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Hinterland Intendant zieht durchwachsene Bilanz
Landkreis Hinterland Intendant zieht durchwachsene Bilanz
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00:17 06.10.2018
Wer hat eigentlich das Sagen auf der Eisernen Burg? Die furchtlose Burgfrau Bö lässt sich vom überheblichen Ritter Rost nicht viel sagen. Quelle: Michael Tietz
Biedenkopf

Der Kartenverkauf hätte indes besser laufen können. „Künstlerisch hat für mich alles wunderbar geklappt“, sagt Frank Johannes Wölfl. Der Biedenkopfer­ Kulturreferent hat 2018 zum ersten Mal die Schlossfestspiele geleitet und dabei ein dickes Paket gestemmt. Es galt, die Wiederaufnahme des Musicals „Die Hatzfeldt“ umzusetzen und mit „Ritter Rost und das Gespenst“ erstmals ein Kindermusical auf die Bühne zu bringen.

Die Wiederaufnahme-Regie für „Die Hatzfeldt“ gestaltete sich dabei viel aufwendiger als erwartet. Wölfls Amtsvorgängerin Birgit Simmler hatte das Musical bereits 2017 auf die Festspiel-Bühne gebracht. Das Stück stand also eigentlich schon. Anfang 2018 stellte sich aber heraus, dass nicht nur einzelne, sondern viele Rollen neu besetzt werden mussten. Wölfl musste drei Hauptdarsteller finden, Sprechrollen neu vergeben, und auch beim Chor sprang fast die Hälfte der über 30 Sänger ab.

40 Prozent der Hatzfeldt-Plätze blieben leer

Viele Chormitglieder seien schon seit Jahren dabei, sagt Wölfl. Die Leute hätten viel Freizeit geopfert. Dass das nicht auf Dauer geht, könne er verstehen. Für manche sei der Wechsel in der Festspielleitung dann wohl der Anlass gewesen, auszusteigen. Wölfl musste somit sein Ensemble neu aufbauen und zusätzliche Proben ansetzen. Zugleich sei das aber auch schön gewesen, weil auf diese Weise „Die Hatzfeldt“ am Ende viel mehr gewesen sei als eine einfache Wiederaufnahme, sagt der Regisseur.

Absolut glücklich ist er damit, dass er Sanni Luis und Yngve Gasoy-Romdal – zwei Musical-Stars – als Hauptdarsteller gewinnen konnte. Was diese Profis, die für einen Bruchteil ihrer normalen Gage aufgetreten seien, lockt, sei die besondere Atmosphäre: das Ensemble, das Schloss, die Freilichtbühne und das Publikum. Dieses strömte­ 2018 allerdings nicht so zahlreich wie gehofft in die sechs „Hatzfeldt“-Vorstellungen. „Der Kartenverkauf blieb deutlich unter den Erwartungen“, bedauert Wölfl. 1.300 Karten wurden verkauft: Im Schnitt sind das 216 Karten pro Vorstellung – bei 385 Plätzen im Schlosshof.

Kindermusical „super gelaufen“

Wölfl vermutet, dass mehrere Gründe zusammengewirkt haben. So habe es sich um eine Wiederaufnahme, keine Premiere gehandelt. Viele Zuschauer hatten „Die Hatzfeldt“ schon 2017 gesehen. Und: Das Stück sei inhaltlich und musikalisch wunderbar – vom Stoff her aber keine leichte Kost. Darüber hinaus habe sicher auch der Wechsel der Festspielleitung eine Rolle gespielt. Er habe nun mal als „der Neue“ Regie geführt.
Dass das Festspiel-Publikum erst mit dem neuen Intendanten und Regisseur warm werden musste, zeigte sich auch bei „Ritter Rost“. Der Kartenverkauf zog erst nach der Premiere an – dann sprach sich wohl herum, dass sich der Besuch lohnt.

Unter dem Strich sei das erste Kindermusical „super gelaufen“. Künstlerisch habe mit dem Ensemble, den Musikern um Silvia Salzbauer, der Kulisse und den Kostümen alles gepasst. Und die regionalen Talente – darunter Christoph Donhauser, Sarah Strunk, Carsten Wenzel, Manuel Böhm und Franziska Althaus – hätten dem Stück zusammen mit zahlreichen mitwirkenden Kindern den besonderen Charme verliehen.

Zukunft des Festivals offen

Die Schlossfestspiele stehen­ laut Intendant Wölfl solide da: Das Budget für 2018 wurde nicht ausgeschöpft. Insgesamt stünden die Schlossfestspiele – dank vieler Sponsoren und Zuschüsse – auf soliden Füßen. Wie es in Zukunft weitergeht, ist trotzdem offen. Denn Wölfl verlässt Biedenkopf Ende 2018 (wir berichteten).

Ob und wie ein neuer Biedenkopfer Kulturreferent das Festspiel-Ensemble in den nächsten Jahren zusammenhalten und an frühere Erfolge anknüpfen kann, muss sich zeigen. Hinzu kommt, dass 2019 der Grenzgang stattfindet. Deshalb soll es laut Bürgermeister Joachim Thiemig – wenn überhaupt – nur ein kleines Festspielprogramm geben.

von Susan Abbe