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„Keine besonders clevere Aktion“

Bandendiebstahl „Keine besonders clevere Aktion“

Metalle im Wert von 150000 Euro hat eine Bande 2007 gestohlen und für einen Bruchteil des Wertes verkauft. Ein 48-Jähriger erhielt dafür gestern eine zweijährige Bewährungsstrafe.

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Metallgranulat aus Kupfer, Zinn und Molybdän stahlen drei Stadtallendorfer 2007 aus der Fritz Winter Eisengießerei.Archivfoto

Quelle: Business Images Schuhmacher

Marburg. Etwas mehr als 8000 Kilogramm Metallgranulate brachten einem langjährigen Mitarbeiter der Stadtallendorfer Fritz Winter Eisengießerei etwa 3000 Euro ein. Gekostet hat die vierfache Bandenhehlerei den heute 48-Jährigen nicht nur nach knapp 29 Jahren seinen Job, sondern auch die Frau, die Gesundheit und - vermutlich über viele Jahre hinweg - die finanzielle Sicherheit. Denn nach der gestrigen Verhandlung vor dem Landgericht, an dessen Ende eine zur Bewährung ausgesetzte zweijährige Gefängnisstrafe und Geldbuße von 3600 Euro stand, erwarten den ungelernten Arbeiter hohe zivilrechtliche Schadenswiedergutmachungen durch Winter.

Auch wegen der Bandenhehlerei kam es zu Problemen in der Familie des zweifachen Vaters. Seine Frau ließ sich scheiden. Die Folge waren psychische Probleme die mit einem Aufenthalt wegen Depressionen in einer psychiatrischen Klinik endeten.

Kopf der Bande sitzt bereits hinter Gittern

Viermal transportierten die drei ehemaligen Mitarbeiter der Eisengießerei unerlaubt Metallgranulat vom Firmengelände um es anschließend zu verkaufen. Dazu wurde eigens ein Wagen angemietet um Kupfer, Zinn oder Molybdän transportieren zu können. Als „Schlüsselfigur“, wie Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer sagte, agierte dabei der 48-jährige Türke, der zu dieser Zeit im Magazin arbeitete und zum Teil die sogenannten Big Bags zu einem verabredeten Platz gebracht hatte. Verkauft wurde das insgesamt 8250 Kilogramm schwere Diebesgut durch zwei Komplizen, die dafür bereits verurteilt wurden. Der 34-Jährige Kopf der Bande, die zwischen Juni und Oktober 2007 agierte, sitzt derzeit seine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und elf Monaten ab (die OP berichtete).

„Im Vergleich zum Nennwert haben Sie den vergleichsweise lächerlichen Betrag von 3000 Euro bekommen“, sagte Richter Dr. Carsten Paul in seiner Urteilsbegründung. Denn addiert hatten die Metalle einen Gesamtwert von etwa 150000 Euro. „Es war keine besonders clevere Aktion. Das musste auffallen“, sagte auch Willanzheimer. Noch schmerzhafter als die Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 15 Euro dürften dem Stadtallendorfer die Schadensersatzforderungen von Winter werden. „Sie werden vermutlich so schnell nicht mehr auf die Beine kommen“, so Willanzheimer zu dem 48-jährigen, der im Moment als Reinigungskraft arbeitet.

von Andreas Arlt

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