Volltextsuche über das Angebot:

30 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Konjunktur im Handwerk „brummt“

IHK Kassel zieht positive Jahresbilanz Konjunktur im Handwerk „brummt“

Die Handwerkskammer Kassel wartet in der Jahresbilanz ihrer Mitgliedsbetriebe mit einem deut­lichen Umsatzplus von 
4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf – und 
erwartet für dieses Jahr einen weiteren Anstieg.

Voriger Artikel
Vom Produktionshelfer zur Fachkraft
Nächster Artikel
Hebt Lohra 2017 alle Steuersätze an?

Ein Zimmermann sägt ein Brett zurecht: Das heimische Handwerk erwirtschaftete vergangenes Jahr ein sattes Plus und blickt optimistisch auf das laufende Jahr.

Quelle: Alexander Preker

Kassel. Pressesprecher Dr. Matthias Joseph teilte mit, dass die Handwerksbetriebe des Kammerbezirks, zu dem auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf gehört, im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 8,7 Milliarden Euro erwirtschaftet hätten. Dies sei eine Steigerung um 351 Millionen Euro.

Damit habe das Handwerk deutlich die Anfang vergangenen Jahres gestellte Wachstums-Prognose von 2,5 Prozent überschritten. „Für dieses Jahr geht die Handwerkskammer von einer weiteren Umsatzsteigerung aus. Allerdings wird es aufgrund des Fachkräftemangels kaum positive Beschäftigteneffekte im Handwerk geben“, so Joseph.

Die Stimmung in den Betrieben war demnach über das 
gesamte Jahr hinweg ausgezeichnet. Durchschnittlich bezeichneten 86,5 Prozent ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Vor allem das Ausbaugewerbe und das Handwerk für den gewerblichen Bedarf boomten. Auch die weiteren Geschäftsaussichten werden vom Gesamthandwerk optimistisch beurteilt, durchschnittlich 87,5 Prozent zeigten sich hier sehr zuversichtlich. Im Vorjahr waren 
es noch 84 Prozent gewesen. Somit konnte der Geschäfts­klimaindex gegenüber dem Vorjahr von 120,3 Punkten auf ein Rekordniveau von 124,4 Punkten klettern. Der langjährige Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre liegt bei 95,3 Punkten.

Sowohl bei den Auftragseingängen als auch bei den Umsätzen gab es gegenüber 2015 signifikante Steigerungen, mit der Folge, dass die Auftragsreserven 
im Jahresverlauf auf durchschnittlich 6,8 Wochen anstiegen – der Vorjahreswert lag noch bei 6,5 Wochen.

Bei Dienstleistern ist die Unzufriedenheit am größten

Die gute betriebliche Auslastung stieg gegenüber 2015 ebenfalls um einen knappen Prozentpunkt auf 78,2 Prozent. Dabei arbeitete rund jeder vierte Betrieb permanent an der Kapazitätsgrenze: Demnach waren viele Überstunden erforderlich, um alle Aufträge abzuarbeiten. Auch die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent auf 2 862 (die OP berichtete).

In den einzelnen Gewerbe­gruppen zeigt sich indes ein differenziertes Bild. So etwa im persönlichen Dienstleistungsgewerbe, wie den Friseuren: Dort ist der Anteil der Unzufriedenen mit 23 Prozent am höchsten, 59 Prozent sehen ihre Lage als befriedigend, nur 18 Prozent als gut an.

Die Geschäftslage in den 
Lebensmittelhandwerken bleibt gut, auch wenn gegenüber 2015 leichte Abwärtstendenzen erkennbar sind. 89 Prozent bezeichnen die Geschäftslage als gut oder befriedigend – der Wert liegt auf Vorjahresniveau. Aller­dings ist der Anteil der Gut-
Meldungen rückläufig.

Das Kfz-Handwerk liegt deutlich unter dem Durchschnitt des Gesamthandwerks, aber gegenüber 2015 gab es deutliche Aufwärtstendenzen in der Geschäftslagebewertung. Die Pkw-Absätze sind gestiegen und die Werkstätten besser ausgelastet. Immerhin zeigte sich in 2016 allerdings jeder fünfte Betrieb mit der aktuellen Geschäftslage unzufrieden. Insgesamt haben die Betriebe aber wieder bessere Zukunftserwartungen. Das Ausbaugewerbe boomt indes. Weiterer Schub gegenüber dem starken Vorjahr gibt es vor allem dank der weiterhin hohen Nachfrage durch den wachsenden Wohnungsmarkt und Sanierungen im Bestand. Mehr als jeder zweite Betrieb schätzt die Geschäftslage als gut ein. Die Auftragsreserven liegen bei knapp acht Wochen.

Auftragsbücher gut gefüllt

Die Betriebe des Bauhauptgewerbes profitieren unter anderem von der gestiegenen öffentlichen Nachfrage. Allerdings besteht hier noch weiterer Spielraum. Die Auftragsreichweite ist gegenüber 2015 auf 6,7 Wochen gestiegen. Die Betriebsauslastung bleibt hoch, durchschnittlich bei 78,5 Prozent. Betriebe blicken insgesamt sehr zuversichtlich in die Zukunft.

Die industriellen Zulieferer des gewerblichen Bedarfs sind sehr zufrieden, auch wenn es leichte Abschläge gegenüber dem Vorjahr gab. Durchschnittlich 93 Prozent berichten von mindestens zufriedenstellenden Geschäften. Die Auftragsreserven liegen inzwischen bei knapp zehn Wochen. Die weitere Einschätzung durch die gute Industrienachfrage bleibt positiv.

Der Marburger Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher bestätigt die gute Lage: „Auch bei uns sind die Auftragsbücher gut gefüllt, dem Handwerk geht es weiter gut“, sagt er auf Anfrage der OP. Dazu trage beispielsweise auch das niedrige Zinsniveau bei.

„Allerdings ist bei den Menschen derzeit eine 
Unsicherheit zu spüren, was die künftige Politik von Trump in den USA angeht“, so Limbacher. Das könne sich auch auf die heimische Industrie auswirken. „Und wenn es der Industrie schlecht geht, geht es auch dem Handwerk schlecht“, so Limbacher. Auch die Ungewissheit der in diesem Jahr anstehenden Bundestagswahlen werfe bereits einen leichten Schatten voraus.

Limbacher: „Es steht 
alles noch auf Vollgas“

Der Brexit werde indes laut Kreishandwerksmeister „keine 
spürbaren Nachteile für das Handwerk bringen. Die Engländer brauchen uns, wir brauchen die Engländer – da werden sich bestimmt Lösungen finden.“ Derzeit zögen auch die Energiepreise an, was einen weite­ren Dämpfer bedeuten könne, denn: „Das, was die Leute in den Tank schütten, geben sie nicht beim Friseur aus.“

Dennoch ist Limbacher sehr positiv gestimmt, „es steht alles noch auf Vollgas.“ Gestützt wird der positive Trend auch dadurch, „dass wir dieses Jahr zum zweiten Jahr in Folge mehr Auszubildende als im jeweiligen Vorjahr hatten.“

Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen prognostiziert die Handwerkskammer für dieses Jahr ein weiteres Umsatzplus von etwa 2,5 Prozent – das entspräche 217 Millionen Euro. „Bei den Beschäftigten wird es aufgrund des Fachkräftemangels nur geringe positive Effekte geben“, so Pressesprecher Matthias Joseph. Die Kammer erwarte einen Anstieg von lediglich 0,1 Prozent. „Die aktuell vollen Auftragsbücher, die Arbeitsmarktentwicklung und die Einkommenszuwächse in der Region sollten das positive Konsumklima weiterhin unterstützen“, teilte Joseph mit.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr