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Hitze weicht die Kleiderordnung auf

Wirtschaft Hitze weicht die Kleiderordnung auf

Hitzefrei! Während Schüler jeden Morgen hoffen dürfen, müssen Arbeitnehmer ihre Stunden abschwitzen. Oder etwa nicht? Wir haben bei den heimischen Unternehmen nachgefragt: Wie sorgen sie für Abkühlung?

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Hitzepause bei der Firma Schneider in Fronhausen. Philipp Puplat, Kerstin Schmidt, Christina Nieth (vorne v.l.), Daniela Theis und Tobias Schneider sitzen am Firmenpool, um sich abzukühlen. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Anzug aus, Badehose an und ab in den Pool. Für Mitarbeiter der Firma Optik Schneider in Fronhausen ist das nicht nur in der Freizeit, sondern auch während der Arbeitszeit möglich. Denn das Unternehmen verfügt über einen eigenen Pool. „Eigentlich wurde das Wasserbecken für die Brandschutzbekämpfung gebaut,“ so Tobias Schneider, Marketingleiter. Eigentlich. Voll gechlort und in echter Schwimmbecken-Optik ist der Pool mittlerweile jedoch auch zum Abkühlen freigegeben. „Manch einer hat schon die Füße reingehalten. Aber geschwommen ist hier noch niemand“, erklärt Schneider. „Vielleicht gibt es da gewisse Hemmnisse. Wir haben das noch nicht so offen kommuniziert“, gesteht der Marketingleiter ein. Bei den anhaltend warmen Temperaturen sei es für Schneider aber durchaus denkbar, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Ohnehin hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, den Mitarbeitern angenehme Arbeitsbedingungen zu garantieren. „Wir wollen positive Lebensräume erschaffen. Immerhin verbringt man hier viel Zeit.“

Wasserspender auf den Fluren, ein voll klimatisiertes Gebäude und flexible Arbeitszeiten gehören zu dem Sommer-Wohlfühl-Konzept dazu. „Es hat sich sehr vieles auf die sehr frühen Morgenstunden verlagert. Mancher Mitarbeiter kommt schon um fünf Uhr morgens, macht dafür aber den Nachmittag frei“, so Schneider weiter.

Gesetzgeber spricht nur Empfehlungen aus

„Vorbildlich“ würde Jürgen Bandte, Fachanwalt für Arbeitsrecht, diese Maßnahmen nennen. Er weiß: Wird es im Sommer zu heiß, hat auch der Arbeitgeber gewisse Verpflichtungen. „Es gibt eine Arbeitsstättenverordnung und ein Arbeitsschutzgesetz, die das regeln. Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass seine Arbeitnehmer an einem sicheren Arbeitsplatz beschäftigt sind.“ Und dazu gehört auch, gesundheitliche Risiken auszuschließen. Aber Bandte räumt ein: „Es gibt eigentlich keinen zu heißen Arbeitsplatz. Es gibt aber die Pflicht, die Arbeitsstätte so gesundheitsschonend wie möglich zu errichten.“ Viel Definitions-Spielraum für ein heißes Problem. Die Empfehlungen sind klarer formuliert: Bekleidungsordnung lockern, wenn möglich, flexible Arbeitszeitmodelle einführen und schon im Vorfeld Maßnahmen ergreifen, damit sich die Räumlichkeiten nicht zu sehr aufheizen.

Hitzefrei gibt es auch für die Mitarbeiter der Stadt Marburg nicht. Dafür aber eine Lockerung der nachmittäglichen Kernarbeitszeit, wie Edith Pfingst, Mitarbeiterin der Pressestelle mitteilt. „Die Mitarbeiter können früher anfangen oder in Absprache mit den Kollegen eher nach Hause gehen. Aber die Zeit, die nicht gearbeitet wurde, muss nachgeholt werden.“ Pfingst betont: „Die Aufhebung der Kernarbeitszeit nur in den Arbeitsbereichen möglich, die keine ständige Erreichbarkeit der Mitarbeiter voraussetzen.

Im Produktionsbetrieb ist es angenehm kühl

In KiTas oder in allen Bereichen, die den Bürgerservice betreffen, wird es keine Arbeitseinschränkungen geben.“

Mitarbeiter von CSL Behring können sich dieser Tage glücklich schätzen, wenn sie in der Produktion arbeiten. „Unsere Produktionsbereiche müssen voll klimatisiert sein. Da ist es recht angenehm“, berichtet Hans Herberg, Senior-Manager-Communication. Er selbst sitzt in seinem Büro vor einem Ventilator, lässt sich die warme Luft ins Gesicht wirbeln. „Der läuft auf Hochtouren“; gesteht er. Wird es Herberg selbst zu warm, kann auch er die flexiblen Arbeitszeitmodelle nutzen. „Die Mitarbeiter haben, wenn es ihr Aufgabenfeld zulässt, die Möglichkeit, früher anzufangen“, so Herberger.

Ein paar Kilometer weiter, in Fronhausen, sitzt Tobias Schneider in seinem Büro. Voll klimatisiert. Die Wärme hat hier keinen Zutritt. Falls die Mitarbeiter von Optik Schneider trotz aller Wärme-Gegenmaßnahmen trotzdem ins Schwitzen kommen, hat er noch einen Tipp: „Ich weiß, dass in der Cafeteria die Eistruhen gefüllt sind.“

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