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Industrie und Handel schwächeln

IHK-Konjunktur-Umfrage Industrie und Handel schwächeln

Während die Konjunktur im Handwerk weiter boomt, fällt die Herbstbilanz bei den Betrieben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel eher durchwachsen aus.

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Im Hamburger Hafen werden Container verladen. Von den heimischen Betrieben rechnen 22,7 Prozent mit einem sinkenden Exportvolumen. Das ergab eine Umfrage der IHK Kassel.

Quelle: Christian Charisius

Kassel. 542 Unternehmen aus der Region Marburg und Nordhessen haben sich an der Herbstkonjunktur-Umfrage der IHK Kassel beteiligt - die Antworten zeigen: Die Lage in Industrie und Handel ist fragiler geworden. Kaum eine Branche behauptete die sehr guten Werte der vergangenen Umfragen. Der Geschäftsklima-Index fällt auf 106,8 Punkte. Im Frühjahr hatte er noch bei 117,4 Punkten gelegen.

„Auffällig ist diesmal, dass es neben negativen Zukunftserwartungen auch erste Verwerfungen im Bereich der aktuellen Geschäftslage gibt“, teilt Thomas Rudolff, Geschäftsführer Kommunikation bei der IHK Kassel, mit. Die Dynamik im Beschäftigungsaufbau habe ihren Höhepunkt erreicht, die Investitionstätigkeit gehe ebenso zurück wie das Exportvolumen. „Aus dieser Gemengelage heraus muss mit einer Abkühlung der Konjunktur gerechnet werden. Die Gefahr einer Rezession ist potenziell gegeben“, warnt die IHK, die allerdings eher mit einem so genannten Soft Landing, also einer optimalen Abkühlung der Wirtschaft nach einer Hochkonjunkturphase, rechnet. „Wir gehen von einem Wachstum von 1,0 Prozent für 2012 und 2013 aus“, so Rudolff.

36,6 Prozent der in Nordhessen und Marburg befragten Betriebe gehen derzeit von einer guten Geschäftslage aus. 52,9 Prozent bewerten ihre aktuellen Geschäfte als befriedigend. Was die zukünftige Geschäftslage angeht, sind die Aussichten längst nicht mehr so gut: So ergab die IHK-Umfrage, dass nur noch 15,3 Prozent - im Frühling waren es noch 21,1 Prozent - die zukünftige Konjunkturlage als eher günstig einschätzen. 60 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Situation aus.

Beim Blick in die einzelnen Branchen zeigt sich, dass die Industrie erste Kratzspuren aufweist: Immerhin noch fast 40 Prozent der Betriebe beurteilen ihre derzeitige Lage als gut, 47,3 Prozent sehen sie als befriedigend. Für die Zukunft rechnen dagegen nur noch von 15,8 Prozent mit einer guten Geschäftslage, 57,9 Prozent gehen von einer befriedigenden Situation aus, fast 27 Prozent rechnen mit Einbrüchen.

Das Baugewerbe und der Großhandel erwarten keine signifikanten Änderungen - ganz im Gegensatz zum Einzelhandel, der schlechte Daten zu vermelden hat: Nur knapp sieben Prozent der befragten Einzelhändler erwarten eine günstige zukünftige Geschäftslage, Fast 30 Prozent gehen von einer ungünstigen Entwicklung aus. Ähnlich eingetrübt sind die Zukunftserwartungen des Gastgewerbes in der Region.

„Das Ergebnis zeigt, dass die Wirtschaft in Nordhessen und Marburg derzeit von Unsicherheit geprägt ist“, so das Fazit der IHK-Umfrage. Das Rückgrat des Aufschwungs der vergangenen Quartale sei der Export gewesen. Insbesondere die verarbeitende Industrie habe davon profitiert.

Während bei der aktuellen Umfrage noch 68 Prozent der befragten Unternehmen von einem gleichbleibenden Exportvolumen ausgehen, rechnen allerdings auch 22,7 Prozent mit einem sinkenden Exportvolumen. Im Frühjahr waren das nur 9,3 Prozent gewesen. Damals hatten sogar fast 33 Prozent der Betriebe mit einem steigenden Exportgeschäft gerechnet - jetzt sind nur noch 9,3 Prozent so optimistisch gestimmt.

Die größten Risiken bei der wirtschaftlichen Entwicklung des eigenen Unternehmens sehen die meisten Befragten übrigens in der Inlandsnachfrage (59,0 Prozent), den Energie- und Rohstoffpreisen sowie den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

von Katharina Kaufmann

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