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Hinterland Kläger zieht Urlaub Gerichtsverhandlung vor
Landkreis Hinterland Kläger zieht Urlaub Gerichtsverhandlung vor
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20:08 26.08.2009
Der Kläger verzichtete auf die Verhandlung vor dem Marburger Arbeitsgericht und machte Urlaub. Quelle: Archivfoto

Marburg. „Wenn der Kläger seinen Urlaub wichtiger nimmt als diesen Prozess und noch nicht einmal seine Rechtsanwältin einweiht, dann ist das schon recht seltsam“, führte Rühle weiter aus und verurteilte ihn gleich zu Beginn der Verhandlung vor dem Marburger Arbeitsgericht zu einem Ordnungsgeld von 150 Euro. Der 37-jährige hatte sich gegen eine personenbedingte Kündigung gewehrt. Er arbeitete seit 1989 für die Firma im Ostkreis, die im Jahr 2006 von einer Firma in Mönchengladbach übernommen wurde. Diese unterhält im Ostkreis nur noch ein Lager, in dem drei Arbeiter und sechs Angestellte arbeiten.

In diesem Lager müssen Kartons mit einem Gewicht zwischen 25 und 35 Kilogramm per Hand bewegt werden. Der Mitarbeiter legte jetzt ein Attest sowie ein Ergänzungs-Attest vor, dass er keine Lasten höher als 20 Kilogramm tragen oder heben darf. Aufgrund dieser Atteste brach er nach Angaben der Geschäftsleitung immer wieder Tätigkeiten ab, wenn Kartons zu schwer waren. Daraufhin bot das Unternehmen dem 37-Jährigen einen leidensgerechten Arbeitsplatz in Mönchengladbach an, den er jedoch ausschlug mit der Begründung im Ostkreis sei auch genügend leichte Arbeit vorhanden.

Um diese Frage ging es jetzt während der Verhandlung im Arbeitsgericht. Bei der Zeugenvernehmung stellte sich heraus, dass es diese Abeiten wohl nicht gibt. Ein 26-jähriger Industriekaufmann, der im Lager für die Arbeitsorganisation zuständig ist, erklärte: „Die Kartons sind alle zwischen 25 und 35 Kilogramm schwer. Es sind zwar Gabelstapler vorhanden, das Heben mit Hand ist jedoch unerlässlich.“ Aufeiner Palette ständen 16 Kartons, die gestapelt seien bis zu einer Höhe von zwei Metern. „Viele Kunden bestellen nur kleine Mengen, so dass die Ware einzeln bewegt werden muss,“ so der Zeuge.

Der anwesende Geschäftsführer des Unternehmens aus Mönchengladbach sagte: „Alle Arbeiten müssen von allen Lagerarbeitern durchgeführt werden. Wir können keinen Arbeitsplatz stricken für einen ungelernten Lagerarbeiter, das ist unmöglich“, sagte er. Die Rechtsanwältin des Klägers sah das ganz anders. Sie sagte: „Mein Mandant arbeitet seit 20 Jahren in dem Betrieb. Da sollte die Firma dem langjährigen Mitarbeiter schon entgegenkommen.“ Die Kündigung erfolgte aufgrund des Attestes, so dass eine personenbedingte Kündigung vorlag. Richter Rühle wies zum Schluss der Sitzung die Klage ab, die personenbedingte Kündigung sei gerechtfertigt. „Das unternehmerische Konzept lautet alle müssen alles können und machen. Das ist nachvollziehbar und nicht zu bemängeln“, begründete Rühle abschließend.

von Michael Acker

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