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Literarisches Liebes-Experiment glückt

Isa Perski und Günther Jahn Literarisches Liebes-Experiment glückt

Isa Perski und Günther Jahn ist es eindrucksvoll gelungen, zwei unterschiedliche Geschichten 
zu einer Symbiose zu ­vereinen.

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Günther Jahn erwies sich als engagierter Erzähler und kongenialer Partner von Isa Perski. Sie überzeugte mit sprachlicher Ausdruckskraft und einer bewundernswerten Mimik.

Quelle: Erich Frankenberg

Biedenkopf. Die Skepsis überwog bei den Besuchern im Vorfeld der Lesung „Von der Liebe“. Denn gleich zwei Romane waren die Grundlage für dieses ­literarische Experiment. Doch die Skepsis wich sehr schnell der Begeisterung. So unterschiedlich die beiden Schriftsteller sich dem Thema „Liebe“ gewidmet haben, so gut verstanden es die beiden Schauspieler vom Theater der Volkshochschule Marburg-Biedenkopf, die Romane zu einem begeisternden, aber auch nachdenklich machenden Ganzen zusammenzufügen, 
ohne die Besonderheiten und Schönheiten des jeweiligen Werks außer Acht zu lassen.

Kurt Tucholsky mit „Schloß Gripsholm“ und von Noëlle Châtelet mit „Die Klatschmohnfrau“ vereint neben dem Thema „Liebe“ eine bildhafte, besonders schöne Sprache, die die beschriebenen Personen vor dem geistigen Auge des Zuhörers erscheinen lässt. In ihrer Lesung arbeiteten Isa Perski und Günther Jahn wichtige Facetten des Themas Liebe heraus. In ­Tucholskys Sommerroman, in den ein erotisches Abenteuer zu dritt eingeflochten ist, kontrastiert dieses Sommerszenario mit nachdenklich stimmenden Szenen: Die beiden Verliebten beobachten auf einem Spaziergang ein kleines Mädchen, das in einem nahe gelegenen Kinderheim lebt und unter der sadistischen Leiterin des Instituts leidet.

Im Wechsel Auszüge aus beiden Werken

Noëlle Châtelet dagegen erzählt die Geschichte einer späten Liebe zwischen alten Partnern, „stilistisch sicher, einfühlsam und voller Takt“, wie dem Vorspann des Romans zu entnehmen ist. „Die Klatschmohnfrau“ ist die Geschichte einer ­alten Dame, die zu neuem Leben erwacht, als sie einen älteren, vitalen und kreativen Mann kennenlernt. Sie verliebt sich in ihn und es entwickelt sich eine leidenschaftliche, auch sinnliche Liebe. Ein feiner, ruhiger Roman über die Liebe, die sich um faltige Haut, schmerzende Hüften und graues Haar nicht kümmern mag. Aber auch die Auseinandersetzung mit der Rolle­ der Frau, den Zwängen und gesellschaftlichen Mustern, denen sie unterworfen ist und aus denen sie sich befreit. Die Geschichte endet voller Zuversicht auf noch ein paar schöne gemeinsame Jahre mit einer Reise nach Sevilla, während ­Tucholsky in seinem Roman erzählt, dass die jung Verliebten das drangsalierte Kind retten und arrangieren, dass die Kleine nach Hause gebracht wird.

Während sich Isa Perski ganz dem Roman „Die Klatschmohnfrau“ widmete und ihn mit großer sprachlicher Ausdruckskraft und einer bewundernswerten Mimik lebendig werden ließ, überzeugte Günther Jahn als kongenialer Partner, immer im Wechsel mit Isa Perski, mit Auszügen aus Tucholskys „Schloß Gripsholm“. Wenn die Zuschauer es nicht gewusst hätten, hätte man denken können, beide­ Werke kämen aus derselben ­Feder, so glich sich die bildhafte Sprache.

Leider genoss nur ein Dutzend Zuhörer dieses literarische Experiment, das man als sehr gelungen bezeichnen kann, wie den begeisterten Ausführungen der Zuhörer zu entnehmen war.

von Erich Frankenberg

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