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Hinterland Hauptschüler schnuppern in die Berufswelt
Landkreis Hinterland Hauptschüler schnuppern in die Berufswelt
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18:25 10.10.2013
Hinter der Tür „Vorher - nachher - ein neuer Look entsteht“ spielte auch das Styling eine Rolle. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

In 2011 hatten bsj und BBZ die Berufsorientierungstage erstmals angeboten. „Wir hatten uns mit getrennten Konzepten für das Projekt beworben“, erinnert sich Birgit Sturmat-Rosenbaum, Geschäftsführerin des BBZ. Das Gremium der Fördermittelgeber habe damals befunden, dass beide Konzepte individuelle Stärken hätten - und so eine Zusammenarbeit initiiert, um die jeweiligen Stärken in einem Konzept zu vereinen. „Dadurch ist das jetzige Konstrukt zustande gekommen. Und es funktioniert hervorragend“, sagt Sturmat-Rosenbaum.

Die Idee: Jugendliche aus den 7. Klassen von Haupt- und Förderschulen im Landkreis können sich im BBZ rund um verschiedene Berufe informieren. Das alleine wäre nichts Neues. In Verbindung mit den pädagogischen Ansätzen des bsj entsteht jedoch eine Atmosphäre ohne Leistungsdruck. „Wir wollen den Jugendlichen ihre Stärken vermitteln und ihnen die Möglichkeit bieten, verschiedene Berufe kennenzulernen - und das, bevor sie beispielsweise in einem Praktikum schon erste Arbeitsluft schnuppern“, erläutert Susanne Kaiser, Jugendbildungsreferentin im bsj. „Wir wollen Lust auf Praktikum, Lust auf Beruf und Lust auf aktives Handeln machen.“

„Zum Projektstart hatten wir den Eindruck, dass sich hier Bildungsträger und Menschen zusammengefunden haben, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein können“ sagt Sturmat-Rosenbaum. Innerhalb der vergangenen Wochen seien jedoch alle zu einem „harmonischen Projekt-Team zusammengewachsen, alleine die Vorbereitung hat uns allen eine große Freude bereitet.“

Und der Erfolg gibt den Trägern recht: Waren es im ersten Jahr noch 240 Schüler, die das Projekt durchliefen, sind in diesem Jahr 388 angemeldet. „Damit sind wir auch an der Kapazitätsgrenze, mehr geht nicht“, sagt Susanne Kaiser. Zwar gebe es Anfragen, ob man die Aktionswoche nicht um eine weitere Woche verlängern könne. „Aber dann würden unsere Lehrwerkstätten still stehen, das funktioniert leider nicht“, erläutert Sturmat-Rosenbaum.

Im Vorfeld mussten sich die Schüler für eine von vier „Türen“ entscheiden. Diese Türen führen unterschiedliche Berufsfelder zusammen, sodass jeder Schüler nachhaltige Eindrücke mitnehmen kann und seine eignen Stärken in Bezug auf die erlebten Berufe einschätzen kann.

Neu konzipiert wurde in diesem Jahr die Tür „Blaulicht und Co.“. Dabei stehen die Erste Hilfe sowie Kontakt und Umgang mit hilfebedürftigen Menschen im Vordergrund. Birgit Sturmat-Rosenbaum erläutert: „Es gibt einen Erste-Hilfe-Kurs mit dem Anlegen von Verbänden oder stabiler Seitenlage und dem Absetzen eines Notrufs. Aber die Schüler erleben auch, wie es sich anfühlt, etwa einen Menschen zu füttern, der nicht gefüttert werden will. Oder wenn man mit einem Menschen zu tun hat, der nichts sieht.“

Hinter der Tür „Hand made: Produkte mit der Hand gemacht“ stellen die Schüler eine kleine Lampe her. Dabei kommen Metallbearbeitung, die Arbeit mit Holz und das Löten einer einfachen elektrischen Schaltung zum Einsatz. „Uns ist wichtig, dass die Jugendlichen etwas mit nach Hause nehmen können“, verdeutlicht Susanne Kaiser.

So auch hinter der Tür „Der Sterne-Koch: Von der Zutat bis zur Festtafel“. Nach einer Einweisung in die Hygienevorschriften bereiteten die Schüler eine Mahlzeit vor und durchliefen auch die Stationen vom Eindecken eines Tisches bis hin zum Service - und die Rezepte konnten sie mitnehmen.

Sehr gefragt war auch die Tür „Vorher - nachher: Ein neuer Look entsteht“. Dort standen neben Styling und Frisuren auch das Einkleiden über das Fotografieren bis hin zur Bildbearbeitung und Retusche im Fokus. Und das nicht nur bei Mädchen: Auch Jungen waren dabei. Zwar gibt Daniel Junker aus Kirchhain zu, dass die Tür „nur meine zweite Wahl war“, als er im Sessel sitzt und drei Mädchen ihn vor dem Foto-Shooting dezent mit Make-up schminken. „Aber es ist schon cool“, sagt er.

Auch Laura Sagorski aus Salzböden ist mit Enthusiasmus bei der Sache, hat aber zunächst Angst, etwas falsch zu machen. „Da kann nichts passieren“, spricht ihr eine Betreuerin Mut zu. Und genau das ist es, was laut Susanne Kaiser die Berufsorientierungstage ausmacht: „Pädagogen, Auszubildende und Menschen, die den Beruf schon lange ausführen, arbeiten hier Hand in Hand. Und dabei geht es nicht nur um das handwerklich richtige Ausführen der Arbeit. Sondern darum, Freude an dem zu haben, was man tut - und vermeintliche Schwächen zu vergessen.“

von Andreas Schmidt

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