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Klinik-Direktoren schlagen Alarm

Uniklinikum Klinik-Direktoren schlagen Alarm

„22 Thesen zur Krise des Uniklinikums Gießen & Marburg“. Hinter diesem Titel verbirgt sich ein Papier aller Klinik-Direktoren, die um die Zukunft des UKGM fürchten.

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„Gemeinsam für unser Klinikum“: Auf der Sitzung im Stadtverordnetensaal in Marburg diskutierten Ärzte, Betriebsratsmitglieder der Standorte Marburg und Gießen sowie Betroffene ihr weiteres Vorgehen im Kampf gegen den Sparplan am Uniklinikum.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Resolutionen gab es bisher aus vielen Richtungen. Universität, Betriebsrat, Personalrat und Politik. Die Direktoren hielten sich in der Diskussion um die Sparpläne am Klinikum eher ein wenig zurück. Bis jetzt. In einem dreiseitigen Schreiben berichten die Klinikchefs von ihren Erfahrungen und Sorgen seit der Privatisierung - und nehmen kein Blatt vor den Mund. Sie monieren die fehlende Kommunikation, Investitionsstaus bei medizinischen Geräten und vor allem eine erhebliche Verdichtung der Arbeit im ärztlichen und pflegerischen Bereich. „Die Entwicklung am UKGM wird von den Klinikdirektoren mit großer Sorge gesehen“, heißt es in dem Schreiben, das von den Standortsprechern Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Howaldt und Prof. Dr. Hinnerk Wulf unterzeichnet wurde.

Sie warnen vor dem von der Rhön-Klinikum AG aufgezeigten Weg zur wirtschaftlichen Sanierung durch Stellenabbau. Nur durch eine Verringerung des Leistungsangebots und verminderter Qualität sei dies zu schaffen. „Aus ärztlicher Verantwortung für die Patienten können weder Umfang noch Qualität der Krankenversorgung reduziert werden“, heißt es in These 15.

Schlussendlich würde das bedeuten, das Personal, das sich um Forschung und Lehre kümmern sollte, würde entstandene Lücken in der Patientenversorgung schließen müssen, „was gegen den Geist des Kooperationsvertrages verstoßen und einen Missbrauch hessischer Steuergelder darstellen würde.“

Ein Miteinander dieser Bereiche im Sinne der Mittelzuweisung sei schon heute stark gefährdet. Ein Punkt, der den Direktoren ebenfalls große Sorge bereitet, ist die Schädigung des Klinik-Images. Der offene Interessenskonflikt zwischen den Gewinnerwartungen der Rhön AG und dem Bestreben der Ärzte und Pfleger eine Hochleistungsmedizin zu garantieren, sei bereits vorhanden. Folge: Durch den Abgang von Fachkräften sowie dem Ausbleiben der Neuberufungen entstünde ein Schaden, der nur mühsam über viele Jahre wieder ausgeglichen werden könnte.

Die Direktoren stellen sich die Frage, ob das Projekt Privatisierung nunmehr als gescheitert anzusehen sei oder die Renditevorgaben vonseiten der Aktiengesellschaft korrigiert werden müsste. Die hohe Fluktuation in der kaufmännischen Geschäftsführung sei Ausdruck von unrealistischen Vorgaben.

Am Ende steht für die Direktoren fest: Umworbene Ärzte wenden sich vom UKGM ab, Studierende fürchten um ihre Ausbildung, Wissenschaftlern wird die solide Basis und Perspektive genommen. „Da ein Scheitern des Projekts im Raum steht, sollte eine Alternative, zum Beispiel die Rückführung der Privatisierung, geprüft werden“, heißt es. Andernfalls drohe durch Rufschädigung und Kompetenzverlust ein schwerer Schaden.

Sichtlich bewegt zeigt sich Bettina Böttcher, Vorsitzende des Betriebsrates Marburg, von dem Schreiben. „Das ist eine Revolte der Klinikdirektoren und bezeichnend für den jetzigen Zustand.“

Böttcher nimmt dieses Papier als weitere Motivation im Kampf gegen den Sparplan auf den Lahnbergen. Viele weitere Aktionen sind geplant, um sowohl von der Politik als auch aus der Bevölkerung Druck auszuüben.

Bei einer Unterschriftenaktion des Bündnisses „Gemeinsam für unser Klinikum“ sind bereits mehr als 8500 Unterschriften zusammengekommen. Und es sollen noch viele mehr werden, unter anderem durch die Internet-Seite (www.buergerbegehren-marburg.de). Darüber hinaus wurde bekannt, dass am nächsten Dienstag das erste Treffen mit den von der hessischen Landesregierung bestimmten Mediatoren Friedrich Bohl und Wolfgang Gerhardt ansteht. Dazu Bettina Böttcher: „Wir werden unsere Standpunkte vorstellen und mal abwarten, was die Mediatoren dazu zu sagen haben.“

von Carsten Bergmann

 

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