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Hinterland Im Lager pauken zuletzt Schüler
Landkreis Hinterland Im Lager pauken zuletzt Schüler
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06:16 16.04.2012
Unterhalb der heutigen Grundschule und Förderstufe der Freiherr-vom-Stein-Schule befand sich das RAD-Lager. Quelle: Hartmut Berge

Gladenbach. Den historischen Bildern aus den Städten und Gemeinden des Hinterlandes sowie Lohra werden aktuelle Aufnahmen gegenübergestellt. Sie sollen deutlich machen, was sich verändert hat, und was nicht. Die nebenstehende Reproduktion einer Postkarte ist im Besitz des Heimat- und Museumsvereins Amt Blankenstein und zeigt das RAD-Lager.

Am 20. September 1936 wurde das Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) „Major von Wissenmann Abt. 9 - 222“ mit einem großen Einzug des RAD aus Richtung Dillenburg kommend und unter Jubel von Hunderten Gladenbachern eingeweiht.

Zwischen dem Forstamt und dem Hause Friebertshäuser hatte das Heeresmusikkorps Aufstellung genommen, um den Fahrzeugtross mit den RAD-Männer mit Marschmusik zu begrüßen. Vor Ort waren auch der NSDAP-Kreisleiter und Abordnungen der SS. Die Hitlerjugend und Mädchen des Bundes Deutscher Mädchen (BDM) waren genauso aufmarschiert wie die örtliche NSDAP-Gruppe. Ebenso war eine Gruppe von Gladenbachern vertreten, die sich von 1934 an sehr engagierten, dass der RAD wieder in der kleinen Stadt Quartier bezog. In den Jahren bis zum Kriegsausbruch erledigte der RAD zahlreiche Rekultivierungsarbeiten, Bachbegradigungen und Straßensicherungsarbeiten.

Mithilfe des kasernierten RAD ließen sich die Gladenbacher die Naturfreilichtbühne im Hain und der Georg-Ludwig-Hartig-Platz an der Bahnhofstraße bauen. Geplant war auch die Errichtung eines Volksparkes an der heutigen Jahnstraße und der Bau eines Erholungsheimes. Finanzschwache Gemeinden wie Gladenbach nahmen den Zwangsarbeitsdienst gerne in Anspruch. Billiger konnte man solche Projekte nicht realisieren. Der RAD war ein wichtiger Bestandteil der Hitler-Doktrin, um das deutsche Volk systematisch auf den Krieg vorzubereiten. Die Männer waren kaserniert und marschierten mit ihrem Werkzeug morgens mit Gesang aus dem Lager und abends wieder hinein. Ab Juni 1935 musste jeder junge Mann einen sechsmonatige, dem Wehrdienst vorgelagerte Arbeitsdienst ableisten. Das Gladenbacher Lager war dort, wo heute das Wohn- und Geschäftshaus BSF-Zentrum steht. Das Lager diente von 1943 bis 1944 als Unterkunft für Kasseler Gymnasiasten, nach dem Krieg als Gefangenen- und Flüchtlingslager, bevor die Gladenbacher Schule in die Holzbaracken einzog.

von Hartmut Berge