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Hinterland Hundekot-Idee liegt nun auf Eis
Landkreis Hinterland Hundekot-Idee liegt nun auf Eis
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00:16 21.08.2018
Mit allerlei Hinweisen versuchen Eigentümer, Hundekot von ihren Grundstücken fernzuhalten. In Lohra hat allein die Aussicht auf eine Ahndung per DNA-Datei zu einer erhöhten Sammelbereitschaft der Hundehalter geführt.  Quelle: Florian Gärtner
Lohra

„Eigentlich wollte ich nichts mehr dazu sagen.“ Werner Waßmuth ergriff am Donnerstagabend (16. August) dennoch das Wort, als es während der Gemeindevertretersitzung erneut um die DNA-Datenbank für Hunde ging. Dies, weil sich die Annahme des CDU-Fraktionschefs als Trugschluss erwies. Das Thema war nach den Diskussionen in den Ausschüssen doch nicht erledigt.

Im Haupt- und Finanzausschuss gab es zum Beispiel eine 35 Minuten währende Debatte, ob die Gemeindevertreter der Empfehlung des Vorstands folgen sollen und somit von einer Einführung der sogenannten Hundekot-Datei absehen oder, wie es Waßmuth vehement vertrat, „der Druck auf die Hundehalter“ aufrechterhalten wird, indem nur „vorerst“ auf die ­Umsetzung verzichtet wird (OP berichtete). Schon da hielten die SPD-Vertreter dagegen, stimmten erst gegen den CDU-Änderungsantrag, um dann den geänderten Antrag doch mehrheitlich zu bejahen.

Weitere Beschlüsse

Die Lohraer Gemeindevertreter beschlossen am Donnerstagabend einstimmig:

  • Auf Vorschlag des Gemeindevorstands eine Machbarkeitsstudie zur vertieften interkommunalen Zusammenarbeit mit den Gemeinden Fronhausen und Weimar in Auftrag zu geben, wenn die Partnergemeinden ebenfalls zustimmen.
  • Vom Gemeindevorstand eine Prioritätenliste für Investitionen erstellen zu lassen, um Geld aus dem Kommunalen Entwicklungsfonds des Landkreises beantragen zu können.

Mehrheitlich beschloss die ­Gemeindevertretung:

  • Von der Einführung einer DNA-Datenbank für Hunde vorerst abzusehen.
  • Die Möglichkeit, Wohnmobilstellplätze am Waldschwimmbad Kirchvers und anderen Orten in der Gemeinde zu errichten, prüfen zu lassen.
  • Den Waldkindergarten „Laubfrösche“ Kirchvers einmalig mit 20 000 Euro zu unterstützen.

Vor den Gemeindevertretern ergriff dann Sozialdemokrat Markus Hemberger das Wort. Der Hundehalter äußerte, sich über den Vorschlag des Gemeindevorstands zu freuen, weil die rechtlichen Risiken und die Kosten einer Hunde-Datenbank zu groß seien – 22 500 Euro für die Einrichtung, 10 600 Euro für die jährliche Pflege der Datei.

Lohra brauche das Geld für Spielplätze und Buswartehäuschen und wenn man „mit aller Härte“ gegen Hundehalter vorgehen wolle, warum dann nicht auch gegen Kaugummispucker, Kippenwegwerfer oder Pferde­besitzer? Hemberger sprach auch von einem regelrechten Hass, der Hundebesitzern entgegenschlägt und plädierte dafür, die DNA-Datei für Hunde nicht aufs Warte-, sondern aufs Abstellgleis zu schieben.

Man habe „eine Front zwischen Hundebesitzern und anderen Menschen aufgemacht“, meinte auch Karl Klefenz. Der Sprecher der Grünen-Fraktion­ bekannte aber auch, sich an dem Wort „vorerst“ nicht zu stören und forderte, die fatale Diskussion nicht mehr weiterzuführen.

Zuvor argumentierte Waßmuth für den geänderten Antrag. Seitdem Lohra mit seinem Prüfvorhaben ein bundesweites Echo auslöste, habe sich die Sammelquote der Hundehalter sehr gebessert. Das sei an sich schon ein Erfolg, dennoch ­gebe es immer noch unverbesserliche Hundebesitzer, die die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht ordnungsgemäß entsorgen. Wie im Hauptausschuss schilderte Waßmuth einen Fund, den er kürzlich auf dem Friedhof machte.

Weitere Spendenboxen für Beutel werden aufgestellt

Deshalb solle der Druck auf die Hundehalter durch den vorläufigen Verzicht auf eine DNA-Datei aufrechterhalten werden, da der Antrag dann jederzeit wieder aufgenommen werden kann. Zudem könne in der Zwischenzeit beobachtet werden, wie sich das Aufstellen von weiteren Beutelspendern und Sammelbehältern auswirkt.

Auch Harald Rink von der BfB, die mit CDU und SPD den Prüfantrag initiierten, sprach sich für die Vorläufigkeit aus, unter­ anderem, weil der Hessische Städte- und Gemeindebund mit seinen rechtlichen Bewertungen „manchmal erheblich daneben liegt“. Die Abstimmung ging mit 15 Ja- gegen 10 Neinstimmen für den Änderungsantrag aus.

Zuvor berichtete die Erste ­Beigeordnete Rosemarie Wolny­ über die Standorte der „Doggy-Stationen“. Insgesamt gibt es nun 13 Spendenboxen und 12 Sammelbehälter in den Orten der Gemeinde. Die verteilen sich auf Lohra 5/4, Damm 1/1, Altenvers und Kirchvers je 2 sowie Weipoltshausen je 3. Weitere Spenderboxen und Sammelbehälter sind für Rollshausen (4), Reimershausen (3) sowie Altenvers und Kirchvers bestellt und sollen bis September aufgestellt sein. Ein Set aus Spendenbox, Sammelbehälter, Befestigungsmaterial und Tüten-Ausstattung kosten rund 215 Euro.

Bereits kurze Zeit nachdem der Prüfantrag für die DNA-Hundedatei bundesweit für Aufsehen sorgte, stieg das Volumen des gesammelten Hundekots explosionsartig an. Seitdem entsorgen Lohras Bauhofmitarbeiter jede Woche eine 240-Liter-Tonne.

von Gianfranco Fain

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