Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 17 ° wolkig

Navigation:
Job verloren, neue Zukunft gefunden

Schlecker-Kündigung Job verloren, neue Zukunft gefunden

Die Kündigung liegt auf dem Tisch: das Unternehmen pleite, die eigene Zukunft ungewiss. Eine ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin erzählt ihre Geschichte und wie sie eine neue Arbeitsstelle gefunden hat.

Marburg. Marburg. Ramona Funk war glücklich. Tag für Tag fuhr sie von ihrem Heimatort Wetter zur Arbeit in die Marburger Oberstadt. Sie begrüßte die Kunden, füllte die Regale, kontrollierte den Wareneingang, präsentierte das Sortiment und kam an der Kasse ins Gespräch über das Wetter oder den neusten Klatsch. Insgesamt 21 Jahre arbeitete Ramona Funk für das Schlecker-Unternehmen - allein 15 Jahre davon als Filialleiterin in der Marburger Wettergasse. Im vergangen Juli endete diese Ära endgültig: die Drogeriemarktkette war am Ende. „Für mich gab es nur Schlecker. Ich hatte nie daran gedacht, dass ich mal etwas anderes in meinem Leben machen würde“, sagt Funk rückblickend. Aufgeben ist jedoch nicht die Sache der 46-Jährigen.

Der erste Gang nach der Kündigung führte sie, wie alle anderen ehemaligen Angestellten aus dem Landkreis, zur Agentur für Arbeit nach Marburg. 65 Frauen, zwei Drittel von ihnen über 50 Jahre - alle mit dem gleichen Schicksal, aber doch unterschiedlichen Voraussetzungen. Für den zuständigen Arbeitsvermittler Guido Müller war Ramona Funk ein Glücksfall. Im der Sprache der Behörde heißt das: gute Referenzen, die nötige Flexibilität und die Einsicht, auch Abstriche bei den Verdienstmöglichkeiten zu machen.

Für Ramona Funk selbst ging es einfach nur darum, sich nicht hängen zu lassen: „Ich habe mich relativ schnell mit meiner Situation abgefunden und geschaut, welche Möglichkeiten es für mich gibt.“ Gerne nahm sie für diese Orientierungsphase die Hilfe von Guido Müller an. Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten schrieb die Wetteranerin wieder Bewerbungen.

Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Arbeitsagentur Marburg, sieht die Probleme für die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen zumeist in den räumlichen und zeitlichen Einschränkungen. „Viele können aus den verschiedensten persönlichen Gründen eben nur Teilzeit arbeiten und sind auf Arbeitsmöglichkeiten im näheren Umfeld angewiesen.“ Die Arbeitsvermittler gingen bei ihrer Arbeit jedoch stets individuell auf die Frauen ein und unterstütze diese auch im Einzelfall, berichtet Wenz. Zehn Vermittlungsvorschläge und drei Absagen später hat auch Ramona Funk wieder einen Job gefunden. Seit August arbeitet sie im Einrichtungshaus Sommerlad in Gießen. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, doch die für sie so wichtige Arbeit für die Kunden ist geblieben.

Und welche Konsequenzen zieht Ramona Funk für sich selbst aus der nervenaufreibenden Zeit bei Schlecker? „Ich habe gelernt, dass es immer eine Alternative gibt und dass man sich einfach nicht zu abhängig machen darf“. Die 30 Kilometer mehr Anfahrt zu ihrer neuen Arbeitsstelle nimmt die 46-Jährige dabei gerne in Kauf, denn schließlich ist sie jetzt wieder „sehr zufrieden“.

von Dennis Siepmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland