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In der Werkstatt hat sie das Sagen

Eckelshausen In der Werkstatt hat sie das Sagen

Der raue Ton gehört dazu, das Öl und der Schmutz bei der Arbeit auch. Nichts für Weicheier. Aber genau das Ding von Janice Behrens, die tagtäglich ihre Frau in der KFZ-Werkstatt von Georg Habers steht.

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Schlagbohrer im Anschlag, Reifen an der Hand: Janice Behrens arbeitet in der KFZ-Werkstatt von Georg Habers und fühlt sich in der Männerdomäne sichtlich wohl.

Quelle: Tobias Hirsch

Eckelshausen. Dicke Jacke, Handschuhe, bei den herbstlichen Temperaturen unverzichtbar während der Arbeit. Das große Garagentor steht offen, die Kunden kommen und gehen, die Autos rangieren zwischen Parkplatz und Hebebühne. Mit geröteten Wangen wirbelt Janice Behrens zwischen Autoreifen, Schlagbohrern, Motoröl und Schraubenzieher umher. Sinken die Temperaturen, steigt die Schlagzahl in der Werkstatt.

Die richtige Bereifung für die Winterzeit muss aufgezogen werden. Fast in Akkordarbeit. Da muss jeder Handgriff sitzen, da ist kein Platz für Kinkerlitzchen. „Der Ton ist schon manchmal rau. Aber mir macht das nichts, bin ich ja gewohnt“, sagt die 38-jährige Janice, die im zarten Alter von zwei Jahren aus Delmenhorst nach Biedenkopf kam und dank des Vaters schnell die Begeisterung für Autos entwickelte. „Irgendwie war ich immer dabei, wenn mein Vater an Autos bastelte. So kam eines zum anderen.“

 

Klingt wie selbstverständlich. Im KFZ-Gewerbe sind Frauen an der Hebebühne aber die absolute Ausnahme. „Klar war das komisch damals in der Berufsschule. Wir waren um die 30 Azubis, ich die einzige Frau.“ Für die Holzhäuserin kein Problem. Schon vor ihrer Ausbildung bei Gregor Habers, damals im Jahre 1990, lernte sie, die Ellenbogen auszufahren. Auf der Suche nach einem Lehrmeister nämlich hagelte es eine Abfuhr nach der anderen.

Wegen der üblichen Klischees. „Frauen können nicht so schwer heben, Frauen wollen sich nicht dreckig machen, Frauen achten auf ihre Fingernägel, blablabla“, erzählt die sympathische Schrauberin. Sie weiß, wofür es gut war. Sich dann in der Firma Habers zu behaupten, die Ausbildung zu meistern und mittlerweile seit 21 Jahren einen treuen Arbeitgeber gefunden zu haben, das alles war und ist es wert. Da schaut sie gerne mal über die Frauenwitze der männlichen Kollegen hinweg. Gehört eben dazu. „Ich habe es zwei Jahre mit einer kaufmännischen Lehre versucht. Ganz klassisch und frauentypisch. Das war einfach nichts für mich.“

von Carsten Bergmann

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