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„Klimaschutzkonzept ist 
nicht als Ganzes kaputt“

Gemeindevertretung Bad Endbach „Klimaschutzkonzept ist 
nicht als Ganzes kaputt“

Ein fast 28.000 Euro teures Klimaschutzkonzept enthält Vorschläge, die peu à peu umgesetzt werden sollen, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren. Das Konzept enthält allerdings einige Fehler.

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Der Klimaschutz soll in Bad Endbach weiterhin eine große Rolle spielen.


Quelle: Pixabay

Bad Endbach. Es ist ein gemessen an der Seitenzahl großes Werk, wenn auch kein großartiges. Das 180 Seiten starke Integrierte Klimaschutzgutachten des Ingenieurbüros Stappenbeck weist etliche Flüchtigkeitsfehler auf. Rolf Herrmann (FW) arbeitete das Konzept Seite für Seite durch und stieß auf Ungenauigkeiten.

Darin steht zum Beispiel, dass sich der Hauptwirtschaftszweig der Gemeinde­ Bad Endbach auf Kurgäste und Tourismus gründet. Mit der vor Jahrzehnten eingeleiteten Reform des Kurwesens begann in der Gemeinde bereits der Niedergang dieses Segments. Auch der Vorschlag, die Straßenlaternen auf LED-Leuchtkörper umzustellen, ist Nonsens.

„Das ist längst passiert“, sagt Herrmann. Vor zwei Jahren wurden die Straßenlaternen auf moderne Technik umgerüstet. Allerdings soll die Modernisierung in Bad Endbachs Straßen tatsächlich auf dem Klimaschutzkonzept basieren. Der Vorschlag steht in einer Vorlage zur Auftaktveranstaltung am 18. September 2014.

Vorschläge aus dem Konzept werden umgesetzt

Die Einwohnerzahl variiert auch: mal sind es 8 169, mal 8 188 Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in Bad Endbach haben. Auch bei der Wasserfläche, der Erholungsfläche, der Gebäude- und Verkehrsfläche wurden nach Ansicht von Herrmann falsche Zahlen zugrunde gelegt, gleiches gilt für einige Grafiken.

Friedhelm Stappenbeck, Geschäftsführer des beauftragten Ingenieurbüros, erklärt auf OP-Anfrage zu Ungenauigkeiten im Konzept: „Das kann ich nicht bestätigen.“ Er erinnert sich aber an die Sitzung im Haupt- und Finanzausschuss Anfang November 2016. Dort habe er widerlegt, dass das Klimaschutzkonzept Fehler beinhaltet, sagt Stappenbeck.

Seine Anwesenheit im Ausschuss stellte er der Gemeinde in Rechnung: Arndt Räuber sprach davon, dass dieser Termin teurer als 100 Euro war, aber günstiger als 1000 Euro. Abgerechnet hat Stappenbeck für diesen Besuch de facto 715 Euro.

Für Bauamtsleiter Thomas Reuter sind die Fehler im Klimaschutzkonzept­ kein Grund, es zu den Akten zu legen. „Es ist wichtig, dieses­ Konzept zu haben“, sagt er. Die Flüchtigkeitsfehler hätten sich offenbar über die Jahre eingeschlichen. Ende vergangenen­ Jahres passierte das Klimaschutzkonzept mit seinen Fehlern das Gemeindeparlament.

„Das Gutachten ist das Papier nicht wert, auf dem es steht“, sagt Herrmann. Ihn ärgert, dass es mit Steuermitteln finanziert und es keinem Verantwortlichen aufgefallen ist, dass es „zusammengepinselt“ wurde. Wegen der „Peanuts“ an Fehlern im Konzept, sei es nicht als Ganzes „kaputt“, sagt Reuter. Es beinhalte vielmehr sinnvolle Vorschläge zur Reduzierung des Ausstoßes von Kohlendioxid in der Gemeinde. Vieles werde angepackt, einiges ist bereits erledigt, wie die Umrüstung der Beleuchtung in der Volkshalle in Hartenrod auf LED-Leuchtkörper.

Empfehlung: Klimaschutzbeauftragten einstellen

Auch stehen Maßnahmen zum Klimaschutz im Haushalt 2017. Die Liste der energetischen Sanierungen, die aus Mitteln des Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) gefördert werden, ist lang: 16 Punkte sind aufgeführt, bei denen die energetische Sanierung an öffentliche Gebäuden vorgesehen ist: wie die Sanierung von Heizungsanlagen, von Fenstern, der Beleuchtung oder eines Daches.

Die privaten Haushalte bieten nach Ansicht von Reuter noch enormes Potenzial, um zusätzlich Kohlendioxid einzusparen. In Stappenbecks Konzept ist dazu die Einstellung eines Klimaschutzbeauftragen für 80.000 Euro pro Jahr empfohlen. Dass die Gemeinde Bad Endbach aufgrund ihrer Größe dafür eigentlich nur eine halbe Stelle benötigt, kommt für Herrmann im Klimaschutzkonzept viel zu spät zur Sprache. Ihn ärgert, dass das Konzept überhaupt Fehler enthält.

Er hält es in der vorliegenden Form für eine Verschwendung von Steuergeldern. Noch ärgerlicher sei es, dass es trotz der Fehler ausreicht, um Fördergeld für einen Klimaschutzbeauftragten zu beantragen. Für ihn ist das nicht nachvollziehbar.

Die Gemeinde muss von dem 27.774 Euro teuren Klimaschutzgutachten noch 4166 Euro ­zahlen, der Rest wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und ­Reaktorschutz gefördert. Abgewickelt wurde die Förderung über das Forschungszentrum Jühlich als Projektträger.

von Silke Pfeifer-Sternke

 
 
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