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Jäger rettet Uhu aus misslicher Lage

Erdhausen Jäger rettet Uhu aus misslicher Lage

Als Dieter Koch am Sonntag in den frühen Morgenstunden auf dem Hochsitz saß, hoffte er eigentlich einen Fuchs zu erlegen, stattdessen rettete er einen Uhu vor dem sicheren Tod.

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Glücklich hinter Gittern: Dieser Uhu wurde am Sonntagmorgen aus seiner misslichen Lage befreit. Er hing kopfüber in einer Astgabel fest.

Quelle: Dieter Koch

Erdhausen. Das Jagdrevier Erdhausen kennt der Holzhäuser Jäger Dieter Koch wie seine Westentasche. Als er am Sonntagmorgen um 7.30 Uhr im Hochsitz dem Wild auflauerte, vernahm er aus der Richtung, in der Fichten stehen, lautes Flügelschlagen. „Ich nahm an, dass dort ein Greifvogel im Baum sitzt und konzentrierte mich wieder darauf, zu beobachten, um auf der Wiese vielleicht einen mausenden Fuchs zu Gesicht zu bekommen“, sagt Dieter Koch. Die Zeit verging, und als es gegen 8 Uhr taghell war, hörte er erneut das Flügelschlagen. Mit dem Fernglas suchte er die Stelle, aus der er das Geräusch vermutete, ab. Er sah einen braunen Vogel etwa acht Meter über dem Boden, der sich in den Ästen verfangen hatte. Er hing kopfüber mit weit ausgebreiteten Flügeln mit einem Bein in einer Astgabel fest.

„Es wurde mir schnell klar, dass er sich ohne fremde Hilfe nicht mehr aus seiner misslichen Lage befreien konnte. Er wäre dem sicheren Tod ausgeliefert“, berichtet Koch. An die Fuchsjagd war jetzt nicht mehr zu denken. Koch verließ den Hochsitz und ging zu dem Baum, in dem der Vogel festhing. Dort angekommen erkannte er, dass ein Uhu dringend Hilfe brauchte. Es war Eile geboten. Die Kräfte des Uhus schienen nachzulassen. Offenbar hing er schon seit längerer Zeit im Baum fest.

Dieter Koch rief mit seinem Handy die Leitstelle der Feuerwehr an und schilderte die Situation. Als er die Zusage erhielt, dass die Feuerwehr Erdhausen alarmiert wird, war er zwar beruhigt, versuchte dennoch mit einer Fichtenstange, den Uhu selbst zu befreien. Der Versuch misslang.

Um 8.45 Uhr, eine Viertelstunde nach dem Anruf in der Leitstelle, rückten drei Mitglieder der Erdhäuser Wehr an. Mit einer Ausziehleiter stand der Rettungsaktion nichts mehr im Weg. Die Feuerwehrkräfte sägten den Ast, an dem der Uhu hing, ab. Koch war besorgt und mahnte zur Vorsicht, damit der Uhu nicht noch größeren Schaden nimmt. Die Einsatzkräfte ließen den Ast samt Uhu behutsam zu Boden.

„Ich stellte sofort fest, dass der Uhu total entkräftet war“. sagt Koch. Der Uhu konnte nicht mehr davonfliegen. Koch vermutete, dass sich der Vogel  das rechte Bein verletzt hat. Er hinkte, um vor seinen Rettern zu fliehen. Da er aber flugunfähig war, musste Koch erneut handeln. Er näherte sich dem Uhu und wollte seinen Lodenmantel über ihn werfen. Mit Unterstützung der Feuerwehrmänner, die den Vogel ablenkten, schlich sich Koch von hinten an und verfehlte sein Ziel nicht. Der Uhu  hielt still. Nun stellte sich für den Jäger die Frage des Transports. Der Uhu in einem Wagen mit dem Jagdhund? Das war keine gute Idee. Also rief Koch seine Frau Brigitte an, die mit einer zusammenklappbaren Hundetransportbox zum Hochsitz fuhr. Der Uhu wurde in die Box verfrachtet, der Hund fuhr mit dem Frauchen heim. Zu Hause angekommen stellte Koch erleichtert fest, dass sich der Uhu langsam erholte. Die Hoffnung, dass die dreistündige Rettungsaktion nicht umsonst war, stieg.  Nun galt es noch, eine „adäquate Obhut“ für den Vogel zu finden. Koch versuchte telefonisch verschiedene Vogelauffangstationen im Landkreis zu erreichen – vergebens. Er erinnerte sich an die Vogelauffangstation im Vogelpark Uckersdorf. Den Transport des Vogels dorthin übernahm Erich Sänger aus Lixfeld, Vogelwart des Nabu Hessen. Dort wird das Tier derzeit aufgepäppelt. Wolfgang Rades, Leiter des Vogelparks Uckersdorf, bestätigte, dass sich der Vogel eine größerer Schürfwunde am rechten Fuß zugezogen hat. Das Tier sei traumatisiert und werde intensiv gepflegt.

Dieter Koch ist froh, dass es dem weiblichen Altvogel so weit gut geht. Er hatte sich im Vogelpark nach der Verletzung des Uhus erkundigt. In wenigen Wochen soll er wieder in die freie Wildbahn entlassen werden, wo er „hoffentlich noch recht lange auf nächtlichen Beutezug gehen und vielleicht auch nach der bevorstehenden Balz ein Gelege ausbrüten kann“, sagt Koch.

Der Holzhäuser Jäger mit dem großen Herz für die größte Eulenart, hat sich vorgenommen, seinen Schützling im Vogelpark zu besuchen.

von Silke Pfeifer-Sternke

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