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Kompromiss oder Gericht

Windpark Hilsberg Kompromiss oder Gericht

Die Bürgerinitiative Holzhausen zeigte sich bein einer eigenen Informationsveranstaltung kompromissbereit, doch Vorsitzender Reinhold Leinweber kündigte auch an, dass der NABU unterstützt von der BI klagen werde, falls die Gemeinde Bad Endbach Anfang Oktober mit Bauarbeiten am „Hilsberg“ beginne.

Holzhausen. Zu der außerordentlichen Informationsveranstaltung zum Thema „Windpark Hilsberg“ lud die Bürgerinitiative (BI) zur Förderung des Naturschutzes und der Heimatpflege Holzhausen am Montagabend in das Bürgerhaus ein. Dort begrüßte der BI-Vorsitzende Reinhold Leinweber rund 150 Bürger.

Leinweber ging auf die Abläufe zum „Windpark Hilsberg“ ein, erläuterte dabei auch kurz das Mediationsverfahren und stellte die Frage: Warum die Holzhäuser Bürger durch Windkraftanlagen hochgradig belastet werden sollen? Neben dem Windpark „Hilsberg“ sollen möglicherweise noch weitere auf dem „Dusenberg“ bei Herzhausen und nordwestlich von Rachelshausen entstehen, die laut Leinweber, die Holzhäuser Bürger zusätzlich beeinträchtigen könnten.

Die Verlegung einer Kabeltrasse durch Holzhausen kritisiere die BI, die Gemeinde habe aber leider keinen Gesprächsbedarf gesehen. Vorrangig werden bei den Kommunen vermutlich die schwarzen Zahlen gesehen, die durch einen Windpark erwirtschaftet werden können, gleichwohl stehe nicht fest, ob Windparks auch wirtschaftlich betrieben werden könnten.

Bei der Bürgerversammlung in Herzhausen sei in der vergangenen Woche ein Abstand der Windkraftanlagen untereinander von etwa 700 Metern genannt worden. Auf dem „Hilsberg“ würden die Anlagen zum Teil einen Abstand von 270 Metern aufweisen. Wenn auf dem „Hilsberg“ 700 Meter Abstand eingehalten würden, könnten lediglich drei Anlagen verwirklicht werden.

„Ob neue Standorte hinzu kommen oder andere verändert werden, wissen wir nicht und wir werden vielfach vor vollendete Tatsachen gestellt“, monierte Leinweber. „Müssen wir uns ein solches Projekt „Hilsberg“ gefallen lassen, wenn die Mehrzahl der Holzhäuser Bürger dagegen ist“, fragte er, wobei er sich mehr Unterstützung durch die Gemeinde wünsche. Kein Ort in der Region sei durch Windkraftanlagen so benachteiligt, wie Holzhausen, wenn alle drei Windkraftprojekte im Umkreis verwirklicht würden.

Walter Debus ging auf Windgeschwindigkeiten aber auch auf die Schallentwicklung der Windkraftanlagen ein. Diese würden energieoptimiert gefahren, also sich im oberen Schallgrenzwert, vielleicht auch darüber, befinden, um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten.

Bärbel Bastian berichtete über Infraschall und die daraus entstehenden möglichen gesundheitlichen Gefährdungen. Dabei bezog sie sich auf den Vortrag von Dr. Holger Repp bei der Informationsveranstaltung in Herzhausen vor knapp zwei Wochen.

Andreas Knoll sprach das Problem Schlagschatten an, das sich bis auf eine Entfernung von 2000 Metern auswirke und zu gesundheitlichen Problemen führen könne. Knoll nannte als Beispiele Kopfschmerz, Schwindelgefühl, Übelkeit sowie Herz- und Kreislaufbeschwerden auf. Insbesondere im mittleren und östlichen Ortsteil werde Holzhausen mit Schlagschatten bedeckt, wenn das Projekt Hilsberg umgesetzt werde.

Sehr störend wirke sich auch die nächtliche Beleuchtung der Anlagen aus. Die Schlagschatten sollten laut amtlicher Vorgabe die Bürger maximal 30 Minuten am Tag und 30 Stunden im Jahr belasten. Allerdings würde die Messung der Lichtwechsel nur von einem Punkt aus erfolgen.

Dieter Jurkat und Otto Lixfeld als Vertrauensmann der Staatlichen Vogelschutzwarte Frankfurt sprachen den Arten- und Naturschutz an. Sie betonten übereinstimmend, dass der Rotmilan ebenso am Hilsberg nicht nur gesehen worden sei, sondern dass dieser dort auch gebrütet habe und mehrere Nester kartiert wurden. Diese Nester lagen bei den Standorten eins bis vier. Außerdem hätten mehrere Fachleute auch so seltene Arten wie der Schwarzstorch, das Haselhuhn, der Uhu und der Ziegenmelker dort festgestellt. „Wenn unsere Feststellungen nicht zählen sollten, glaube ich nicht mehr an Recht und Gesetz“, betonte Otto Lixfeld.

Jurkat monierte, dass eine Bürgerbeteiligung zu diesem Projekt in keiner Form stattgefunden habe, die doch bei der Planung und Erstellung von Windkraftanlagen so wichtig sei. „Die ökologische Wende will Bürger mitnehmen, wir werden nicht mitgenommen“, so Jurkat und appellierte an den Landrat und die Gemeinde Bad Endbach: „Halten sie ein, denn eine ökologische Wende sieht anders aus.“

Leinweber erläuterte abschließend nochmals den Stand des Verfahrens und den rechtlichen Ausblick - im Moment ist noch eine von NABU nachgereichte Klage anhängig. Auch sei das Genehmigungsverfahren noch nicht beendet. Sollte Bad Endbach am 1. Oktober am Hilsberg mit Bauarbeiten beginnen, wird der NABU unterstützt von der Bürgerinitiative dagegen klagen. Gleichwohl, so betonte Leinweber, sei die Bürgerinitiative Holzhausen kompromissbereit.

Matthias Kamm bat die Bürger und Mitglieder die Interessengemeinschaft auch finanziell zu unterstützen, damit der Windpark „Hilsberg“ in der bisher geplanten Form nicht entstehen kann. Dafür holte Kamm das einstimmige Votum der Besucher ein. Bisher seien bereits mehr als 30000 Euro an Spenden eingegangen. Zu jedem Themenbereich konnten die Bürger Fragen stellen.

von Klaus Peter

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