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Hinterland Hilfe, wenn es bei der Ausbildung hakt
Landkreis Hinterland Hilfe, wenn es bei der Ausbildung hakt
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19:32 24.04.2017
Jerome Fricke (links) und Marcel Löchel absolvieren eine „Assistierte Ausbildung“ zum Tiefbaufacharbeiter bei der Firma Wolf Tiefbau in Albshausen. Quelle: Andreas Schmidt
Albshausen

Langsam wird es ernst für Jerome Fricke und Marcel Löchel: Die beiden 20-Jährigen bereiten sich mit Hochdruck auf ihre Prüfungen vor. Am 13. Juni steht die Theorie auf dem Plan, „im Juli folgt dann die praktische Prüfung“, sagt Fricke. Beide sind optimistisch gestimmt, dass sie ihre Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter, die sie derzeit bei der Firma Wolf Tiefbau in Albshausen absolvieren, dann erfolgreich abschließen werden.

Doch: Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht. Denn beiden fiel vor allem die Berufsschule zeitweise schwer. Doch nun profitieren die Auszubildenden vom Projekt „Assistierte Ausbildung“ (AsA) der Agentur für Arbeit – es soll die Azubis über die gesamte Ausbildungsdauer stabilisieren und ihnen individuell Hilfe anbieten. Angesiedelt ist das Projekt beim „Mittelhessischen Bildungsverband“ – einem gemeinnützigen Verein, der die Zusammenarbeit der verschiedenen Träger im Bereich der Förderung Benachteiligter im Raum Mittelhessen vertieft.

Begleitung in Abstimmung mit Betrieb

Nina Becker vom Verein erläutert, dass eine „AsA“ normalerweise in zwei Phasen abläuft: Die erste Phase dient der Ausbildungsvorbereitung. Ob berufsvorbereitender Unterricht, Praktika, Bewerbungstraining oder die individuelle Hilfe bei der Ausbildungsstellensuche – „wir unterstützen sowohl die angehenden Auszubildenden als auch die Betriebe“, sagt Becker. Denn man nehme beiden Seiten auch Formalitäten vor und bei Ausbildungsbeginn ab. Auch gehe man schon direkt darauf ein, welche Forderungen in der Berufsschule auf die Azubis zukämen. „So sind viele angehende Friseure zum Beispiel überrascht, wie viel Chemie auf sie zukommt“, weiß Becker.

Die erste Phase haben die Wolf-Azubis jedoch übersprungen. Denn Jerome Fricke wohnt in Albshausen und hat von sich aus ein Praktikum in dem Betrieb absolviert. Und Marcel Löchel kam ebenfalls von alleine zu Wolf: „Mein Großvater hat hier lange Jahre als Baggerfahrer gearbeitet“, sagt er.
Individualisierte Hilfe 
als Schlüssel zum Erfolg

Die beiden stiegen also in Phase 2 ein. In dieser werden sie bis zum Ablegen der Abschlussprüfung individuell begleitet – meist drei Stunden pro Woche, aber auch während zusätzlicher Workshops. Es finden regelmäßige Gespräche mit den Azubis, Ausbildern und Lehrern statt, um zu sehen, wo es „hakt“ und wo die jungen Leute noch Nachholbedarf haben. Stütz- und Förderunterricht gehören ebenso dazu, wie die Prüfungsvorbereitung und eine ­sozialpädagogische Begleitung für die Auszubildenden in enger Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb sowie allen an der Ausbildung beteiligten Stellen. Sämtliche Kosten trägt die Arbeitsagentur.

Firmenchefin: Das ist für alle Beteiligten ein Gewinn

Für Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Marburger Arbeitsagentur, ist „AsA“ ein guter Schlüssel zum Ausbildungserfolg, da individualisierte Hilfe geboten wird. „Uns liegt daran, auch für Jugendliche mit gewissen Schwierigkeiten Wege zu finden, wie sie ihre Kompetenzen entwickeln und einen sicheren Stand im Arbeitsleben finden. Und Qualifizierung ist das beste Mittel, um auszuloten, was alles an Leistung erbracht werden kann“, betont er. Das Programm könne auch für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive in Anspruch genommen werden.

Irmgard Grebing, Geschäftsführerin der Wolf Tiefbau GmbH & Co. KG in Albshausen, ist vom Engagement ihrer beiden Azubis begeistert. „Man darf eins nichts vergessen: Alles absolvieren sie zusätzlich in ihrer Freizeit, wenn andere im Kino oder auf dem Fußballplatz sind.“

Nach einem individuellen Förderplan erfolgten sowohl der Stütz- und Förderunterricht als auch die sozialpädagogische Begleitung. „Meine Erfahrungen mit diesem ganzheitlichen Projekt sind sehr positiv. Hier arbeiten die Ausbilder in Betrieb und Ausbildungszentrum, die Berufsschullehrer und die pädagogischen Mitarbeiter zielorientiert erfolgreich zusammen“, sagt die Geschäftsführerin.

Diese Zusammenarbeit erfolge häufig „auf dem kleinen Dienstweg“, zudem habe sie bei Fragen oder Vorkommnissen umgehend einen weiteren Ansprechpartner für akute Fragen. „Somit ist eine umgehende Reaktion auf Aktualitäten gewährleistet und für alle Beteiligten ein Gewinn“, so Grebing. Den Erfahrungsaustausch mit dem Bildungsverband wolle sie nicht missen, denn „die offenen Gespräche über alle Facetten der Ausbildung und des Auszubildenden haben mir weitere Hilfestellung in der Ausbildung der schwächeren Azubis gegeben“. Sie könne alle Ausbildungsbetriebe nur ermuntern, von dem Angebot Gebrauch zu machen.

von Andreas Schmidt