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Hinterland Innovation gibt es nicht auf Knopfdruck
Landkreis Hinterland Innovation gibt es nicht auf Knopfdruck
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20:33 08.09.2011
Die Referenten und Unterstützer des zweiten Forums „Wert(e)basierte Unternehmensführung im Mittelstand“ im gut gefüllten Marburger Stadtverordnetensitzungssaal. Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Produkt- und Prozess-Innovationen finden, bewerten und umsetzen – das war das Ziel der rund 100 Teilnehmer aus Wirtschaft und Wissenschaft der zweiten von der Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft (FMW) an der Philipps-Universität Marburg organisierten Tagung mit dem Titel „Wert(e)basierte Unternehmensführung im Mittelstand“. „Wir wollen uns in Vorträgen, Diskussionen und Parallelsessions über ebendieses Thema austauschen“, erläuterte Professor Stefan Dierkes als Sprecher der FMW in seiner Begrüßung das Ziel des Forums. Das konkrete Thema der Tagung „Produkt- und Prozessinnovationen finden, bewerten und umsetzen – Lösungen für große und kleine Betriebe“ sei an den Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichtet worden. Die gestiegene Teilnehmerzahl im Vergleich zum ersten Forum im vergangenen Jahr zeige, dass das Interesse an diesen Themen groß sei.

Rolf Witezek, Vorstandsmitglied der Volksbank Mittelhessen, brachte es schnell auf den Punkt: „Ohne Innovationen sind Unternehmen schnell out“, sagte er. Manchmal seien Betriebe zudem so sehr in ihre Produkte verliebt, dass sie ihre Prozesse vergessen: „Aber auch die müssen immer wieder überarbeitet werden.“

Vier Vorträge mit einer sich anschließenden Podiumsdiskussion standen auf dem Vormittagsprogramm der Forum-Teilnehmer. So berichtete Professor Michael Stephan von der Philipps-Universität Marburg beispielsweise in seinem Vortrag von verschiedenen Typen des Innovationsmanagements in mittelständischen Unternehmen, stellte die Herausforderungen dar und gab Lösungsansätze. „Kreativität erfordert auch immer Risikobereitschaft und das Schaffen von Freiräumen“, erklärte Stephan und ergänzte: „Zu viele Freiräume bergen aber wiederum Gefahren.“ Die Herausforderung des Innovationsmanagements sei also, die Planung und Ausstrukturierung mit der Gestaltung der Freiräume zu vereinbaren.

In einer empirischen Studie hat Stephan herausgefunden, dass 90 Prozent der 255 befragten Unternehmen aus der Region in den vergangenen drei Jahren Innovationen realisiert haben. Gleichzeitig hat er aber auch festgestellt, dass die Abbruchquote der Projekte relativ hoch ist: „30,7 Prozent der Großunternehmen und 50 Prozent der Kleinunternehmen haben innovative Projekte wieder abgebrochen, die meisten nach der Rentabilitätsanalyse“, erklärte er. Das liege daran, so der Professor, dass viele Unternehmen keine betriebswirtschaftlichen Methoden bei der Bewertung von Innovationen einsetzen würden. „Das ist ein klares Defizit“, betonte er.

Während Manfred Roth, geschäftsführender Gesellschafter der Roth Industries aus Buchenau, am Beispiel seines Unternehmens erläuterte, wie Mittelständler mit Innovationen zum Weltmarktführer werden können, schilderte Dr. Rudolf Dömötör von der Compa‑media GmbH die Charakteristika erfolgreicher Innovations­champions. „Innovation unterscheidet sich grundlegend von Routinetätigkeiten“, erklärte er. Dennoch sei Innovation kein Zufall „und es gibt sie auch nicht auf Knopfdruck“. Vielmehr stecke dahinter harte, systematische Arbeit.

Hans Peter Rodenkirchen von der Firma Hailo ParkettLine stellte anschließend die Entwicklung und Vermarktung einer innovativen Leiter dar. Denn auch solche Haushaltsgeräte könnten innovativ sein.

Natürlich hatte auch das Forum selbst eine Innovation zu bieten: Am Mittag stand eine Nachwuchssession auf dem Programm, bei der sich den teilnehmenden Unternehmern 24 Studenten vorstellten. Ziel dieses Programmpunktes sollte es sein, das Zusammenkommen von Unternehmern und Studenten zu vereinfachen und erste Kontaktaufnahmen zu ermöglichen, beispielsweise für Praktika. „Das ist eine gute Sache“, fand Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel. Schließlich seien Unternehmen immer auf Nachwuchs angewiesen, die Kontakte könnten gar nicht früh genug zustande kommen.

In kleinen Gruppen wurde dann parallel an verschiedenen für die Unternehmer relevanten Themen gearbeitet, bevor Dr. Michael Bartl von der Hyve AG in seinem Vortrag über die Implementierung von Innovationen sprach. Das Schlusswort oblag dann Professor Michael Lingenfelder von der FMW, der die Ergebnisse des Tages zusammenfasste.

von Katharina Kaufmann

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