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Heftige Kritik an Novartis Vaccines

Grippe-Impfstoff Heftige Kritik an Novartis Vaccines

Der Grippeimpfstoff wird in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern knapp. Die Apotheken-verbände der betroffenen Bundesländer sind verärgert und machen Novartis Vaccines dafür verantwortlich.

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Kleiner Stich – große Wirkung. Ärzte in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein dürfen bei Grippeschutzimpfungen nun auch Ersatzpräparate verwenden.Archivfoto

Quelle: DAK

Marburg. Marburg. Die gesetzlichen Krankenkassen im Norden haben die Notbremse gezogen: Weil es bei der Lieferung des benötigten Grippe-Impfstoffes akute Engpässe gibt, haben sie beschlossen, Ärzten bis auf weiteres die Nutzung aller zugelassenen Impfstoffe zu erlauben. „Wir bitten die Ärzte, die benötigten Kontingente bei den Apotheken abzurufen“, sagte AOK-Vorstand Dieter Paffrath. Ärzte und Apotheker im Norden sagen dennoch massive Engpässe voraus, weil es auf dem Markt so rasch nicht ausreichend Ersatz gebe.

Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) erlaubt es den Krankenkassen, sich per Ausschreibung auf nur einen einzelnen Impfstoff-Hersteller pro Bundesland festzulegen. In Schleswig-Holstein und Hamburg hatten die Kassen in einem Exklusivvertrag dem Pharmakonzern Novartis Vaccines den Zuschlag für die Lieferung des Grippeimpfstoffes Begripal o.K. (ohne Kanüle) für die diesjährige Grippesaison erteilt. Novartis sei seinen Lieferverpflichtungen nicht nachgekommen, sagt Paffrath.

Volker Husslein, Pressesprecher bei Novartis Vaccines erklärt hingegen: „Wir können bestätigen, dass wir inzwischen knapp 250000 Dosen Grippeimpfstoff in Schleswig-Holstein und Hamburg ausgeliefert haben.“ Damit seien fast alle vorliegenden Vorbestellungen abgearbeitet.

Neue Bestellungen werde man umgehend bearbeiten, teilte Husslein mit und weiter: „Novartis beliefert den Großhandel sowie die Apotheken und kann keine Auskunft über die weitere Verteilung an Ärzte und letztlich den Verbraucher geben“. Ob es innerbetriebliche Schwierigkeiten beim Produktionsprozess der Grippeimpfstoffes gegeben hat, ließ Husslein weiter offen.

Dr. Marcus Krämer, Leiter der A-1-Versandapotheke, findet deutliche Worte zum Thema Lieferschwierigkeiten: „Die allein dem Preisdiktat geschuldete Ausschreibungspraxis der Krankenkassen hat zur Folge, dass viele deutsche Patienten möglicherweise ohne Grippeschutz bleiben. Für Risikopatienten wie Alte oder chronisch kranke Erwachsene und Kinder kann dies schlimmsten Falls tödlich enden“, warnt Krämer.

Unterschiedliche Aussagen über die Versorgung mit Grippeimpfstoff kommen derzeit aus dem Süden der Republik. Die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern (Arge) - auf die auch der Novartis-Konzern verweist - meldet, im Freistaat stünden derzeit rund 800000 Impfdosen zur Verfügung. „Die Versorgung der an der Grippeschutzimpfung interessierten Versicherten und insbesondere der Risikogruppen ist damit sichergestellt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Arge.

Die Ärzte in Bayern können nun auch - wie ihre Kollegen in Hamburg und Schleswig-Holstein - andere Ersatzstoffe verordnen, nachdem Novartis Vaccines den Impfstoff Begripal auch im Freistaat nicht rechtzeitig und ausreichend liefern konnte.

Die Arge meldet weiter, dass die Krankenkassen derzeit prüfen, ob sie Schadenersatzforderungen gegenüber Novartis Vaccines einreichen. Grundsätzlich stellt die Arge aber klar, dass die Kassen an der Ausschreibung von Impfstoffen festhalten wollen.

In Hessen bestellen die Ärzte und Apotheker ihre Impfstoffe noch selbst bei den Apotheken oder Herstellern. Die Marburger Ärztegenossenschaft PriMa bestellt beispielsweise ihren Impfstoff stets bei zwei Herstellern. Falls ein Unternehmen Lieferschwierigkeiten meldet, steht somit noch eine weitere Absicherung für die Patienten zur Verfügung.

von Dennis Siepmann

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