen ermöglichen, so ist zum Beispiel als Nächstes die Ansiedlung einer Neurologie der Phase B angestrebt. Die Investitionssumme beträgt knapp 18 Millionen Euro, rund 16 Millionen kommen vom Land – 8 Millionen aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) und 7,9 Millionen als landesverbürgtes Darlehen – 2,08 Millionen steuert das DRK aus Eigenmitteln bei. Für das Geld sollen ab dem Frühjahr 2018 in vier Bauabschnitten der Kopfbau in Richtung des Seniorenzentrums Lahnaue erweitert, das „Haus Dr. Gila“, in dem sich derzeit die chirurgische Praxen der Belegärzte befinden, sowie der Funktionstrakt und der Bettentrakt umgebaut werden.

Neben der Hoffnung auf die Wiederansiedlung der Geburtshilfe verfolgt der Vorstand weiterhin das Ziel, eine hausärztliche Notdienstzentrale für die Region einrichten zu können.

von Gianfranco Fain

Freuen sich über den Geldsegen für das DRK-Krankenhaus in Biedenkopf (von links): die Aufsichtsratsmitglieder Angelika Löber und Werner Reitz, Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer als Überbringer der Bescheide und der DRK-Vorstandsvorsitzende Willi Welsch. Foto: Gianfranco Fain