Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Konkurrenz blickt prüfend auf die Pläne
Landkreis Hinterland Konkurrenz blickt prüfend auf die Pläne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:10 01.04.2012
Das Schlossberg-Center in der Marburger Innenstadt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Universitätsstraße soll einmal das „Gutenberg-Center“ entstehen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der optimistische Tenor innerhalb der Geschäftswelt: Wenn der Mieter-Mix stimmt, neue attraktive Geschäfte in die Innenstadt kommen, könnte das neue Center zu einer echten Bereicherung werden und Kaufkraft anziehen. Der pessimistische Tenor: Wenn die Filialisten der Oberstadt oder des Schlossberg-Centers ihre Geschäfte dort aufgeben und einfach auf größere oder neue Flächen ins „Gutenberg-Center“ wechseln, zieht das keine zusätzlichen Kunden an - der drohende Leerstand wirke dann im Gegenteil eher abschreckend.

Der Investor Joachim Tenkhoff will das „Gutenberg-Center“ möglichst rasch bauen und entwickeln (die OP berichtete). Er räumt ein, dass er sowohl mit Unternehmen in Verhandlungen steht, die zusätzlich in die Stadt kommen, als auch mit Firmen, die vor Ort heute schon vertreten sind. Die Gefahr, dass sein „Gutenberg-Center“ die Marburger Händler eher Kaufkraft kostet und keine neue bringt, sieht er aber nicht: „Die Oberstadt etwa ist extrem attraktiv und wir werden eine sinnvolle und gute Ergänzung darstellen. Wir wollen mit der Oberstadt erfolgreich sein.“

Ob das die Mitglieder des Werbekreises Oberstadt genauso sehen, wird sich am morgigen Dienstag zeigen. Am Abend, so sagt der Vorsitzende Friedrich Bode, wollen die Gewerbetreibenden ihre Versammlung nutzen, um die sich abzeichnende Mieter-Struktur zu beraten und eine gemeinsame Haltung zu entwickeln.

Sabine Briel sieht für ihr Bettenhaus Briel - vom Standort her ein Bindeglied zwischen Oberstadt und Südviertel - keine direkte Konkurrenz durch ein neues Center: „Da sehe ich die mögliche Entwicklung für die Oberstadt schon kritischer, falls mehrere Filialisten ihre Geschäfte dort aufgeben.“ Mit Vorfreude sieht sie aber dem Tag entgegen, an dem die maroden Gebäude einem modernen Bau weichen: „Das Allianz-Haus heute ist ein Schandfleck auf der Ecke, in dem wohl bis zum Neubau niemand mehr eine bereits leer stehende Fläche anmietet.“

Auch Dirk Steinmetz, Inhaber des gleichnamigen Schuhhauses in der Gutenbergstraße, sehnt als direkter Nachbar den Tag des Neubaus herbei und sieht im Center eine große Chance: „Eine vernünftige Mieter-Struktur mit neuen Sortimenten wären ein Gewinn für die Stadt, die Kunden und Bewohner.“ Skeptisch ist Steinmetz hingegen, ob die geplanten 300 Parkplätze ausreichen. Erst recht dann, wenn ein mögliches Hotel noch Anspruch auf reservierte Plätze für seine Gäste erhebt: „Ich glaube nicht, dass wir schon alle bereit sind, uns ausschließlich mit Bus und Bahn fortzubewegen. Wer in die Innenstadt kommt, der will auch vor Ort parken und seine Einkäufe möglichst unkompliziert transportieren.“

Die Betreiber-Gesellschaft des Schlossberg-Centers, Mfi (Management für Immobilien AG), sieht den Plänen für die Innenstadt gespannt entgegen und den Vorteil auf ihrer Seite, wie der Objektverantwortliche Christian Krause erklärt: „Uns spielt der Faktor Zeit in die Hände. Es wird noch viele Jahre dauern, bis das Gutenberg-Center wirklich einmal realisiert ist. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es bei Projekten in dieser Größenordnung mitten in der Stadt während der Bauarbeiten zu Verzögerungen kommt. Währenddessen können wir das Schlossberg-Center systematisch weiterentwickeln.“

Der Center-Manager, der auch für die „Galerie Neustädter Tor“ in Gießen verantwortlich ist, führt derzeit nach eigenen Angaben Verhandlungen mit verschiedenen Mode-Ketten, um die leer stehenden Flächen wieder zu vermarkten. „Zudem sehe ich an unserem starken Standort sehr gute Chancen, neue Lebensmittel- und Gastronomie-Konzepte zu etablieren“, sagt Krause.

Im Fokus sind dabei vor allem die beiden größeren leer stehenden Flächen: In der ersten Etage des Centers sind derzeit rund 600 Quadratmeter unvermietet (früher: Kenvelo, Jean Pascale). Die insolvente Drogerie-Kette Schlecker hinterlässt nach ihrer Schließung im Untergeschoss eine Nutzfläche von rund 300 Quadratmetern.

Langfristig planen kann Krause nach eigenen Angaben mit New Yorker und Lidl: „Beide Mietpartner haben ihre Verträge verlängert, ihre Flächen umgebaut und Lidl hat sogar die Verkaufsfläche erweitert.“ Insofern gibt sich Krause zuversichtlich, dass beide Filialisten dem Standort „Schlossberg-Center“ treu bleiben.

Als bislang einziges lokal ansässiges Unternehmen hat die Begro-Inhaberfamilie Krug angekündigt, die Chance zur Expansion in die Innenstadt zu nutzen und drei Mode-Markenshops im neuen „Gutenberg-Center“ zu eröffnen (die OP berichtete). Nach Informationen der OP stehen als Mieter außerdem fest: S.Oliver, Esprit, Street One, Cecil, New Yorker (alle Textil), Tegut (Lebensmittel) dm (Drogerie) und McPaper (Schreibwaren). Die Parfümerie-KetteDouglas „beobachtet das Projekt interessiert“, wie eine Sprecherin der OP sagte. Der Juwelier-Filialist Christ „prüft“ noch. Und das ebenfalls zur Douglas-Gruppe zählende Süßwaren-Fachgeschäft Hussel bekundet ebenfalls „generelles Interesse“. „Das ist nicht konkret, aber weitere Entscheidungen fallen sicher noch in diesem Jahr“, kündigt Hussel-Geschäftsführer Sven Eklöh an. Er betont: „Die Confiserie in der Oberstadt behalten wir in jedem Fall .“

von Christoph Linne

Die Ergebnisse des Projekts „Biedenkopfer Meilensteine“, das Ideen zur Stadtentwicklung konzipiert hat, wurden von Ingenieuren der Bauhaus-Universität im Rathaus vorgestellt.

30.03.2012

Am Sonntag (1. April) um 12 Uhr öffnet das Freizeitzentrum Sackpfeife seine Tore für die Gäste der höchsten Erhebung im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

02.04.2012

Die beiden großen Naturschutzverbände Nabu und BUND befürworten die Nutzung der Windkraft auf Höhenzügen im Inland, aber unter unterschiedlichen Vorzeichen.

02.04.2012