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Herzhäuser befragen Experten

Windkraftpotenziale Herzhäuser befragen Experten

Die Bürgerinformation der Interessengemeinschaft „Franzosendrusch“ verlief laut Beobachtern vorwiegend in einer sachlichen Atmosphäre.

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Als Schatten ist Charly Mutschler zu sehen. Der Tontechniker informierte am Mittwochabend im Dorfgemeinschaftshaus Herzhausen über die Auswirkungen von Schall.

Quelle: Michael Hoffsteter

Herzhausen. Unter dem Slogan „Bürger informieren Bürger“ fand am Mittwochabend eine Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft (IG) „Franzosendrusch“ über die Windkraftpläne rund um Herzhausen statt. Im Dorfgemeinschaftshaus begrüßte Siegfried Ortmüller von der IG unter den nach Veranstalterangaben rund 170 Bürgern besonders die Referenten Karlheinz Mutschler, Dr. Holger Repp und Wulf Hahn. Mutschler sprach das Thema „Schall“ allgemein, Dr. Holger Repp den Infraschall und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken und Wulf Hahn den Naturschutz an.

Das Schlussfazit der IG lautete: Packen wir es zusammen an für den Erhalt unserer Landschaft und Heimat zu kämpfen. Denn es geht nur gemeinsam. Zuvor hatten Mitglieder der IG ihre in Eigenrecherche ermittelten Informationen gegen die Errichtung von Windkraftanlagen auf Höhenzügen vorgetragen. So berichteten Dennis Bastian und Toni Koch zu Beginn der Veranstaltung, dass Off-Shore-Anlagen gegenüber den herkömmlichen Windkraftanlagen eine bis zu 35 Prozent höhere Energieerzeugung leisten, da auf See ein konstant höherer Winddruck herrsche.

Beide monieren, dass durch den Bau von Windkraftanlagen, wie dies vermutlich auf den Anhöhen um Herzhausen geschehen solle, das Landschaftsbild zerstört werde und vertreten die Meinung, dass der Abstand eines Windrades zu der nächsten Wohnbebauung deutlich mehr als 1 000 Meter betragen müsste.

Tontechniker Karlheinz Mutschler (Foto) ging in seinem Vortrag der Frage nach, wie hoch die Lärmbelästigung durch die Windkraftanlagen für die Bürger in Herzhausen sein könnte. Er betonte dabei, dass es bei den Windenergieanlagen, die zum Beispiel auch auf dem „Hilsberg“ entstehen sollen, um Prototypen handele, die laut Hersteller direkt an der Anlage 106 Dezibel erreichen. Bei mehreren solchen Anlagen nebeneinander, zum Beispiel zehn, würde sich das Gesamtaufkommen des Schalls um etwa zehn Dezibel erhöhen.

Mangelnde Informationen über den Schall würden zu Falschinformationen in Bezug auf Windkraftanlagen führen. Rund um Herzhausen seien vermutlich 30 bis 40 Windräder im Gespräch.

Dr. Holger Repp von der Universität Gießen (Foto) „beleuchtete“ in seinem Vortrag den Infraschall und dessen eventuelle Gesundheitsrisiken. Infraschall könne zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Menschen führen, so zum Beispiel zu Schlafstörungen, Depressionen, Herz- und Kreislaufproblemen und Angstzuständen. Leider würde die Gesetzgebung diese Thematik und diese Risiken verschleiern.

Auch das Robert-Koch-Institut sehe ein Risiko für die Bürger in dem Infraschall. Es gäbe keine Langzeitstudien bei Kindern und bei Schwangeren über das Gesundheitsrisiko, hervorgerufen durch den Infraschall. Gesundheit ist nicht demokratisierbar und müssen wir das auf uns nehmen?, stellte Dr. Repp in den Raum.

Wulf Hahn von Regio Consult Marburg ging auf die Umwelt und die Natur ein, die durch Windkraftanlagen doch arg in Mitleidenschaft gezogen werde. Er beleuchtete dabei die raumordnerischen Kriterien und erläuterte die harten und weichen Ausschlusskriterien für die Planung eines Windparks. Auf dem Herzhäuser Höhenrücken, der derzeit für Windkraftanlagen favorisiert werde, könnten auf einer Größe von etwa 400 Hektar theoretisch 80 bis 100 Windräder entstehen. Dort seien umfangreiche Waldbestände vorhanden aber auch der Lahn-Dill-Bergland-Pfad führe mitten durch dieses Gebiet.

Anschließend hatten die Bürger die Möglichkeit, die Referenten zu befragen. Auf die Frage eines Bürgers, wie sicher die Windertragswerte seien, antwortete Wulf Hahn, dass es sich um reine Modellberechnungen handele.

Manfred Roth zeigte sich sehr gerührt und betroffen über das Gehörte zu dieser Thematik. Er frage sich, ob diese Naturlandschaft durch Windenergieanlagen so beeinträchtigt werden solle, zumal der Wald, wie in der Vergangenheit, ja auch als Energieerzeuger genutzt werde. Er fragte auch, wie sicher die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen sei.

Hahn betonte, dass in dem jetzigen frühen Stadium noch keine verbindlichen Aussagen gemacht werden könnten. Es sei auch zu klären, ob die Bürger ihren schönen Wald für eine ungewisse fragwürdige Planung opfern wollen. Auch sollten die Planer nicht solche Gebiete „ausgucken“, wodurch riesige Konflikte geschaffen würden.

Im Entwurf des Teilregionalplans Energie sind der Dusen-, der Kalten- und der Streichenberg als mögliches Gebiet für die Errichtung von Windkraftanlagen vorgesehen. Beantragt wurde dies auf Beschluss der Gemeindevertretung von der Gemeinde Dautphetal gegenüber dem Regierungspräsidium Gießen.

Erich Ronzheimer wollte wissen, ob es zu Enteignungen kommen könne, wenn die Besitzer der Liegenschaften nicht verkaufen würden. Eine Enteignung sei rechtlich möglich, erwiderte Hahn.

Dieter Jurkat betonte, dass alle Politiker dafür plädieren, die Bürger bei dieser Thematik mitzunehmen. Er vermisse am heutigen Abend Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt ebenso wie den Gemeindevorstand und die Fraktionsvorsitzenden der im Parlament vertretenen Parteien.

Bärbel Bastian berichtete, dass keine einzige Windenergieanlage in Hessen so gute Werte erbringe, wie ursprünglich prognostiziert wurde.

Mit den Worten „Wollen wir das wirklich?“, schloss Moderator Siegfried Ortmüller diesen Informationsabend.

nIn unserem gestrigen aktuellen Bericht von der Veranstaltung am Abend zuvor stand, dass dort wahrgenommen wurde, dass kein Gemeindevertreter anwesend war. Dabei wurde übersehen, dass Klaus Ronzheimer neben seiner Funktion als Ortsvorsteher in Herzhausen auch für die Freien Wähler im Gemeindeparlament ist.

von Klaus Peter

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