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Hinterland Fünf Ärzte für zwei Hinterland-Praxen
Landkreis Hinterland Fünf Ärzte für zwei Hinterland-Praxen
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00:17 04.07.2018
Das neue Ärzteteam für ­Holzhausen und Wallau „tickt“ medizinisch im Gleichtakt (von links): Caspar Friedrich Sieveking, Maurice Müller, Martin Bohe, Daniel Sieveking und Carmen Gonzalez-Aguilar. Quelle: Gianfranco Fain
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Holzhausen

Sie haben sich gesucht und gefunden. „Richtig glücklich“ darüber ist Dr. Martin Bohe. Der Allgemein- und Palliativmediziner kündigte im April des vergangenen Jahres an, seine Praxis in Holzhausen abgeben zu wollen oder, wenn sich kein Nachfolger fände, diese zur Jahresmitte 2018 zu schließen. „Allein hätte ich das nicht mehr geschafft“, nennt der 60-Jährige seine Motivation, die Karriere zu beenden.

Die Ankündigung ­schockte die Patienten und löste unter den Kommunalpolitikern Aktivitäten aus, kündigte doch zugleich auch Dr. Joachim Ziegler an, seine Praxis in Dautphe zum 30. Juni 2018 zu schließen. Ein OP-Bericht über einen jungen Arzt, der kurz zuvor eine Praxis in Wallau übernommen ­hatte, brachte Bohe mit Allgemein­mediziner Dr. Daniel Sieveking zusammen.

Das Konzept einer "überörtlichen Gemeinschaftspraxis"

Für beide steht das Patientenwohl an vorderster Stelle und so entstand ein Plan, der jetzt endgültig umgesetzt ist. Sieveking übernahm Bohes Praxis, der ­allerdings seinen Arztsitz nicht abgibt, sondern weiter praktiziert. Ermöglicht wird dies dadurch, dass Sieveking zwei Ärzte anstellt. Weil auch noch Sieve­kings Vater in Wallau Innere Medizin praktiziert, steht nun ein Team von fünf Ärzten für die medizinische Versorgung der Patienten in den Holzhäuser und Wallauer Praxen bereit.

Die beiden neuen Ärzte fürs Hinterland sind die Internisten Carmen Gonzalez-Aguilar und Maurice Müller. Das Konzept der „überörtlichen Gemeinschaftspraxis“ sieht vor, dass der 38-jährige Daniel und Caspar Friedrich Sieveking sowie Müller in Wallau praktizieren, während Bohe und Gonzalez-Aguilar in Holzhausen tätig sind. In der dortigen Praxis wird sich zudem Daniel Sieveking am Mittwoch- und Freitagvormittag um Patienten kümmern.

Man sei aber flexibel, berichtet Bohe, der kürzlich auch in Wallau einen Patienten behandelte. Unterstützt wird dieses Konzept durch ein gemeinsames Computernetzwerk, das den Ärzten ermöglicht, auf alle Patientendaten zuzugreifen. So können diese bei Bedarf in jeder der beiden Arztpraxen vorstellig werden. Aber nicht nur das zählt für die fünf Mediziner. „Unsere Praxen, die Arbeit gewinnt eindeutig an Qualität“, sagt Bohe begeistert. „Die Kollegen bringen ihre Stärken aus ihren Spezialgebieten mit und so können wir ein viel größeres Spektrum abdecken.“ „Ich bekomme jetzt von den Kollegen Patienten zur Psychotherapie“, berichtet der 69-jährige Caspar Friedrich Sieveking.

Selbst die Patienten hätten ­ihre Zufriedenheit geäußert, unterstreicht Daniel Sieveking die ­gute Stimmung unter allen Beteiligten. Die hatten jetzt drei Monate Zeit, sich kennenzu­lernen, seitdem das von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen geförderte Projekt läuft. Zuvor investierte Daniel Sieveking etliche Zeit in Planung und Realisierung des Projektes und auch dazu, die neuen Kollegen vom Verlassen ihrer Stellen an Krankenhäusern zu überzeugen.

Aus der Klinik in die Praxis: Mehr Zeit für die Patienten

Maurice Müller war zum Beispiel als Assistenz-Arzt in einer Klink tätig. Zwar liebäugelte der 33-Jährige „schon immer“ mit einer Praxistätigkeit, doch es habe einige Zeit gedauert, „bis die Entscheidung gereift ist“.

Für die ambulante Arbeit spricht aus seiner Sicht, dass sie nachhaltiger ist. „Es baut sich eine lange Beziehung mit den Patienten auf. Man lernt sie mit all ihren Facetten kennen und kann so auch individuelle Behandlungsansätze finden“, meint der aus dem Freiburger Raum stammende und jetzt in Marburg wohnende Internist.

Von viel weiter weg, nämlich aus Argentinien, stammt Carmen Gonzalez-Aguilar. Auch die 56-jährige Internistin arbeitete zuvor in einem Krankenhaus und bedauerte, dass man dort kaum Zeit für die Patienten habe. Allerdings schätzte sie dort das Arbeiten im Team.

Weil ihr das weiterhin wichtig ist und weil sie nie Praxisin­haberin werden wollte, war die Konstellation im Team und das Konzept entscheidend für ihren Entschluss, in Holzhausen zu arbeiten.

Eine Konstellation, die Martin Bohe „total glücklich macht“. Er weiß nicht nur seine Patienten versorgt, sondern kann sogar noch selbst mitarbeiten. Zusätzlicher positiver Effekt: Weil jetzt fünf Ärzte tätig sind, wo früher zwei wirkten, können sogar Patienten der Praxis Ziegler aufgenommen werden. Für die Dautpher Praxis hat sich nämlich kein Nachfolger gefunden.

von Gianfranco Fain

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