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Hinterland Hitze und Käfer setzen Bäumen zu
Landkreis Hinterland Hitze und Käfer setzen Bäumen zu
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00:19 30.09.2018
Borkenkäfer haben laut Biedenkopfs Forstamtsleiter den Bäumen in der Region geschadet. Quelle: Matthias Hiekel/dpa / Archiv
Biedenkopf

Der Wald wurde­ in diesem Jahr arg gebeutelt. Trotzdem rechnet Forstamtsleiter Dr. Lars Wagner noch mit ­einem Gewinn für die Stadt von rund 61.000 Euro. Das sind 40.000 bis 50.000 Euro weniger, als in einem normalen Jahr, sagte Wagner, als er den Forstwirtschaftsplan im Biedenkopfer Haupt- und Finanzausschuss vorstellte. Grund für das Ergebnis sei das Extremjahr 2018.

Den Anfang machte im Januar der Sturm Friederike. Weitere Stürme folgten – bis ins späte Frühjahr. Die Stürme haben zwar keine riesigen Waldflächen verwüstet, aber laut Wagner ­eine Menge Einzel- und Nesterwürfe hinterlassen. Diese vielen kleinen Würfe aufzuarbeiten, habe viel Zeit und Geld gekostet.

Nadelholz besonders betroffen

Als nächste Belastung für den Wald kamen dann noch Hitze­ und Trockenheit hinzu. Im Forstamt Biedenkopf war und ist das Problem besonders spürbar, sagte Wagner. Denn es gibt viele Waldstandorte, die aufgrund der Bodenbeschaffenheit nur wenig Wasser speichern können. Die Laubbäume haben deshalb in diesem Jahr frühzeitig ihre Blätter verfärbt und abgeworfen, erklärte Wagner und geht davon aus, dass die meisten Laubbäume 2019 wieder austreiben. Aber: „Dramatisch für das Laubholz wird es bei mehreren solcher Sommer in Folge“, betonte der Forstamtsleiter.

Beim Nadelholz habe die ­Trockenheit erhebliche Schäden angerichtet: Fichten sind zum Teil aufgrund des Wassermangels abgestorben. Andere­ Nadelbäume sind zumindest stark geschwächt, so dass sie Schädlingen kaum noch etwas entgegenzusetzen haben. Wie groß die Ausfälle bei den verschiedenen Baumarten tatsächlich sein werden, ist laut Wagner indes noch gar nicht abschätzbar. Erst die nächsten Jahre würden das Gesamtausmaß der Schäden zeigen.

Folgen von Diplodia schwächer als befürchtet

Das gilt auch für die Schäden, die der Borkenkäfer hinterlässt. Der Buchdrucker und der Kupferstecher konnten sich in diesem Jahr unter idealen ­Bedingungen entwickeln. „Es ist zu befürchten, dass es in diesem Jahr drei Generationen geben wird“, erklärte Wagner.

Die treffen auf extrem geschwächte Fichten, die ihre natürliche Schutzfunktion – das Ausharzen der Käfer – nicht aktivieren können. Weil der Harzfluss fehlt, können auch die Förster befallene­ Bäume kaum frühzeitig erkennen. Erst wenn die Fichte rot geworden ist, wird das Problem deutlich. Dann ist es laut Wagner aber schon zu spät: Die Käfer sind schon ausgeflogen und der Einschlag hält die Tiere nicht mehr auf.
Weniger dramatisch hat sich die Pilzerkrankung Diplodia, die zum Triebsterben bei Kiefern führt, im laufenden Jahr ausgebreitet. Der Befall ist aber nach wie vor vorhanden, die langfristige Entwicklung laut Wagner kaum absehbar.

Einschlagverbot für Fichte und Kiefer

Die Entwicklung in den Wäldern hat erhebliche Folgen für den Holzmarkt, berichtete Wagner. Durch den hohen Schadholzanfall bei der Fichte ist deren Preis deutlich gesunken. Bei den sturmstabileren Douglasien, Kiefern und Lärchen hingegen sind auch die Holzpreise stabiler. Positiv entwickeln sich die Preise für Buche und Eiche.

Auf die Entwicklungen im Wald und am Holzmarkt hat das Forstamt laut Wagner reagiert. Bei der Wiederbewaldung setzt es auf Mischbestände und klimarobuste Baumarten – wobei die Herbstpflanzungen 2018 aufgrund der Trockenheit ausfallen wird. Auch beim Holzeinschlag gibt es infolge der Witterung schon im laufenden Jahr Konsequenzen. Für Fichte und Kiefer gibt es seit Anfang 2018 ein Einschlagverbot. Verstärkt geschlagen werden hingegen Douglasie, Buche und Eiche.

Ausschuss und Parlament einig

Insgesamt – für alle Baumarten gerechnet – plant das Forstamt im Stadtwald für 2019 einen Holzeinschlag von gut 18.000 Festmetern. Laut Forstamtsleiter Wagner entspricht das 97 Prozent des ausgeglichenen Hiebsatzes. Das Forstamt wirtschafte somit nachhaltig, sagte­ Wagner. Einbringen soll der Holzverkauf 2019 Einnahmen von rund 855.000 Euro. Hinzu kommen kleinere Erlöse in anderen Bereichen. Insgesamt rechnet das Forstamt mit Einnahmen von 936.000 Euro.

Demgegenüber stehen Ausgaben von 875.000 Euro. Große Positionen sind Aufwendungen für Holzernte (323.000 Euro) und Wegeunterhaltung (103.000 Euro). An Beförsterungs- und Personalkosten plant die Stadt 197.000 Euro ein. Für die Verkehrssicherung sind 48.000 Euro vorgesehen, da der Biedenkopfer Stadtwald vielerorts an bebaute Bereiche grenzt. Für die Waldverjüngung werden 29.000 Euro fällig. Unter dem Strich bleibt ein Überschuss von rund 61.000 Euro.

Biedenkopfs Haupt- und Finanzausschuss sowie Parlament befürworteten den Forstwirtschaftsplan 2019 einstimmig.

von Susan Abbe

Hintergrund

Douglasie, Buche und Eiche: Dieser Trend setzt sich im Biedenkopfer Forstwirtschaftsplan 2019 fort: Der geplante­ Holzeinschlag im Stadtwald beträgt bei der Fichte mit 6375 Festmetern mehr als 1000 Festmeter weniger als der ausgeglichene Hiebsatz – dem Richtwert für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Bei der Fichte beträgt der Holzeinschlag 1415 Festmetern, 300 weniger als der ausgeglichene Hiebsatz. Bei der Buche sind 9852 Festmetern geplant, das sind 592 Festmeter mehr als im ausgeglichenen Hiebsatz, und der liegt auch bei der Eiche mit 775 Festmetern oberhalb davon.

Insgesamt plant das Forstamt im Stadtwald einen Holzeinschlag von gut 18.000 Festmetern. Bringen soll der Holzverkauf rund 855.000 Euro. Für die Holzvermarktung braucht die Stadt Biedenkopf allerdings ab Oktober 2019 einen neuen Partner. Grund ist das Kartellrecht: Hessen Forst darf den Biedenkopfer Stadtwald dann zwar noch beförstern, aber nicht gleichzeitig das Holz vermarkten.

Diese Problematik erläuterte der Leiter des Forstamtes Biedenkopf, Dr. Lars Wagner, im Biedenkopfer Haupt- und Finanzausschuss. Wegen des Kartellrechts darf es künftig für Kommunal- und Privatwaldbetriebe, die Flächen von mehr als 100 Hektar bewirtschaften, keine Holzvermarktung durch die Forstämter mehr geben.

Ab Oktober 2019 müssen diese Waldbesitzer für den Holzverkauf neue Wege finden. Sie können ihr Holz selbst vermarkten oder mit anderen Waldbesitzern Holzvermarktungsorganisationen gründen.

Mit mehr als 3000 Hektar Wald ist Biedenkopf die größte von sieben Kommunen mit Flächen von mehr als 100 Hektar. Laut Forstamtsleiter­ Wagner zeichnet sich eine „praktikable Lösung“ ab.