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Marburger Innovation geht in die ganze Welt

Hüftköpfe Made in Marburg Marburger Innovation geht in die ganze Welt

Hüftköpfe „made in Marburg“ sind das Geschäft des Unternehmens Telos. Die Köpfe sind nicht aus künstlichem Material gefertigt, sondern stammen ausschließlich von Lebendspendern.

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Vor der thermischen Desinfektion wird der Hüftkopf in einer Reinraum-Umgebung begutachtet und vermessen.

Quelle: Andy Alexander / Telos

Marburg. Im Jahr 1975 gründete Olaf Tulaszewski das Unternehmen. „Er hatte einen Operationstisch entwickelt, der ­eine Extension und Reposition nach Frakturen der langen Röhrenknochen ermöglichte“, sagt ­Alexa Tulaszewski. Die 32-Jährige ist gemeinsam mit ihrem 30 Jahre alten Bruder Cayus vor einigen Jahren ins Unternehmen eingestiegen. Das hatte zwischenzeitlich weitere medizintechnische Geräte entwickelt und vertrieben, die in der Orthopädie und Unfallchirurgie eingesetzt werden.

1993 kam es dann zur Entwicklung des „Marburger Knochenbank-Systems“, das in Zusammenarbeit mit Ärzten des Uni-Klinikums entstand. „Mit diesem System werden menschliche Hüftköpfe – Femur­köpfe – thermisch desinfiziert“, erläutert Tulaszewski. Das System komme in Krankenhäusern, sogenannten „lokalen Knochenbanken“ zur Anwendung, aber auch in Marburg am neuen Telos-Standort in der Johann-Konrad-Schäfer-Straße.

Zuvor hatte Telos die Köpfe­ jahrelang von der Berliner Charité prozessieren lassen. Mit dem Knochenbank-System seien bereits mehr als 220 000 Femurköpfe hergestellt worden.
Durch die thermische Behandlung werden die Köpfe „desinfiziert“, „sie werden befreit von jeglichen potenziellen Krankheitserregern wie Viren oder Bakterien“, sagt die 32-Jährige.
Ihr Bruder fügt hinzu, dass es bei gut 15 Prozent aller Operationen am Skelettsystem die Notwendigkeit zum Knochenersatz gibt. Allerdings sei synthetisches Material immer ein Fremdkörper. Hier kommen die Femur­köpfe von Telos ins Spiel: Durch die Thermodesinfektion kommt es zu keinen Abstoßungsreaktionen, die Köpfe können bei Operationen eingesetzt werden.

Zum Desinfizieren kommt keine Chemie zum Einsatz

Cayus Tulaszewski erläutert, dass Telos allerdings einen besonderen Weg gehe, an die Hüftköpfe zur Herstellung von ganzen und halben Femurköpfen, Granulat, Würfeln und Blöcken zu gelangen. „Wir greifen nicht auf postmortale Spender – also auf Leichen – zurück, sondern entnehmen Überschussgewebe von ­lebendigen Spendern.“ Das bedeutet: Wenn ein Mensch eine künstliche Hüfte­ bekommt, kann er den Hüftknochen, der ihm entnommen wird, spenden. „Die Knochen sind nämlich in der Regel in Ordnung, letztlich ist es bei einer Hüft-OP der Knorpel, der sich abgenutzt hat“, weiß er.

Das Telos-System setzt dabei weder auf Gamma-Sterilisation oder chemische Aufbereitung, um den Knochen zu bearbeiten und zu desinfizieren, „unsere Methode ist wesentlich schonender“, sagt Cayus Tulaszewski. Telos hat zur Gewinnung der Femurköpfe mit Dutzenden Krankenhäusern ein Spendersystem aufgebaut, „jeder Patient wird vorher eingehend informiert und muss der Spende zustimmen“.

Transplantate durch Gefrierkonservierung zwei Jahre lang haltbar

Wenn der entnommene Fe­murkopf bei Telos ankommt, wird er in Reinraumumgebung begutachtet, ausgemessen und kontrolliert. Danach kommt er in ein spezielles Polycarbonat-Gefäß mit einem Zweikammersystem, in welches Ringerlösung – also steriles Wasser – eingefüllt wird. Die Gefäße werden von einem auf Reinraumtechnik spezialisierten Unternehmen in Biedenkopf gefertigt.

Danach kommt der Behälter in das Knochenbank-System – nach 94 Minuten ist der Kopf desinfiziert. „Er verbleibt aber im Gefäß, der Desinfektions-Container wird nicht mehr geöffnet“, sagt Alexa Tulaszewski. Nach der Desinfektion wird der Femurkopf 14 Tage lang auf eine bakterielle Kontamination getestet, „erst, wenn die Probe negativ ist, gibt es eine Freigabe“, erläutert sie. Danach werden die Köpfe tiefgekühlt bei mindestens minus 20 Grad gelagert und dann auf Bestellung in speziellen Thermoboxen versendet. „Durch die Gefrierkonservierung ist das Transplantat zwei Jahre lang lagerbar“, sagt Alexa Tulaszewski.

von Andreas Schmidt

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