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Hinterland Kirchensaal wird zu Konzertbühne
Landkreis Hinterland Kirchensaal wird zu Konzertbühne
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19:44 27.04.2012
Provokante Themen und Kernaussagen überbrachte Liedermacher und Pfarrer Clemens Bittlinger mit den Musikern Adax Dörsam (links) und David Kandert (rechts). Quelle: Helga Peter
Bottenhorn

Unter dem Motto „Bitte freimachen“ hatte die evangelische Kirchengemeinde Bottenhorn zu einem ganz besonderen Konzert mit dem Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger eingeladen. Erich Filippi vom Kirchenvorstand stellte vor 250 Besuchern das Konzert als einen musikalisches Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Kirche heraus.

Filippi schien nicht zu viel versprochen zu haben, denn schon nach den ersten Liedvorträgen sprang der berühmte Funke über und Clemens Bittlinger sowie Adax Dörsam (Gitarre) und David Kandert (Percussion und Technik) zogen die Zuhörer in ihren Bann. Die drei Musiker waren an diesem Tag aus Wien in das beschauliche Hinterland nach Bottenhorn gereist. 2007 hatte Bittlinger schon einmal in der Hinterlandkommune gastierte und Adax Dörsam, der 70 Saiteninstrumente sein Eigen nennt, hatte dort seinen ersten Auftritt.

Mit zahlreichen Songs seiner neuen CD „Bitte freimachen“ griff der Liedermacher brisante Themen, wie Freiheit auf und zeigte Möglichkeiten des „Gedankenspiels“ auf, um den Kopf frei zu bekommen und neue Hoffnung zu haben. Mit dem Song „Aus der Nähe“ forderte Bittlinger auf, sich von Klischees und Vorurteilen gegenüber Andersdenkenden zu befreien und gab den Rat, nicht vorzuverurteilen, sondern einmal näher hinzuschauen. Wichtig für den Künstler ist auch der Erhalt des Sonntags. Der Tendenz zur Aushöhlung dieses Tages setzt er mit dem Titel „Mein Sonntag“ ein Gegengewicht.

Viel Tiefgang bringt auch das Lied „Der Gott der Technik“ - nicht zuletzt in Bezug auf Fukushima und die Bewahrung der Schöpfung. Viele provokante Fragen stellte der Liedermacher, gab gleichzeitig Denkanstöße und bezog vor allem die Konzertbesucher mit der Aufforderung zum Mitsingen der Refrains mit in das Konzertgeschehen ein, das damit einen lockeren Verlauf nahm.

Mit der einbrechenden Dunkelheit hüllte sich die Jubiläumskirche in ein mystisches Licht und das Lied der Hoffnung über die Auferstehung oder auch die Komposition „Aus Sternenstaub seid ihr gemacht“, das Bittlinger auf einer Ukulele, einem Instrument aus Hawaii, bekleidete, sorgte für Gänsehautgefühl.

Clemens Bittlinger zitierte auch aus seinem Werk „HabSeligkeiten“, Anleitungen zum Glücklichsein unter Einbeziehung der Seligpreisungen und auch aus seinem neuen Werk „Da wo ich bin, da will ich sein“. Total andere Gedankengänge zeigte Bittlinger auf, der Jesus als Heiland vorstellte, der sein Handeln nie „politisch korrekt“ ausgerichtet habe, beziehungsweise ausrichten musste.

Für eine Überraschung sorgte Adax Dörsam, der auf einer Saz Baglama, einem exotischen Instrument der Turkvölker, ein wohlklingendes Medley spielte. Bittlinger und die Musiker Dörsam und Kandert sicherten sich einen großen Applaus der Konzertgäste, die Zugaben einforderten.

von Helga Peter