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Hinterland Im Dorf entwickelt sich Widerstand
Landkreis Hinterland Im Dorf entwickelt sich Widerstand
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06:16 29.08.2012
Auf dem Stein in diesem Biotop auf dem Hilsberg hat er einen Schwarzstorch gesehen, berichtet Thomas Christ seiner Mitstreiterin Doris Stamm.

Bottenhorn. Hellhörigkeit auf der einen, Verwunderung auf der anderen Seite: „Ungewöhnlich“, findet es zum Beispiel Helmut Brodt, dass der Brief von drei Bottenhornern auf der Tagesordnung der Gemeinde­vertretersitzung am Montag gelandet ist. Es sei wichtig und richtig, den Betroffenen eine Antwort zu geben, meint der FWG-Fraktionsvorsitzende, doch seine Fraktion müsse darüber noch vor der eigentlichen Sitzung beraten. Auch aus der CDU-Fraktion kann Otto Erich Pfeifer noch kein Meinungsbild preisgeben, da diese ebenfalls erst noch vor der Parlaments­sitzung über den Umgang mit diesem Brief sprechen wird.

Eindeutiger sieht dagegen die SPD die Situation. „Unserer Meinung nach gehört dieser Brief nicht auf die Tagesordnung der Gemeindevertretung“, sagt deren Fraktionsvorsitzender Rolf Bernshausen. Das sei Sache des Eigenbetriebs, einen dementsprechenden Grundsatzbe­schluss habe das Parlament gefasst. Die Verfasser hätten Gemeindevertreter für ihr Anliegen gewinnen, oder der Gemeindevorstand hätte dieses Thema als Problem auf der Tagesordnung installieren müssen, gibt Bernshausen einen Tipp.

Doch die Verfasser des Briefes, Doris Stamm, Thomas Christ und Ute Müller Enners, kennen sich mit den parlamentarischen Gepflogenheiten nicht aus, und so haben sie einen Brief an die Gemeindevertretung verfasst. Solche Briefe habe sie schon öfter geschrieben, sagt Stamm, und manchmal erhalte sie auch eine Antwort.

Dieses Mal geht es um eine Befürchtung, die auch schon die Bürgerinitiative Holzhausen aufgezeigt hat: Die Höhersetzung der Schallrichtwerte in den Ortschaften rund um den von der Gemeinde Bad Endbach geplanten Windpark Hilsberg - Steinperf, Holzhausen und Bottenhorn. Für die Bergstraße in dem Endbacher Ortsteil soll laut einem Schallgutachten der „döpel wind consult“ der verbindliche Richtwert der TA Lärm von 40 dB(A) auf 42,5 dB(A) heraufgesetzt werden, schreiben die drei Bottenhorner. Sie seien entsetzt. Da der aktuelle Messwert bei 31,7 dB(A) liege, würde dies eine „nicht mehr vertretbare Erhöhung der Lärmbelastung“ bedeuten, weil 6 dB(A) für den Menschen eine Verdopplung des empfundenen Lärms bedeuten.

„Warum müssen sich die Menschen einer Industrieanlage anpassen und nicht umgekehrt?“, fragt Thomas Christ. Dem 52-jährigen Autoschlosser und der gleichaltrigen Bottenhornerin geht es aber nicht nur um ihre unmittelbare Lebensqualität, auch die der Tierwelt in ihrem Naherholungsgebiet Hilsberg sehen sie bedroht. Noch sind sie zu dritt, hoffen auf Verstärkung, registrieren zwar Menschen, die sich interessieren, doch anders als in Holzhausen wage kaum einer sich zu engagieren. Beim Ortstermin auf dem Hilsberg kommt eine Vertreterin der IG Steinperf vorbei. Sie berichtet, dass von ihnen der Steffenberger Bürgermeister Peter Pfingst angeschrieben wurde, damit dieser sich gegen eine Erhöhung der Grenzwerte einsetze.

Diese sei noch längst nicht beschlossen, sagt Ina Velte. Es handle sich in dem Gutachten, das im übrigen noch nicht vollständig sei, um Vorschläge, ergänzt die Sprecherin des Regierungspräsidiums in Gießen.

Die Bewertung dieser Vorschläge treffe das RP. Für Bottenhorn gelte, dass es sich um ein Wohngebiet handelt und dafür gebe die TA Lärm den Grenzwert vor. Es wäre jedoch zu prüfen, ob ein aktuelles Gerichtsurteil auf den Ort übertragbar ist. Für Holzhausen könnte die Situation anders aussehen, da das betroffene Gebiet laut Bebauungsplan ein Wochenendhausgebiet ist. Dort scheint ein Mischwert möglich, so Velte. Aber Messungen müssten unter anderem noch ergeben, wie viel Lärm in der ersten, wie viel in der zweiten Reihe ankommt.Von einem Ergebnis sei man „noch weit entfernt“, sagt Velte.

von Gianfranco Fain