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Hinterland Kirchen gehen weiter aufeinander zu
Landkreis Hinterland Kirchen gehen weiter aufeinander zu
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21:54 22.02.2012
Olaf Schmidt, Annette Bernshausen, Herbert Rafflenbeul, Matthias Ullrich, Ulrich Ahrens und Gunnar Bach (von links) haben mit ihren Unterschriften die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Lahn-Dill-Bergland“ gegründet. Quelle: Klaus Kordesch

Gladenbach. Das Evangelische Dekanat Gladenbach, die katholische Gemeinde „Maria Königin“ in Gladenbach und die freie evangelische Gemeinde Weidenhausen haben am Sonntagabend die „Lokale Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Lahn-Dill-Bergland“ ins Leben gerufen.

Weitere Gemeinden hätten bereits ihr Interesse an der Mitarbeit signalisiert, hieß es beim Festgottesdienst in der Gladenbacher Martinskirche. „Wir erkennen, dass wir doch schon längst zusammengehören, wo wir noch verschiedene Wege gehen“, sagte der Gladenbacher Dekan, Pfarrer Matthias Ullrich: „Es ist ein glücklicher Tag für die Christenheit in der Region.“

Das sah auch Pastor Ulrich Ahrens von der FeG Weidenhausen so. „Die Kirchen gehen aufeinander zu“, sagte er. Heute sei zum Glück schon vielfach Geschichte, dass in der gegenseitigen Wahrnehmung das Trennende im Vordergrund stehe und man mehr übereinander als voneinander wisse.

Dabei sei man sich trotz endlosen Ringens beispielsweise in der Abendmahls-Frage einig darin, dass die Bibel die gemeinsame Grundlage und der Maßstab für alles Tun sei: „Wir wollen das Trennende nicht als Speerspitze vor uns hertragen, sondern uns gemeinsam Gott zuwenden“, erklärte Ahrens.

„Gott eint uns und Gott ist mit uns“, machte Gemeindereferent Gunnar Bach von der katholischen Gemeinde „Maria Köni­gin“ bewusst. Die ACK richte sich dabei ausdrücklich nicht gegen Nicht-Christen oder andere Menschen, sondern wolle lediglich den eigenen Glauben positiv betonen in einer Zeit, in der gläubige Christen einer aktuellen Umfrage zufolge mittlerweile in Hessen eine Minderheit darstellten.

Wo Christen verfolgt würden, entstehe vielfach Ökumene ganz von selbst, sagte der evangelische Pfarrer Olaf Schmidt, neben Bach und Ahrens einer der Initiatoren der ACK-Gründung: „Dann finden sich Katholiken, Frei-Evangelische und Protestanten auf derselben Seite des Gitters“, erklärte er.

Hierzulande seien zu viele Menschen rettungslos in sich selbst gefangen, hingen den Götzen der pluralistischen Gesellschaft an und verlören sich im Nichts, beklagte er: „Wir sind aufgerufen, zusammenzustehen und die Würde der Gotteskinder zu retten!“ Die „ACK Lahn-Dill-Bergland“ solle räumlich nicht an Dekanatsgrenzen oder das Hinterland gebunden sein, sondern offen sein für Kirchengemeinden, Gemeinschaften und Werke an Lahn und Dill beziehungsweise in der ganzen Region, erläuterte Schmidt mit Blick auf die Präambel der Satzung, die den Mitgliedern „ihre volle Unabhängigkeit in Bekenntnis und Lehre, in Gottesdienst und rechtlicher Ordnung sowie der Wahrung ihrer eigenen Interessen“ garantiert. Die Mitglieder wollen die Eigenständigkeit der anderen anerkennen und im gemeinsamen Tun das jeweils andere Verständnis achten, heißt es weiter. Es sei zu hoffen, dass sich in den nächsten Jahren viele weitere Partner der ACK anschließen würden, sagte Dekan Ullrich, der den vielen Besuchern des von dem Projektchor des Evangelischen Dekanats Gladenbach musikalisch festlich gestalteten Gottes­dienstes dankte: „Die Einheit der Christen liegt Ihnen am Herzen!“ Dankesworte fand er auch für Gunnar Bach, Ulrich Ahrens und Olaf Schmidt, die viel Vorarbeit in die ACK-Gründung investiert hätten.

Er habe diese Zeit als ein „geschwisterliches und sensibles Aufeinander Zugehen“ empfunden, sagte der Dekan, bevor die vier gemeinsam mit der katholischen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Annette Bernshausen und Herbert Rafflenbeul von der FeG Weidenhausen die Satzung unterschrieben.

Weitere Informationen zur ACK und Möglichkeiten der Beteiligung gibt es bei Pfarrer Olaf Schmidt per E-Mail an olaf.schmidt.dek.gladenbach@ekhn-net.de oder per Telefon unter 0 64 68 / 9 11 03 52.

von Klaus Kordesch