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Kinderschänder muss ins Gefängnis

Landgericht Kinderschänder muss ins Gefängnis

Wegen Kindesmissbrauchs wurde ein Hinterländer zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Außerdem verhängte das Gericht eine Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt.

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In einer öffentlichen Sitzung vor dem Landgericht in Marburg wurde ein Fall von Kindesmissbrauch verhandelt. Nach gut fünf Stunden fällte das Gericht ein Urteil.Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Ich habe als Freund und als Vater versagt und bereue meine Taten wirklich sehr.“ Diese Worte richtete der 32-jährige Hinterländer an seine Ex-Freundin, die während der gut fünfstündigen Verhandlung immer wieder mit den Tränen kämpfte. Das Urteil von sechs Jahren und sechs Monaten Haft und den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung nahm er fast regungslos hin. Seit dem 7. März sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Die Ex-Partnerin hatte den Angeklagte angezeigt, nachdem sich ihre Tochter ihr Ende Februar 2012 offenbarte. Die 32-Jährige bemerkte schon vorher das etwas nicht stimmt, wollte dies aber nicht wahrhaben. Über einen Zeitraum von drei Monaten missbrauchte der 32-Jährige die damals achtjährige Tochter der Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in Biedenkopf.

„Das ist für ein Kind ein langer Zeitraum“, erklärte der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf. Die Jugendschutzkammer des Landgerichts Marburg ging von mindestens sechs Missbrauchsfällen aus. Bei drei Fällen liege eine besondere Schwere vor, da der Angeklagte das Kind zum Oralsex zwang, sagte Wolf.

Dass es zum Missbrauch des Kindes, für das er die Vaterrolle übernahm, kommen konnte, machte eine Kriminalpsychiaterin daran fest, dass sich der 32-Jährige über Normen und Gesetze hinwegsetzt, weil er keine Grenzen aufgezeigt bekommt. Die Schuld für sein Verhalten suche er nicht bei sich selbst, sondern immer bei dem Umfeld.

Ihre Beziehung zu dem Angeklagten beschrieb die Mutter des Kindes in der Anfangszeit als harmonisch. Im Juni 2009 ist das Paar mit den zwei Kindern der Mutter nach Biedenkopf gezogen. Wenige Tage später kam der gemeinsame Sohn zur Welt. 2010 kam es zwischen dem Paar des Öfteren zum Streit. „Wegen der Geldprobleme und wegen Kleinigkeiten“, sagte die Frau aus. Ihr Ex sei immer aufbrausender geworden und habe sie jede Nacht - auch gegen ihren Willen - zum Sex gezwungen. Sie habe Angst gehabt, „verdonnert“ zu werden. Auch habe sich der Angeklagte bis zu vier Wochen nicht geduscht und seine Unterwäsche nicht gewechselt.

„Sie haben sich ganz schön daneben benommen“, sagte Richter Wolf zum Angeklagten. Ein Gutachten bescheinigte dem 32-jährigen Hinterländer volle Schuldfähigkeit. Eine von ihm angeführte Drogen- und Alkoholsucht konnte nicht nachgewiesen werden. Allerdings war er schon als Kind verhaltensauffällig. Als Achtjähriger hat er eine Holzhütte angezündet, mit 10 Jahren fast einen Waldbrand verursacht. Es folgten Ladendiebstähle und im Erwachsenenalter acht Verurteilungen wegen diverser Delikte, darunter eine Vergewaltigung. Zum Tatzeitpunkt stand er unter Bewährung.

Ein Gutachten attestiert dem 32-Jährigen eine Persönlichkeitsstörung. Er gestalte sein Leben nach dem Lustprinzip, obwohl er intellektuell in der Lage sei, Ziele zu verfolgen und anpassungsfähig sei. Er hat einen Schulabschluss und eine Lehre absolviert, blieb aber im Job nicht zielstrebig und war öfters arbeits- und antriebslos. Da der Angeklagte keine Schuldeinsicht habe, einen Mangel an Empathie zeige und er sich potenzielle Opfer in seinem Beziehungsumfeld aussucht, kam die Kriminalpsychologin zu dem Schluss, dass der 32-Jährige ein Risiko darstellt. Er sei gewaltbereit und unangepasst. Eine pädophile Neigung stellte sie aber nicht fest.

In vier Jahren und vier Monaten soll mittels eines weiteren Gutachtens geklärt werden, ob der Angeklagte einen Hang zu sexuellen Übergriffen hat. Sollte dies der Fall sein, bleibt er in Sicherungsverwahrung.

von Silke Pfeifer-Sternke

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