Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Kirchenfusion schont den Klingelbeutel
Landkreis Hinterland Kirchenfusion schont den Klingelbeutel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:16 11.05.2012
Gut 80 Gemeindeglieder aus Lohra und den Ortsteilen kamen zur Informationsveranstaltung über die Fusion zweier Lohraer Kirchengemeinden. Quelle: Anita Ruprecht und Gianfranco Fain
Lohra

Bei einer Informationsveranstaltung im Bürgerhaus mit den beiden Lohraer Pfarrern Jens Heyden und Jonathan Schwarz sowie Werner Oertel, dem Vorsitzenden des Kirchenvorstands, ging es am Freitag um die Fusion der beiden Kirchengemeinden Lohra I und Lohra II.

Zum Kirchspiel Lohra gehören von alters her die Ortschaften Nanz-Willershausen, Damm, Altenvers, Rollshausen, Reimershausen und Seelbach, erläuterte Oertel. Nach dem Zweiten Weltkrieg wohnten im Dammer Lager mehrere Hundert Menschen, die es seelsorgerlich zu betreuen galt. 1951 stellte die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck einen sogenannten „Hilfspfarrer“ ein, der später zum Pfarrer ernannt wurde.

Dies führte dazu, dass im Laufe der Jahre die Kirchengemeinde Lohra offiziell zwei Pfarrstellen bekam. Die wurden unterteilt in das Pfarramt I mit 1700 Gemeindegliedern in Lohra mit den Orten Damm und Nanz-Willershausen sowie dem Pfarramt II mit 1400 Gemeindegliedern in Lohra, von der Schnurrgasse aus Richtung Gladenbach, und den Ortschaften Altenvers, Reimershausen, Rollshausen und Seelbach.

Die Kirchenvorstände der beiden Pfarrämter wünschten eine „Entflechtung“, wie sie das damals nannten, und so wurde am 29. Mai 1980 die amtliche Trennung der beiden Kirchengemeinden mit Kasse und Siegel verwirklicht.

Jetzt, nach 32 Jahren wurde die Wiedervereinigung der beiden Kirchengemeinden unter einem Gesamtkirchenvorstand beschlossen, erläuterte Oertel. Die Wiedervereinigung habe einzig und allein finanzielle Gründe.

Hans-Joachim Dörr, Vorsitzender des Finanzausschusses, erläuterte, dass die Schlüsselzuweisungen für die ersten 600 Gemeindeglieder im Jahr 2009 von der Landeskirche von 0,5 Prozent auf 0,05 Prozentpunkte je Gemeindeglied gesenkt wurden. Nach dieser Rechnung bekamen die Kirchengemeinden Lohra I und Lohra II noch Schlüsselzuweisungen von 30.000 Euro jährlich, mit denen sie haushalten mussten, das heißt Küster-, Orgeldienste und alle anderen Kosten bestreiten.Nach der Fusion bekommt die neue Lohraer Kirchengemeinde Schlüsselzuweisungen von 51.500 Euro jährlich.

Neuer Zuschnitt für Stelle von Diakon Christian Rüdiger?

Die Kirchenvorstände der beiden Gemeinden beantragten bei der Landeskirche zum 1. Januar 2012 die Fusion. Das Verfahren laufe noch, aber die Vereinbarungen des Zusammenschlusses sind folgendermaßen: Bisher gab es in Lohra einen 20-köpfigen Kirchenvorstand mit 12 gewählten und 6 berufenen Mitgliedern sowie 2 Pfarrern. Nach der Fusion gibt es übergangsweise einen 28-köpfigen Kirchenvorstand. Im September 2013 finden Kirchenvorstandswahlen statt und danach soll der Kirchenvorstand 19 Mitglieder haben.

Alle Ortsteile müssen im Kirchenvorstand vertreten sein und in den Ortsteilen sollen Stimmbezirksausschüsse mit bis zu 4 berufenen Sachkundigen die Aktivitäten vor Ort regeln, erläuterte Oertel. Die neue Kirchengemeinde wird „Evangelische Kirchengemeinde Lohra“ heißen und ein neues Siegel erhalten. Die neue Kirchengemeinde hat insgesamt 2795 Mitglieder und die Zuständigkeiten der beiden Pfarrer bleiben wie bisher, es finde lediglich eine Zusammenführung der finanziellen Mittel statt, sagte Pfarrer Jens Heyden.

Nach der Informationsveranstaltung mit gut 80 Teilnehmern konnten die Besucher Fragen stellen. Einige fragten nach Diakon Christian Rüdiger, der bisher für die Jugendarbeit der beiden Kirchengemeinden zuständig ist. Die Stelle zu halten werde schwierig, sagte Oertel, denn die politische Gemeinde habe ihren freiwilligen Beitrag zur Finanzierung der Stelle gestrichen. Die Kirchengemeinde sei allerdings bestrebt, die Stelle eventuell mit einem neuen Zuschnitt zu erhalten, so Oertel.

Auch mit der weiteren evangelischen Kirchengemeinde in der Großgemeinde Lohra, die die Ortsteile Kirchvers, Weipolts­hausen und Rodenhausen umfasst, und von Pfarrer Hans Peter Kovacs betreut wird, habe man Gespräche geführt. Diese Kirchengemeinde wolle allerdings selbstständig bleiben, schloss Oertel seinen Vortrag.

Die Veranstaltung wurde vom Kirchenchor Altenvers musikalisch umrahmt.

von Anita Ruprecht

Anzeige