Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Kneipp-Zentrum bleibt Wunschtraum

Serie "Damals & Heute" Kneipp-Zentrum bleibt Wunschtraum

In der Serie „Damals & Heute“ dokumentiert die Oberhessische Presse den Wandel von Straßenzügen und Gebäuden. Heute widmen wir uns dem Hotel Zimmermann nahe des Bahnhofs.

Gladenbach. Bilder erzählen Geschichten. Das gilt sowohl für Aufnahmen aus dem Familienalbum als auch für solche, die bedeutende Ereignisse dokumentieren oder Gebäude zeigen, wie sie früher aussahen. In der Serie werden historischen Bildern aus den Städten und Gemeinden des Hinterlandes sowie Lohra aktuelle Aufnahmen gegenübergestellt. Sie sollen deutlich machen, was sich verändert hat und was nicht.

Investor baut aufdie Nähe zum Bahnhof

Im mehrere tausend Bilder umfassenden Archiv des Heimat- und Museumsvereins Amt Blankenstein befindet sich auch die nebenstehende Aufnahme des früheren Bahnhofshotels Zimmermann. Der aus Frankfurt stammende Gustav Zimmermann baute 1930 in der Nähe des Bahnhofes eine Gaststätte samt Hotel. Er wollte dort ein Kneipp-Zentrum errichten. Dank seiner Initiative und Investitionen erfüllte Gladenbach bereits 1965 wichtige Voraussetzungen zur Anerkennung als Kneipp-Kurort.

Eine frühe Form des Fremdenverkehrs gab‘s in Gladenbach schon vor Jahrhunderten:

Nach dem Bau der Burg Blankenstein kamen auch die Ritter und mit ihnen das höfische Treiben - wie Ritterspiele und Turniere - ins Gladenbacher Land. Die Landgrafen genossen es unter anderem, in den dichten Wäldern auf die Jagd zu gehen.

Als Gladenbach 1993 „100 Jahre Fremdenverkehr“ feierte, erinnerte der inzwischen verstorbene Historiker Jürgen Runzheimer in einem Vortrag daran, dass Gladenbach schon immer offen für fremde Menschen gewesen sei und begründete dies unter anderem mit der guten geografischen Lage der Kleinstadt.

„Gladenbach hat auf den Fremdenverkehr gesetzt und war damit erfolgreich“, stellte Runzheimer heraus und erklärte: „Die waldreiche, erholsame Landschaft und die freundlichen Menschen ermöglichten es der Stadt, sich auf diesem Gebiet zu behaupten.“ Vor 111 Jahren entdeckten die Gladenbacher den Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor.

Einen wichtigen Schub für die Wirtschaft und den Tourismus in Gladenbach gab es nach der Fertigstellung der Bahnlinie Niederwalgern-Weidenhausen 1894. Gladenbach war nun auch aus dieser Richtung bequem zu erreichen.

„1893 schickte sich Gladenbach an, als Fremdenverkehrsort Gäste anzuziehen und diesem Wirtschaftszweig erstmals Aufmerksamkeit zu widmen“, schreibt Jörg Palm 1993 in der 9. Ausgabe der Zeitschrift des Heimatvereins Gladenbach. Man rührte kräftig die Werbetrommel und bot Tanzbelustigungen. So zogen die Gladenbacher Gastwirtschaften immer mehr Touristen an. Schließlich nahmen sich die ersten Vereine des Fremdenverkehrs an.

Es entstanden gekennzeichnete und gepflegte Wanderwege. Gladenbacher Hotels und Pensionen verzeichneten immer mehr Übernachtungen. Scharen von Sommerfrischlern bevölkerten an schönen Sommerwochenenden die Gastwirtschaften, Plätze und Straßen der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es noch steiler aufwärts. Zu den wichtigsten Ereignissen zählte die Verleihung des Prädikates Luftkurort 1958, das Prädikat Kneipp- und Luftkurort 1971 und die Ernennung zum Kneippheilbad 1983.

1954 verzeichnete die Stadt 7290 Übernachtungen, zehn Jahre später 41834. Bis in die 1980-er Jahre hinein stieg die Zahl der Gäste weiter an. In den Glanzzeiten verzeichnet die Kur- und Freizeitgesellschaft 100000 Übernachtungen. Die Geschäftswelt profitierte zunehmend vom Fremdenverkehr. Gladenbach wurde zur Einkaufsstadt. Das ist sie bis heute geblieben. Mit jeder neuen Gesundheitsreform brach dann das Kurgeschehen weiter zusammen und liegt seit Jahren ganz am Boden.

Fremdenverkehr ist als letztes Standbein geblieben

Aus der Hainparkklinik (56 Betten) wurde eine Rehabilitations-Einrichtung für psychisch Kranke. Das Kurhaus Tannenhof (68 Betten) hat längst geschlossen. Aus dem Kurhaus Wilhelm (55 Betten) ist eine moderne Wohnanlage entstanden. Bei den Übernachtungszahlen liegt das Bildungszentrum Verdi - das frühere Postgewerkschaftsheim - einsam an der Spitze. Als Standbein geblieben ist der Fremdenverkehr. Größte Publikumsmagnete beim Tagestourismus sind der Kirschenmarkt, der Brunnenmarkt und inzwischen der „Einkauf bei Kerzenschein“.

von Hartmut Berge

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland