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Hinterland „Königliches Amtsgericht“ wird saniert
Landkreis Hinterland „Königliches Amtsgericht“ wird saniert
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00:17 31.12.2018
Das denkmalgeschützte Gebäude des ehemaligen Amtsgerichts in der Gießener Straße wird saniert und umgebaut. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Gladenbach

Ein Haus mit Geschichte soll eine neue erhalten. Das herrschaftliche Gebäude, in dem zuletzt das Amtsgericht untergebracht war und das lange leer stand, soll nicht nur einen neuen Anstrich erhalten.

Das steinerne Haus, das unter Denkmalschutz steht, wird von der Gade-Gruppe aus Großseelheim saniert. Dabei wird wert darauf gelegt, dass die hohen Räume und die historischen Details erhalten bleiben. Insgesamt sollen in dem als „Einzelkulturdenkmal“ eingestuften Gebäude auf drei Etagen acht Wohnungen entstehen. Die Wohnungen sind zwischen 60 und 95 Quadratmeter groß.

Die vorhandene Treppe mit gusseisernem Geländer im historischem Haupttreppenhaus soll erhalten bleiben. Die Treppe wird allerdings neue Stufen erhalten. Auch die Treppe im rückwärtigen Treppenhaus mit Stufen aus Naturstein bleibt erhalten. Denn: Beide Treppenhäuser stehen unter Denkmalschutz und dürfen nicht verändert werden.

Schicksal des Bahnhofsgebäudes ungewiss

Die Außenfassade, die ebenfalls unter Denkmalschutz steht, bleibt in seiner ursprünglichen Art erhalten. Die Fassade wird allerdings gereinigt und erhält einen neuen Anstrich. Auch die Doppelfenster stehen unter Denkmalschutz und werden erhalten bleiben – ebenfalls mit einem neuen Anstrich.

Im Gladenbacher Amtsgericht waren ehemals das Grundbuchamt und eine Rechtsantrags- und Auskunftsstelle, ein Polizei-Stützpunkt und eine Außenstelle der Bewährungshilfe untergebracht. Die Stadt Gladenbach hatte damals nicht die finanziellen Mittel, um das historische Gebäude zu kaufen. Der ehemalige Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim ging davon aus, dass dort auch Vereine eine Heimat finden könnten.

Im Rennen mit diesem Gebäude befand sich damals aber auch das alte Bahnhofsgebäude – beide Gebäude wurden allerdings nicht an den Mann gebracht. Für das Bahnhofsgebäude gibt es noch immer keine Umnutzungspläne, das Amtsgerichtsgebäude sollte zuletzt als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden, was aber nicht zum Tragen kam. Das Gebäude zählt zu den architektonisch eindruckvollsten in der Kirschenmarktstadt Gladenbach. Seine Geschichte wird im Marburger HITZEROTH-Verlag erschienenen Buch „Gladenbach und Schloß Blankenstein“ vom Amtsgerichtsdirektor a.D. Wilhelm Dörr ausführlich beschrieben.

Justizfiskus erwarb Haus durch Tauschhandel

1821 nahm das Gericht seine Tätigkeit in den Räumen des Amtshauses „Am Markt 9“ auf. In den Folgejahren wurde aus dem „Großherzoglichen Landgericht Gladenbach“ das „Königlich Preußische Amtsgericht Gladenbach“. Aber bald wurde das Gebäude zu klein. Im Frühjahr 1898 prüfte eine Kommission aus Berlin die örtlichen Verhältnisse und fasste den Entschluss, ein neues Amtsgerichtsgebäude zu bauen.

1904 fand dann ein Tauschhandel statt: Der Justizfiskus erwarb von der Gemeinde Gladenbach im Tausch gegen das Amtsgerichtsanwesen in der Marktstraße 9 ein Grundstück in der damaligen Peripherie an der Landstraße Richtung Gießen. 1907 war das Gebäude fertiggestellt und hatte 120.000 Reichsmark gekostet. Ein Jahr später wurden die neue Räume bezogen, heißt es in dem Buch.

Der Autor des Textes über die Geschichte des Amtsgerichts war auch gleichzeitig der letzte feste Richter in Gladenbach. 1968 wurde das Amtsgericht Gladenbach aufgelöst und zur Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf. 1986 ließ Dörr die Inschrift an der Häuserfront „Königliches Amtsgericht“, die in Stein gehauen ist, wieder freilegen. Sie ziert das steinere Haus in der Gießener Straße 27.

von Silke Pfeifer-Sternke