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Hinterland Kfz-Technikkurs: Selbst ist die Frau
Landkreis Hinterland Kfz-Technikkurs: Selbst ist die Frau
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20:33 21.11.2011
Die Ohren zu, die Augen auf: Eindrucksvoll wurde den Frauen demonstriert, wie wichtig es ist, den Airbag auszuschalten, wenn ein Babysitz auf dem Beifahrersitz platziert wird. Die Wucht des explodierenden Airbags kann zur Lebensgefahr werden und den Sitz durchs ganze Auto schleudern. Quelle: Melanie Schneider

Marburg. Frauen und Technik - das passt durchaus zusammen. Dies haben etwa 40 Teilnehmerinnen am vergangenen Samstag im Berufs-Bildungs-Zentrum (BBZ) in Cappel bewiesen. Einmal pro Jahr veranstaltet die Innung des Kraftfahrzeuggewerbes einen Technikkurs nur für Frauen.

„Männer probieren meist in ihrer Jugend schon viel aus und schrauben an ihren Autos herum. Daher wissen Männer oftmals besser Bescheid“, weiß Kraftfahrzeugmeister Karl-Heinz. In dem Kurs für Frauen wurden die Teilnehmerinnen innerhalb von vier Stunden in alles Wissenswerte rund ums Auto fit gemacht.

Die Kfz-Meister und Ausbilder aus dem BBZ zeigten und erklärten an verschiedenen Stationen die wichtigsten Punkte. Thomas Reinberger blickte mit den Frauen direkt unter einen Wagen. Von den Bremsen über die Auspuffanlage und das Getriebe bis hin zu der nachgerüsteten Gasanlage – alles wurde detailliert erklärt.

Die Frauen schauten ganz genau hin und fragten gezielt nach. Teilnehmerin Martina Schmidt beispielsweise muss mit ihrem Wagen bald zum TÜV. Aus diesem Grund nahm sie an dem Kurs teil. „Um einfach ein bisschen mehr Ahnung zu haben“, sagt sie lächelnd.

Christine Schulz interessierte sich für die Bereifung. Woran kann man erkennen, wie alt die Reifen sind? Lieber Winterreifen oder doch Allwetterreifen?

Günther Nau weiß aus Erfahrung, dass die Kurse immer sehr begehrt sind und auf große Resonanz stoßen. „Frauen wollen mehr wissen“, freut sich der Ausbilder im BBZ. Sie wollen die Technik ihres Autos kennen und wissen was zu tun ist. „Wir haben Frauen, die hier schon mehrfach teilnahmen“, so Nau.

Jutta Lohrenz ist eine davon. Sie ist schon das vierte Mal dabei. „Ich lerne immer wieder etwas dazu“, sagt sie stolz. Bei der nächsten Panne, da ist sie sich sicher, wird sie wissen, was zu tun ist. Die Ratschläge von den Fachmännern sind breit gefächert. So gibt es eine Nachhilfestunde in Sachen „korrekte Beleuchtung“, einen Wissensausflug in das Gebiet „Flüssigkeiten - vom Scheibenwasser bist zum Motoröl“ und natürlich eine Übungsstunde im Reifenwechseln. Selbst ist eben die Frau.Was viele der Teilnehmerinnen nicht wussten: Für den Fall eines Reifenschadens sind moderne Autos oft mit Reparatursets ausgerüstet, die im Ernstfall leicht zu handhaben sind.

Aber nicht jede Autopanne geht glimpflich aus. Darum bereitet der Kurs auch auf den Extremfall vor. Was tun, wenn man in einen Unfall verwickelt wurde, die Türen jedoch klemmen und es höchste Zeit ist, das Auto zu verlassen? Die Experten raten zum Nothammer. Der ermöglicht es mit einem gezielten Schlag eine Autoscheibe zum Bersten zu bringen. Am seinem Ende befindet sich zudem ein Gurtmesser, mit dem im Notfall der Sicherheitsgurt leicht durchtrennt werden kann. Der Nothammer sollte leicht erreichbar im Wageninneren verstaut und fest angebracht sein, rät Ausbilder Nau eindringlich.

Fazit nach vier Stunden Kfz-Kurs: Eine lehrreiche Erfahrung für alle Teilnehmerinnen. Eine Erfahrung, die Sicherheit und Selbstvertrauen schafft – und sicher auch für den ein oder anderen männlichen Autofahrer interessante Lektionen enthalten würde.

von Melanie Schneider