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Graffiti-Porträts sollen Einheit schaffen

Käthe-Kollwitz-Schule Graffiti-Porträts sollen Einheit schaffen

Graffiti im Klassenraum – eine kreative Motivationshilfe gegen den Schulabbruch hat sich die 
Käthe-Kollwitz-Schule 
einfallen lassen.

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Farbenfrohe Motivation – der Graffiti-Tag begeisterte die Schüler der 10BZB2 der Käthe-Kollwitz-Schule. Ein neues Projekt soll helfen, dass das auch so bleibt.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Bunt und abwechslungsreich gestaltet sich ein neues, mehrteiliges Praxisprojekt, in das eine Klasse der Käthe-Kollwitz-Schule (KKS) ihre ganze kreative Energie stecken kann. Sie verewigen sich selber in einer kleinen Bilderausstellung mit Symbolcharakter.

Rund ein Dutzend Jugendliche einer BZB-Klasse (Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung) stellten sich der bunten Herausforderung. Sichtlich Spaß hatten die Schüler zwischen 15 und 18 Jahren beim Besprühen ihrer persönlichen Schablonen, die aus zuvor angefertigten Porträtfotos entstanden. Die boten viel Raum für eigene Graffiti-Ideen.

An der Spraydose ließen die Jugendlichen ihrer Kreativität freien Lauf. Ob mal in schreiend bunten Farben, mal im eleganten Anzug oder mit lässiger Sonnenbrillen-Optik. Jeder so, wie es ihm gefällt. „Das war echt cool – ich finde es eine gute Idee, wenn Unterricht auch mal richtig Spaß macht und kreativ ist“, lobte Schülerin Kim-Jaqueline Wicht.

Die individuellen Bilder wurden im Anschluss im Klassenraum aufgehängt. Dort kommt den kleinen Kunstwerken nicht nur eine dekorative, sondern vor allem eine symbolische Bedeutung zu. Denn nur, wer auch zur Schule kommt und die Berufsvorbereitung durchzieht, der darf sein Bild auch weiterhin ausstellen.

Viele brechen Orientierungsjahr frühzeitig ab

„Einer für alle – alle für einen“ lautet das Motto für das laufende Schuljahr, und der Projektname ist Programm. Die Symbolik dahinter soll „Schulmuffel“ dazu motivieren, das Schuljahr zu beenden. Derzeit nimmt eine Klasse der KKS an dem neuen Projekt teil. Manche der Schüler haben ihren Hauptschulabschluss bereits in der Tasche, andere arbeiten noch daran, alle hatten in der Vergangenheit Probleme im Schulalltag, häufige Schulwechsel oder Schwierigkeiten innerhalb der eigenen Familien.

Erfahrungsgemäß halten viele das berufliche Orientierungsjahr nicht durch und brechen es frühzeitig ab. „Es ist schwer für viele Schüler, das Ende des Schuljahres zu erreichen. Da versuchen wir gegenzusteuern und eine Tür zu öffnen – über Gruppenprozesse sollen sie sich stärker mit der Schule verbunden fühlen“, erklärt Anika Mund, Schulsozialarbeiterin des Vereins zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj).

Sie hat das neue Konzept gemeinsam mit Klassenlehrerin Daniela Stellmacher von der KKS entwickelt. Ihr Ziel: „Neue Ansätze und Motivation schaffen, mehr als die Hälfte aller Schüler soll das Jahr durchziehen“, hofft Stellmacher.

Foto-Ausstellung steht 
auch für Zusammenhalt

Die Regeln dafür sind klar – wer auffallend oft im Unterricht fehlt oder die Schule schmeißt, dessen Bild wird von der Wand genommen. Derjenige ist dann raus aus dem Klassenverband, der sich durch die kleine Fotoausstellung auch symbolisch als Einheit präsentiert. Nur wer das Schuljahr beendet, verbleibt an der Wand und kann sein Kunstprojekt am Ende mit nach Hause nehmen.

Das Projekt besteht nicht nur aus den Porträtbildern, sondern erstreckt sich auf weitere Aktionen im Schuljahr, darunter Klassenfahrten, gemeinsame Thementage und Coachings zur Berufswahl sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern.

Gefördert wird das Projekt vom Beirat der Servicestelle Jugendhilfe-Schule, finanziert durch den Magistrat. Angesiedelt ist es beim bsj als freier Träger der Jugendhilfe.

„Das Projekt ist nicht schlecht, ich weiß nur nicht, ob es auch was bringt“, findet Schüler Pascal Creutz und legt nach: „könnte aber schon sein“. Er will es versuchen. Ein eng zusammengeschweißter Klassenverband und ständige pädagogische Ansprechpartner sollen dabei die nötige Hilfestellung geben.

von Ina Tannert

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