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Hinterland Heilkräuter wachsen am Wegesrand
Landkreis Hinterland Heilkräuter wachsen am Wegesrand
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16:51 24.04.2017
Der Giersch kann sehr gut gegessen werden und schmeckt nach Petersilie, Möhren und Sellerie, erfuhren die Teilnehmer an der Kräuterwanderung. Quelle: Sascha Valentin
Bad Endbach

Entlang der Salzböde zeigte Marianne Atzinger verschiedene Pflanzen, die roh gegessen im Salat oder als Tee aufgebrüht eine besondere Wirkung entfalten. Ihr sei es wichtig, die Menschen wieder für die Natur zu begeistern und das Wissen neu zu vermitteln, das noch unter den Großeltern weit verbreitet gewesen sei, sagte die Vorsitzende des Kneipp-Vereins Bad Endbach.

„Auf unseren Wiesen stehen viele kleine Wunder, die es zu nutzen gilt“, betonte Atzinger. Die Natur biete alles, um vielen Leiden die Stirn zu bieten. Man müsse nur wissen, welche Pflanzen für welche Symptome verwendet werden. Wichtig sei, entsprechende Bestimmungsbücher zu nutzen, riet Atzinger. Denn viele Pflanzen ähnelten einander sehr, nicht alle seien genießbar, manche sogar giftig.

Als Beispiel führte sie das Scharbockskraut an, das nicht geerntet werden sollte, wenn die Pflanze blüht. Dann steige nämlich der Anteil der Giftstoffe. Im frühen Stadium hingegen sei das Scharbockskraut reich an Vitamin C und deshalb früher sogar gegen die Vitaminmangelerkrankung Skorbut eingesetzt worden. Das Schöllkraut sollte nicht innerlich angewendet werden, erklärte Atzinger. Äußerlich auf die Haut aufgetragen, soll es jedoch gegen Warzen helfen.

Aztinger erklärte während des Rundgangs nicht nur, welche Pflanzen sich wofür eignen, sondern auch, wo sie zu finden sind. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen sollten die Pflanzen nicht gesammelt werden, da die Flächen zu stark belastet seien, riet sie dabei.

Auch auf Naturschutzflächen sollte nicht gesammelt werden. Ohnehin sei es wichtig, den Gedanken der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. „Also: keine Wurzeln ausreißen und an ­einem Ort alles absammeln, sondern die Pflanzenteile nur mit der Schere abschneiden und auch genug stehenlassen, damit sich die Pflanzen weiter vermehren können“, erklärte Atzinger.

„Heilkräuter aus dem Markt nutzen nichts“

So manches Kraut finde sich auch im Garten, etwa der oft großflächig auftretende Giersch, den viele Gartenbesitzer sogar als Ärgernis empfänden. Die Pflanze sei essbar, schmecke leicht nussig und reinige. Früher sei der Giersch zum Beispiel zur Behandlung von Gicht eingesetzt worden.

Auch der Löwenzahn sei leicht zu finden. Die jungen zarten Blättchen aus der Mitte der Rosette schmecken laut Atzinger leicht bitter und wirken wassertreibend und die Leber entgiftend. Gänseblümchen wiederum ließen sich gut in Salaten verarbeiten. Nicht nur die Blüten seien essbar. Die Blattrosetten könne man wie Feldsalat ernten. Sie schmecken laut Atzinger nussig und fein würzig. Als Heilkraut beliebt sei das Mädesüß, aus dem sich sogar Aspirin herstellen lasse.

Heilkräuter sollten Atzinger zufolge auf jeden Fall in der Natur gesammelt werden. Sie einfach aus dem Gartenmarkt zu kaufen, bringe wenig. „Die Pflanzen brauchen widrige Umstände, um ihre Heilkraft entfalten zu können“, erklärte sie.

Nachdem die Teilnehmer während des Spaziergangs die verschiedenen Pflanzen kennengelernt hatten, erfuhren sie im Seminarraum der Hessischen Berglandklinik auch noch, wie die Pflanzen verarbeitet werden können.

Dazu hatte Atzinger im Vorfeld bereits aus verschiedenen Kräutern Quiche, Quark, Pesto und einen Joghurt mit Löwenzahngelee zubereitet, die die Besucher nun kosten durften. Außerdem gab es ergänzend zum Kräuterspaziergang in der Berglandklinik noch einen Vortrag zu gesunder Ernährung. Referentin Wera Hein hob darin hervor, wie wichtig es im stressigen Alltag sei, bewusst Phasen der Entschleunigung einzubauen. Neben gesunden Mahlzeiten seien ausreichend Schlaf und auch Sport sehr wichtig.

von Sascha Valentin

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