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Hinterland "Kunst ist frei, das gefällt mir"
Landkreis Hinterland "Kunst ist frei, das gefällt mir"
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18:45 10.04.2013
Sie begann als junges Mädchen mit der Malerei. Doch mit den Jahren ist viel Neues dazugekommen. Großen Spaß bereitet Angelika Friedrich-Henn aus „scheinbar nichts etwas Besonderes zu machen“ – und so lässt die Lohraerin dunkelrote Damenschuhe in den Wolke Quelle: Benedikt Bernshausen
Lohra

An der Eingangstür begrüßen lächelnde Holzscheite Besucher und Bewohner. Im Garten hat Angelika Friedrich-Henn einige Arbeiten aufgestellt und auch im Haus findet sich Kunst in allen Räumen: Bilder zieren Wände, kleine Skulpturen Fensterbänke und meterlange Stifte, geschnitzt aus massiven Ästen, den Flur. Ihre Leidenschaft sind die großen und kleinen Dinge, ihre Kunst ist bunt und lebendig und ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags.

„Ich brauche das Kreative im Leben“, betont die fröhliche Künstlerin. Auf dem Tisch im Esszimmer liegen Farben und eine abgebrochene EC-Karte, daneben ein leeres Blatt. Sie ist überzeugt, dass jeder malen kann, schiebt mir die Utensilien zu und sagt: „Versuchen Sie es.“ Ich nehme die Karte, streiche durch die Farbe und ziehe zaghaft einen blauen Bogen auf dem Blatt. Die Bruchkante der Karte hinterlässt ein interessantes Muster.

Angelika Friedrich-Henn nickt begeistert, taucht den Zeigefinger in die gelbe Farbe, tippt auf das Papier und hinterlässt einen Klecks auf meinem Handrücken. Sie schmunzelt: Wer bei einer Künstlerin zu Gast sei, könne nicht ohne Spuren nach Hause fahren.

In den Südkreis zog die Familie vor mehr als zehn Jahren, als Friedrich-Henns Ehemann die Stelle als Pastor der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde bekam. An der Seite seiner Kinder lebt das Paar, das aus Baden-Württemberg stammt, gern in Lohra.

Den Mittelpunkt im Leben von Angelika Friedrich-Henn bilden die Familie und der Beruf als Erzieherin im örtlichen Kindergarten. Ihr Lebensgrund ist der christliche Glaube, der sich auch in vielen ihrer Werke spiegelt: Oft sind Engel und Bibelverse zentrale Motive. Als junges Mädchen begann die gebürtige Bruchsalerin mit der Malerei.Weil ihre Eltern als Raumausstatter arbeiteten, waren Farben und Pinsel im Haus immer vorhanden. Während der Schulzeit beflügelten kunstbegeisterte Lehrer ihr Interesse - sie bewahrte es und entwickelte sich weiter. Sie bemalt Papier, Holz oder Baumrinde, verwendet dafür Wachsmalstifte, Erde, Aquarell- oder Acrylfarben. Im Winter malt sie Motive auf Schnee, wohlwissend, dass das Werk vergänglich ist.

Doch die Malerei ist nicht ihr einziges Steckenpferd: Skulpturen fertigt Angelika Friedrich-Henn aus Alltagsgegenständen oder Dingen, die sie bei Spaziergängen in der Natur entdeckt. Aus herumstehenden Backsteinen und einem Topfdeckel wird der „Steinpilz im Erdbeerbeet“.

Abgebrochene Zinken einer Baggerschaufel ruhen unter einem rostigen Metallbogen wie „Menschen unterm Regenbogen“. Daneben tanzen dunkelrote Damenschuhe auf einem Spiegel, der im Gras liegt, in den Wolken. Ihr bekanntestes Werk heißt „Blaue Suppe“. Die steht in einem alten Teller auf einem schiefen, weißen Tisch.

„Es ist eben nicht alles gerade im Leben“, kommentiert die Künstlerin und fügt nach einem Blick auf die ungewöhnlich aussehende Suppe an: „Blau ist meine Lieblingsfarbe!“Mit der Familie besucht die Lohraerin gern große Kunstausstellungen. Die eigenen Arbeiten zeigte sie erstmals 2009 während der Marburger Kunsttage öffentlich.

Ein Schritt, der ihr schwerfiel: „Ich habe eine große Portion Mut gebraucht, mich hinzustellen und zu sagen: Das habe ich gemacht.“ Mit ihren Bildern und Skulpturen, die oftmals keine Namen tragen und den Betrachter auffordern, eigene Gedanken zu entwickeln, möchte Friedrich-Henn vor allem Freude schenken.

Sie erwartet Reaktionen auf ihre Werke, empfindet ein Lächeln als größtes Kompliment. Und was ist für die Künstlerin das Besondere? Sie überlegt kurz und antwortet mit leuchtenden Augen: „Kunst ist frei, das gefällt mir.“

von Benedikt Bernshausen

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