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Kooperationen sollen Kreißsaal retten

Biedenkopf Kooperationen sollen Kreißsaal retten

Der Erhalt der Geburtshilfe-Station in Biedenkopf, der zum 31. März 2013 das Aus droht, ist der erklärte Wille der Belegärzte, des DRK-Krankenhauses und der Politik.

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Landrat Robert Fischbach (von links) nahm im Beisein von Dr. Karsten McGovern die Unterschriften-Liste entgegen, die ihm Jochen Schröder überreichte.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Marburg. Nicht die Frage, ob die Geburtshilfe-Station erhalten werden soll, stellt sich nach dem gestrigen Gespräch am runden Tisch im Landratsamt, sondern die, in welcher Form. Dass die Station nach wie vor die Versorgung in der Region sichern soll, ist auch das Anliegen von 8700 Menschen, die mit ihrem Namen dafür gezeichnet haben. Jürgen Schröder, Initiator der Initiative „Rettet die Geburtshilfe-Station“, und seine Ehefrau Jasmin übergaben die Unterschriftenlisten im Anschluss an die Gesprächsrunde an Landrat Robert Fischbach. „Das ist ein Votum an uns alle“, sagte Fischbach und verband diese Aussage mit dem Versprechen, miteinander an Lösungen arbeiten zu wollen.

Zwei Stunden hatten er und Dr. Karsten McGovern, Erster Kreisbeigeordneter, Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes, Belegärzte, Vertreter der Universitätsklinik Gießen-Marburg (UKGM) und Bürgermeister Joachim Thiemig für die Hinterländer Rathauschefs sowie Bettina Löffler, Leitende Hebamme in Biedenkopf, über Möglichkeiten zum Erhalt der Geburtshilfe-Station diskutiert.

Für Löffler keimte ein Funken Hoffnung auf - wenn auch nur ein kleiner. Sie hat es als positiv aufgenommen, dass die Beteiligen im Gespräch aufeinander zugegangen sind. Hatten doch die vier Belegärzte Dr. Manfred Hoffmann, Uwe Wagner, Patrick Giffeln und Kirsten Renke vorgestern noch in den Raum gestellt, dass das Aus der Geburtshilfe-Station nicht nur an den massiv gestiegenen Haftpflichtversicherungsprämien hängt. Vielmehr sei die Personalsituation unzureichend. Auf der Station fehlen laut der Ärzte zwei Fachärzte, um die Bereitschafts- und Nachtdienste abdecken zu können. Die Arbeitsbelastung sei zu hoch und der Qualitätsstandard bei gleichbleibender Besetzung gefährdet.

Mc Govern ist das Problem bewusst. Die Rahmenbedingungen „sind insgesamt ungünstig“. Kooperationen seien ein richtiger und möglicher Weg, um die Geburtshilfe-Station erhalten zu können. „Alle Beteiligten haben ihre Bereitschaft dazu signalisiert“, ergänzte Fischbach.

In einem weiteren Gespräch am 16. November soll ausgelotet werden, wie die Kooperation aussehen kann - mit der Universitätsklinik Gießen-Marburg und dem Diakoniekrankenhaus in Wehrda. „Dazu gehören auch die finanziellen Aspekte“, sagte Fischbach. Für Löffler sind diese ein entscheidender Faktor dafür, ob es für sie und ihre Hebammen-Kolleginnen am DRK-Krankenhaus Biedenkopf weitergeht. Am 20. November werden vor dem Arbeitsgericht die ersten Kündigungsschutzklagen der Hebammen, die zum 31. März 2013 ihren Job verlieren, verhandelt.

„Die Zeit drängt“, sagt Uwe Wagner, Direktor der Gynäkologie am UKGM. Noch seien nicht alle Probleme gelöst. Es werde schwierig, die Rahmenbedingungen, die notwendig sind, um die Geburtshilfe-Station zu erhalten, zu erfüllen. Das UKGM habe das klare Signal gesetzt, die regionale Medizin in kleinen Einheiten zu unterstützen. „In der nächsten Runde wird es für die Geburtshilfe-Station konkreter. Wir werden sehen, wie der Erhalt zu realisieren ist“, sagt er und machte gleichzeitig deutlich, dass eine Lösung zeitnah gefunden werden muss. „Die Zeitschiene ist nicht mehr diskutabel“, ergänzte Wagner.

Die eigentliche Frage, die diskutiert werden müsse, sei der Erhalt des Kreißsaals. Auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei klar, dass die Kosten zwar reduziert, der Qualitätsstandard aber aufrecht erhalten werden muss, sagte Hessens Finanzminister Schäfer.

Ein Aus der Geburtshilfe-Station habe „dramatische Auswirkungen auf die Region“, versicherte Bürgermeister Thiemig. Das DRK genieße einen guten Ruf und habe eine Versorgungsfunktion über den Landkreis hinaus. Eine Verschlechterung für die Menschen vor Ort wollen er und seine Bürgermeisterkollegen nicht hinnehmen. „Das heutige Gespräch lässt uns vorsichtig optimistisch sein“, erklärte er und ergänzte: „Wir werden den Prozess aktiv begleiten und am Ball bleiben für die Menschen in der Region.“

von Silke Pfeifer-Sternke

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