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Hinterland Hausnamen: Entstehung und Bedeutung
Landkreis Hinterland Hausnamen: Entstehung und Bedeutung
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06:17 24.03.2012
Der Hausname „Roths“ hängt über dem Eingang (Foto links). Über die Bedeutung von Hausnamen referiert Wolfgang Kühnel am Freitag, 23. März, im Lohraer Bürgerhaus. Quelle: Gianfranco Fain
Lohra

Hobby-Ahnenforscher Wolfgang Kühnel gibt Zuhörern seines Vortrags am Freitag, 23. März, ab 19.30 Uhr im Gruppenraum des Bürgerhauses Lohra einen Einblick in die Lohraer Ortsgeschichte. Er referiert über die Entstehung, Bedeutung und Weitergabe von Hausnamen in Lohra, die lange Zeit ein elementares Merkmal dörflicher Kultur waren.

Im Wandel der Zeit und mit Verschwinden der regionalen Dialekte geraten die Hausnamen immer mehr in Vergessenheit. Dass es für Hausnamen keine feste Regel gibt, erläutert Kühnel. Ihre Entwicklung führt der Familienforscher auf Gewohnheitsrechte zurück.

„Manchmal weiß man nicht, wo sie herkommen“, sagte Kühnel. Abgeleitet werden sie beispielsweise von Familiennamen, männlichen oder weiblichen Vornamen, Namen von Berufen oder örtlichen Gegebenheiten. „Diese Namen liegen in der Regel auf dem Haus. Wenn sie einmal da waren, bleiben sie meistens bestehen“, berichtet Kühnel. Es gebe aber auch Fälle. in denen die Namen mitgenommen werden, wenn zum Beispiel im Rahmen der Dorfentwicklung neu gebaut wird.

Hausnamen können aber auch mehrfach vergeben sein. „Es gibt zum Beispiel den Hausnamen ‚Mines‘, der kommt von Wilhelmine und den haben wir in Lohra vier- oder fünfmal“, sagte Kühnel. Es komme teilweise darauf an, wie viele Kinder die Familien hatten und ob sie den Namen mitgenommen haben.

Für jeden Hausnamen gibt es laut Kühnel eine Erklärung und eine Geschichte. Es sei nicht immer einfach, diese zu rekonstruieren. „Der Arbeitskreis Ortsgeschichte hatte die Gelegenheit, die alten Kirchenbücher in Lohra zu digitalisieren. Die Hauptorientierung dabei sind die alten Hausnummern. In den 1970er Jahren sind die in den Dörfern abgeschafft und Straßennamen eingeführt worden. Davor wurden die Häuser durchnummeriert. In den Kirchenbüchern stehen die Namen und die Hausnummern und anhand dessen, wer dort wohnte, starb oder eingeheiratet hat, kann man die Geschichte eines Hauses nachverfolgen“, berichtet der Familienforscher.

Er geht davon aus, dass ihre Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. In seinem Vortrag will er zunächst mit den Anwesenden klären, ob sie der Erklärung der einzelnen Hausnamen zustimmen. Es gebe noch viele Bürger, die die Namen kennen, aber auch verschiedene Interpretationen, sagt Kühnel. „Das ist gelebte Geschichte, denn die Älteren wissen noch so vieles“, sagt er. Er will auch auf die geschichtliche Entwicklung der Namen eingehen. „Ich habe noch nicht für alle Namen Erklärungen gefunden“, sagt Kühnel, der schon jede Menge Material dazu gesichtet hat.

von Daniela Pieth