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Kleines Unternehmen - große Leistung

Spezialauftrag Kleines Unternehmen - große Leistung

In Michelbach muss heute im Laufe des Tages mit einigen Behinderungen im Straßenverkehr gerechnet werden. Grund ist ein Schwertransport der Eckhardt + Hedderich Apparatetechnik GmbH.

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Stolz zeigen die Mitarbeiter der Eckhardt + Hedderich Apparatetechnik GmbH aus Michelbach – allen voran die Geschäftsführer Peter Kaiser (rechts) und Eduard Stein (2. von rechts) – was sie gefertigt haben: eine der beiden 30 Meter langen und 15 Tonnen sch

Quelle: Katharina Kaufmann

Michelbach. Für die 25 Mitarbeiter der Eckhardt + Hedderich Apparatetechnik GmbH ist es ein Prestige-Objekt. „Wir sind schon sehr stolz darauf, dass wir es geschafft haben, uns in nur sieben Jahren auf dem Markt zu etablieren und solche Apparate ausliefern können“, sagt Eduard Stein, geschäftsführender Gesellschafter von E + H. Mit „solchen Apparaten“ meint Stein die beiden 30 Meter langen und 15 Tonnen schweren Kolonnen für ein großes deutsches Unternehmen der Chemie-Industrie. Heute werden die beiden Apparate, die später senkrecht in die Luft ragen werden und in denen Flüssigkeiten auf verschiedenen Ebenen und Höhen zu einem bestimmten Endprodukt reagieren, ausgeliefert. Nötig ist dafür ein Schwertransport, der in der Nacht zu Mittwoch zu einigen Verkehrsbehinderungen rund um Michelbach führen kann.

„Es gibt nur etwa fünf bis sechs Unternehmen in Deutschland, die solche Kolonnen anfertigen können“, berichtet Peter Kaiser, zweiter geschäftsführender Gesellschafter des kleinen Michelbacher Betriebs, nicht ohne Stolz. Sieben Monate sind seit der Auftragserteilung vergangen. „Termintreue ist uns wichtig und gehört zu unserer Unternehmensphilosophie“, erklärt Kaiser. Auch weil das 25-köpfige Team so zeitgenau arbeitet, bekomme E + H mittlerweile so große Aufträge.

Am 1. Juni des Jahres 2005 gründeten Kaiser und Stein die E + H Apparatetechnik GmbH. „Der Anfang war sehr schwierig“, berichten die beiden geschäftsführenden Gesellschafter heute mit Blick zurück. Ohne Referenzen bekomme man keine Aufträge, ohne Aufträge gebe es aber auch keine Referenzen. „Wir haben am Anfang nichts gehabt, außer einem guten Willen und einem Bleistift“, sagt Stein, der den Erfolg des Unternehmens auch in den gut ausgebildeten Mitarbeitern sieht. „Ohne die wäre es gar nicht möglich, die Aufträge überhaupt auszuführen“, betont er und Kollege Kaiser nickt zustimmend. „Unsere Kunst ist unser Handwerk im Bereich Metallverarbeitung und Apparatebau“, ergänzt er.

Apparate bis 15 Tonnen Einzelgewicht können auf dem Firmengelände in Michelbach konstruiert, gefertigt und getestet werden. Die Produktpalette reicht von Rohrbündelwärmetauschern über Reaktoren, Behälter, Kolonnen bis hin zu Sonderapparaten nach Kundenvorgaben für den Einsatz in der Lebensmitteltechnik, der Pharmatechnik und der Chemie.

Gearbeitet wird überwiegend für die pharmazeutische und chemische Industrie in Deutschland, dem deutschsprachigen Ausland und für Tochterfirmen der deutschen Chemie- und Pharma-Industrie in Europa. „Wir konzentrieren uns auf den Markt vor Ort. China oder die USA sind definitiv nicht unser Ziel“, erläutern die geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens. Wachstum solle nicht allein über den Umsatz sondern vielmehr über Produkterweiterungen und Qualität generiert werden. „Unsere Kunden wissen, dass sie bei uns gut bedient werden, dass wir pünktlich und in hervorragender Qualität liefern“, berichtet Stein. Die Zukunft von E + H liege vor allem in der Konstruktion und Herstellung von komplizierten Apparaten, sei es, was die Werkstoffe angehe oder die Auslieferung.

Apparate wie die beiden riesigen Edelstahlkolonnen also. Um diese herstellen zu können, kauft das Michelbacher Unternehmen den Edelstahl als Rohmaterial ein, verformt diesen und fügt ihn schließlich zusammen. „Das läuft über verschiedene Schweißkonstruktionen“, schildert Peter Kaiser. In jede der Spezial-Kolonnen seien beispielsweise 56 Auflageringe eingearbeitet worden (rundes Foto), an denen später im laufenden Produktionsverfahren sogenannte Packungen installiert würden, in denen die herzustellende chemische Substanz reagiert. Sind die Apparate fertiggestellt, werden sie noch vor Ort vom TÜV untersucht und technisch abgenommen. „Sie müssen unter anderem einer Röntgen- und einer Druckprüfung standhalten“, erläutert Eduard Stein. Erst wenn es keine Beanstandungen gibt, wird ausgeliefert.

Bei den zwei Kolonnen ist das der Fall - und so werden sie heute Nacht zu ihrem Bestimmungsort transportiert.

von Katharina Kaufmann

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