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Knochensuche auf der Zollbuche endet

Polizeiaktion bei Gladenbach Knochensuche auf der Zollbuche endet

Fünf Tage lang suchten Bereitschaftspolizisten im Wald an der Kuppe der Zollbuchen-Serpentinen nach Überresten eines seit 1999 vermissten türkischen Staatsbürgers.

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In Mannschaftsstärke durchkämmten Bereitschaftspolizisten an fünf Tagen ein Waldstück an der Zollbuche. Dabei kamen unter anderem auch Metalldetektoren zum Einsatz.

Quelle: Gianfranco Fain

Gladenbach. Wie vorgesehen endete gestern die Suchaktion an der Zollbuche. Da der Einsatz von täglich bis zu 50 Bereitschaftspolizisten nicht vorzeitig abgebrochen wurde, ist offensichtlich davon auszugehen, dass sie in dem rund 20.000 Quadratmeter großen Suchgebiet keine weiteren Knochen oder Überreste fanden, die eindeutig und sofort dem seit 1999 vermissten Mahmut Caner aus Mittenaar-Bicken zuzuordnen waren.

Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ machten weder die Ermittlungsleiter der Polizei vor Ort noch Staatsanwalt Daniel Fass von der Staatsanwaltschaft in Wetzlar Angaben zum Verlauf. Ob es in den nächsten Tagen eine­ ­offizielle Stellungnahme zu den Ergebnissen geben wird, ist unbekannt.

Die Suche begann am Samstag, als Bereitschaftspolizisten mit Hilfe des Technischen Hilfswerkes – insgesamt etwa 100 Einsatzkräfte – den Waldboden in der Nähe des kleinen Waldparkplatzes an der Zollbuchen-Kuppe von Totholz und Sträucher befreiten. Danach suchten täglich neu zusammengestellte Einheiten der Polizei den Untergrund – „händisch“ mit Stöcken als Sonden oder auch mit technischem Gerät wie zum Beispiel Metalldetektoren ab. Welche Bereiche zu durchforsten waren legten zuvor Spezialisten des Bundeskriminalamtes fest. Diese orientierten sich am Fundort eines menschlichen Knochens, den ein Waldarbeiter im vergangenen Jahr im Grenzgebiet von Gladenbach und ­Bischoffen fand.
Die kriminal-wissenschaftliche Untersuchung des Knochens und ein DNA-Abgleich mit Vermisstenfällen führte zur Identifizierung des türkischen Staatsbürgers, der in Mittenaar-Bicken wohnte. Weil dieser spurlos verschwand, wandten sich Familienangehörige am 3. Mai 1999 an die Polizei.

Die Ermittlungen verliefen damals aber ergebnislos, bis die Staatsanwaltschaft diese im Jahr 2000 einstellte. Da der Vermisste nicht zu finden war, schlossen die Ermittler nicht aus, dass der damals 36-jährige Vater einer Tochter und eines Sohnes sich in Ausland absetzte.

Diese Annahme verlor mit der Zuordnung des gefundenen Knochens ihre Basis. Die Ermittlungen sind wieder aufgenommen, Polizei und Staatsanwalt gehen nun von einem Gewaltverbrechen aus, was zur Suche nach vergrabenen Knochen oder metallischen ­Gegenständen an der Zollbuche führte.

Von solchen Beweisstücken erhofften sich die Ermittler ­Hinweise darauf, wie Mahmut Caner ums Leben kam. Einen konkreten Tatverdacht oder ein Motiv äußerte Staatsanwalt ­Daniel Fass zu Beginn der Suche nicht. Er sagte nur: „Wir ermitteln in alle Richtungen“.

Neben Ergebnissen aus der Suche hoffen die Ermittler auch auf Aussagen möglicher Zeugen. Möglicherweise sah jemand Mahmut Caner am Abend des 3. Mai 1999 oder beobachtete ­etwas Auffälliges an der Zollbuche oder auch im Nachbarkreis. Für Hinweise, die zur ­Aufklärung der Tat führen, ist ­eine Belohnung von bis zu 5000 Euro ausgesetzt.

Ab wann das abgesperrte Waldstück wieder frei zugänglich sein wird, war gestern nicht zu erfahren. Ein Lob sprach die Einsatzleitung für die geleistete Unterstützung des Technischen Hilfswerkes aus.

von Gianfranco Fain

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