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Im Keller lagerte der Messwein

Damals & Heute Im Keller lagerte der Messwein

In der Serie „Damals & Heute“ dokumentiert die Oberhessische Presse den Wandel von Straßenzügen und Gebäuden. Heute widmen wir uns dem Gladenbacher Mönchshof.

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Als stolzer Fachwerkbau präsentiert sich der Mönchshof heute.

Quelle: Hartmut Berge

Gladenbach. Bilder erzählen Geschichten. Das gilt sowohl für Aufnahmen aus dem Familienalbum als auch für solche, die bedeutende Ereignisse dokumentieren oder Gebäude zeigen, wie sie früher aussahen.

In der Serie werden historischen Bildern aus den Städten und Gemeinden des Hinterlandes sowie Lohra aktuelle Aufnahmen gegenübergestellt. Sie sollen deutlich machen, was sich verändert hat und was nicht. Im mehrere tausend Bilder umfassenden Archiv des Heimat- und Museumsvereins Amt Blankenstein befindet sich auch die nebenstehenden Aufnahmen vom Mönchshof.

In dem Gebäude zwischen der Martinskirche und der Bornrainstraße hat Anfang dieses Monats eine Zweigstelle der Reha-Werkstätten Marburg ihre Pforten geöffnet.

Ältere Gladenbacher erinnern sich, dass in dem Gebäude früher Kaiser & Roth und Heinrich Herrmann ihre Geschäfte hatten. Herrmann führte dort Anfang der 1950er Jahre sogar eine Tankstelle, früher als Zapfsäule deklariert.

1980 zog ein Penny-Markt ein, zwei weitere Mieter mit unterschiedlichen Waren im Angebot folgten. Jahrelang standen die Räume leer. Den Verantwortlichen des Lebenshilfewerks Marburg-Biedenkopf befanden die Räume im Erdgeschoss als sehr gut geeignet für das Vorhaben, das nun in die Tat umgesetzt wurde.

In den Chroniken wird nur wenig über den Mönchshof berichtet. Näher mit der Geschichte des Gebäudes befasst hat sich der verstorbene Heimatforscher Otto Acker. Er hielt anlässlich der grundlegenden Sanierung des Mönchshof 1980 eine sehr umfassende Rede. Er betonte darin, dass der Mönchshof - nun wieder in schmuckem Gewand - gemeinsam mit der altehrwürdigen Martinskirche einen besonders schönen Teil des Stadtbildes darstelle.

Denkmalpflege bringtdie nötigen Zuschüsse

Und Acker erinnerte, dass über den Abriss diskutiert wurde, um anstelle des Hofes Parkplätze einzurichten.

Möglich war die Sanierung nur, weil das Gebäude vorher als denkmalgeschützt eingestuft wurde und ordentlich Zuschüsse flossen.

Das unter dem anschließenden Wirtschaftsgebäude noch erhaltene Kellergewölbe eines älteren Vorgängerbaus sei ein wertvolles siedlungsgeschichtliches Zeugnis, sagte Otto Acker vor 32 Jahren.

Das Mönchhofsgut wird in verschiedenen Berichten genannt, wie in einem Aufsatz von Otto Immel in den Hinterländer Geschichtsblättern. Dekan Korndörfer berichtet, dass sich zu katholischen Zeiten vor der Kirche ein Mönchskloster oder eine Klosterkirche befand. Das Mönchhofsgut wurde später an den Staat abgetreten, der dann lange Zeit die Mönchhofsrente an die Pfarreien entrichtete. Im Staatsarchiv Marburg ist nachzulesen, dass das Gut bereits 1630 bestanden hat. Nachzulesen ist auch, dass es dem Gut oblag, Weinfuhren für das Kloster Altenberg bei Wetzlar zu unternehmen. „Die großen Tonnengewölbe lassen auf einen Weinkeller schließen“, berichtete Acker und vermutete, dass dort Wein gelagert wurde, um ihn als Messwein an die Klöster weiterzuleiten.

Alte Gladenbacher wussten von einer Apfelweinkelterei, die in dem Hof betrieben wurde.

An einem Kellerende soll es einen Stollen gegeben haben, der noch Ende des 18. Jahrhunderts begehbar war und der vor dem Haus mit einem weiteren Stollen zusammentraf, der von der Martinskirche her kam und bis zur Burgstraße führte.

Als das Gut noch bewirtschaftete wurde, sei auch das Wohnhaus in guten Zustand gewesen, berichtete Acker. Im 18. Jahrhundert wohnte dort der Amtmann Krebs mit seiner Familie, danach die Familie Hartig.

Dann wurde der Hof nicht mehr bewirtschaftet, der Zerfall begann. Der Gladenbacher Dachdeckermeister Georg Damm, zur Einweihung des sanierten Gebäudes 86 Jahre alt, konnte sich erinnern, dass er einmal wegen einer Reparatur ins Haus bestellt wurde. Als er in die Wohnung kam, lag eine Frau krank zu Bett und schützte sich mit einem Regenschirm vor dem Wasser, das über das Dach durch die Decke sickerte und ins Schlafzimmer tropfte.

„Stall und Scheune hatten, inzwischen im Besitz der Familie Theis, viele Betriebe aufgenommen“, berichtete Acker. Dort wurde der Grundstein für die spätere Firma Auto-Müller gelegt, Walter Müller, Kampfflieger aus dem Ersten Weltkrieg, kam mit einer Viktoria-Gespann, mit einem Werkzeugkasten im Beiwagen von Marburg, und baute den Betrieb auf.

Es folgten die Bau- und Brennstoffhandlung Herrmann, die Schreinerei Weigand und andere Unternehmen.

von Hartmut Berge

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